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Martin Kind ist seit 1997 Präsident von Hannover 96
Martin Kind ist mit kurzer Unterbrechung seit 1997 Präsident von Hannover 96 © getty

München und Hannover - Hannovers Präsident Martin Kind spricht bei SPORT1 über die prekäre Situation bei 96. Er hat noch Hoffnung auf die Rettung und würde mit Thomas Schaaf in die Zweite Liga gehen.

Hannover 96 kommt auch im Jahr 2016 nicht in die Spur.

Der Trainerwechsel von Michael Frontzeck zu Thomas Schaaf zeigte nicht den gewünschten Erfolg. Nach vier Niederlagen am Stück zieren die Niedersachsen mit 14 Punkten nun sogar das Tabellenende.

Ein Zustand, der auch am Macher der 96er nagt. Ein Abstieg wäre eine "persönliche Niederlage, ein Gau", bekannte Martin Kind im Gespräch mit SPORT1 und machte aus seinem Innenleben kein Geheimnis: "Ich bin emotional betroffen."

(Das Interview ab 18.30 Uhr in Bundesliga Aktuell LIVE im TV auf SPORT1)

Trotz sechs Neuzugängen im Winter ist spielerisch noch keine Verbesserung zu erkennen. Doch Kritik an Geschäftsführer Martin Bader lässt Kind nicht zu. "Der Januar ist immer schwierig für Transfers. Der Traum ist es ja immer, dass man nicht nachverpflichten muss. Von den Entscheidungen waren aber alle Beteiligten überzeugt."

Es gehe bei der ganzen Problematik nicht um Emotionen. "Statistische Rechnereien beachte ich nicht", so Kind. "Thomas Schaaf und die Mannschaft machen mich optimistisch. Sie hat bewiesen, dass sie es besser kann. Die Mannschaft wird das umsetzen."

Interesse an Kießling

Fast wäre 96 im Winter ein Coup gelungen: "Wir hätten Stefan Kießling gerne verpflichtet, wir waren auch sehr weit. Er wollte zu uns, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass Leverkusen dem zustimmt. Es wäre toll gewesen, wenn es geklappt hätte, aber wir respektieren seine Entscheidung".

Trotz der prekären Lage ist Kind von den Fähigkeiten Schaafs vollends überzeugt. "Er ist ein Erfolgstrainer. Das hat er in Bremen und Frankfurt gezeigt. Dank und Respekt an ihn, dass er sich entschieden hat, hier Verantwortung zu übernehmen in der Erkenntnis, dass die Situation schwierig ist."

Kind fügt noch hinzu: "Er hätte es einfacher haben können."

BVB-Spiel als Hoffnungsschimmer

Der Ist-Zustand? Ernüchternd. Lediglich die 0:1-Niederlage bei Borussia Dortmund wertet Kind als Teilerfolg. Als einen kleinen Hoffnungsschimmer. "Da war die Handschrift von Schaaf zu erkennen. Wir haben aber noch 13 Spiele und die Herausforderung nehmen wir an", sagt der 96-Boss.

Dennoch ist Kind realistisch genug und beschäftigt sich bei bereits sieben Punkten Abstand zum rettenden Ufer mit den Konsequenzen eines möglichen Abstiegs.

"Abstieg ein deutlicher Rückschritt"

Was würde der bittere Gang in die Zweite Liga für Hannover bedeuten?

"Die Bundesliga ist ein Premium-Produkt des deutschen Fußballes", sagt Kind und ergänzt: "Ein Abschied wäre ein deutlicher Rückschritt für 96 und die ganze Region. Die Identität muss erhalten bleiben. Müssen sehen, dass die Hannoveraner den Klub weiter so aktiv unterstützen."

Und weiter: "Wirtschaftlich sind viele Punkte wichtig. Zuschauer werden zurück gehen - Hotelerie, Gastronomie - alle sind betroffen. Ein Abstieg bedeutet natürlich einen Umsatzrückgang. Die Mannschaft belaste ich mit diesem Thema nicht. Thomas Schaaf ist da gefordert."

Mit Schaaf in Zweite Liga?

Ob der Coach auch im Unterhaus an Bord bliebe oder von der Leine ging, ist offen. "Ich bin nach wie vor und zutiefst von Thomas Schaaf überzeugt", betont Kind. "Sein Vertrag gilt nur für die erste Liga. Wir werden aber mit ihm sprechen und ich hoffe, dass er die Herausforderung auch wieder annehmen würde."

Kind predigt gebetsmühlenartig er sei "Optimist", vertraue der Mannschaft und auch Schaaf. "Das Ziel ist der Klassenerhalt. Aber auch bei einem Abstieg geht die Welt weiter. Ich habe gewettet, dass wir drin bleiben."

Man müsse nun "konzentriert und zielgerichtet" arbeiten. Unruhe und Kritik seien "falscher Ratgeber."

Und weiter: "Man ist trotzdem gefordert, den Verstand einzuschalten. Die ruhigen sachlichen Reaktionen sind gefragt."

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