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Hertha BSC v VfL Wolfsburg - Bundesliga
Steht bei den Niedersachen bereits seit neun Jahren unter Vertrag: Wolfsburgs Marcel Schäfer © Getty Images

München - Im SPORT1-Interview spricht Wolfsburgs Marcel Schäfer über die aktuelle Krise beim VfL und die Ziele des Vereins. Außerdem verrät er, wo er seine Karriere beenden will.

Der VfL Wolfsburg ist nicht wiederzuerkennen. Während die Niedersachsen die letzte Saison noch auf Platz zwei abschlossen, belegt das Team von Trainer Dieter Hecking in der aktuellen Runde nach 22 Spieltagen Rang acht (DATENCENTER: Die Tabelle). Das wirft Fragen auf.

Der Volkswagen Doppelpass aus Wolfsburg, Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1

Einer, der alle Höhen und Tiefen im Verein miterlebt hat, ist Marcel Schäfer. Der 31-Jährige trägt seit 2007 das Trikot der "Wölfe". Am Samstag schaut der FC Bayern in der Autostadt vorbei (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Vor dem Spiel gegen die Münchner spricht der Abwehrspieler im SPORT1-Interview über die Situation in Wolfsburg und verrät seine Zukunftspläne.

SPORT1: Herr Schäfer, nur ein Sieg aus den letzten neun Spielen. Was ist da los?

Marcel Schäfer: Wir hatten eine schwierige Phase mit sieben Spielen ohne Sieg. Das kann man nicht einfach so wegwischen. Darunter leiden das Selbstvertrauen und die Automatismen. Es wurde uns leider vorgeworfen, dass wir das nicht getan hätten. Aber die Spiele gegen Ingolstadt, in Gent und in Berlin haben gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg raus aus der Krise sind. Wir haben uns gegen die Situation gewehrt, haben einen kleinen, aber wichtigen Schritt nach vorne gemacht.

SPORT1: Max Kruse sagte zuletzt, dass der VfL nicht als Mannschaft aufgetreten ist. Auch der Ex-Wolfsburger Timm Klose nannte fehlenden Teamgeist als Hauptgrund für die Krise. Wie denken Sie?

Schäfer: Die Kritik war natürlich berechtigt, aber in schwierigen Phasen kommt so ein Vorwurf immer als erstes auf den Tisch. Es ist ganz klar, dass bei einer Mannschaft mit so einem Potenzial und solchen Ansprüchen wie dem VfL der Teamgeist schnell in Frage gestellt wird. Teilweise haben wir Anlass dazu geben. Aber wenn man die Jahre nach der Meisterschaft ganz nüchtern betrachtet, dann weiß man, dass es nicht nur bergauf geht. Es waren Jahre dabei, wo es überhaupt nicht gelaufen ist. Man kann jedoch in einer Krise auch viel mitnehmen als Mannschaft. Zuletzt sind wir durchaus wieder zusammengerückt.

SPORT1: Sie monierten einmal, dass der VfL oft in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Was hat Sie konkret gestört?

Schäfer: Es wurde oft abwertend über die Stadt und den Verein gesprochen, doch in den vergangenen drei Jahren hat der Verein eine positive Entwicklung genommen. Als wir Meister wurden, sind wir überall positiv gesehen worden. In den Jahren danach war das nicht mehr so, weil wir unseren Ansprüchen deutlich hinterher gehinkt sind. In der jüngsten Vergangenheit haben wir attraktiven Fußball gespielt - mit dem Gewinn des Pokals und des Supercups war das natürlich optimal. Durch die Krise zuletzt hat das Gesamtbild wieder etwas gelitten. Leider.

SPORT1: Sie sind das neunte Jahr beim Verein. Keine Lust auch mal etwas anderes zu machen?

Schäfer: Ich bin stolz darauf. Ich bin 2007 nach Wolfsburg gekommen und wenn ich meinen Vertrag beende, dann war ich zehn Jahre beim VfL. Ich bin kein Wandervogel, sondern lege Wert auf Konstanz. Ich fühle mich als Bestandteil der Vereinsgeschichte.

SPORT1: Wollen Sie Ihre Karriere beim VfL beenden?

Schäfer: Mein Weg ist vorgezeichnet. Ich habe Lust, etwas anderes zu machen und will meine Karriere in Amerika beenden. Ich will diese Auslandserfahrung machen. Für die Zeit nach meiner Profi-Laufbahn habe ich schon einen Anschlussvertrag beim VfL unterschrieben, werde dann in den Verein eingebunden. Daran sieht man, dass ich mich in Wolfsburg sehr wohl fühle und mich mit dem Klub absolut identifiziere. Meine drei Kinder sind hier geboren und wir haben mit der Familie viele Freundschaften geschlossen. Ich bin mit dem VfL sehr verbunden.

SPORT1: Was ist noch drin für den VfL? Die Champions League-Qualifikation dürfte ohne den Titelgewinn schwer werden, oder?

Schäfer: Das sehe ich anders. Es ist in der Tabelle noch alles ziemlich eng beisammen. Hertha ist nur fünf Punkte weg. Da ist nichts unmöglich. Wenn wir unsere Aufgaben erfüllen, können wir uns berechtigte Hoffnungen machen, höherer Ziele noch zu erreichen. Wir sollten von unseren Zielen nicht abrücken. Wir hatten unsere schwierige Phase, andere Mannschaften werden auch noch mit ihren Leistungen hadern. Wir wollen wieder in die Champions League.

SPORT1: Die Bayern kommen nach Wolfsburg. Die Münchner sind personell sehr angeschlagen und haben 90 Minuten gegen Juventus in den Beinen. Ein günstiger Zeitpunkt also, um sie zu schlagen?

Schäfer: Das kann man so nicht sagen. Wir hatten letzte Woche auch ein Champions League-Spiel in Gent und konnten gegen Hertha in den letzten 30 Minuten auch noch zulegen. Auch wir haben ähnliche personelle Probleme, können nicht mal die Bank füllen und müssen auf Jugendspieler setzen. Wir freuen uns auf das Spiel, denn es ist wieder eine große Chance ein Ausrufezeichen zu setzen und das wollen wir tun.

SPORT1: In der vorigen Saison wurde oft vom Bayern-Verfolger gesprochen. Wie sehr hat das bis heute die Köpfe blockiert?

Schäfer: Ich habe uns nie als Bayern-Verfolger gesehen. In diese Rolle wurden wir reingedrängt. Der FC Bayern hat über Jahrzehnte sportlich und wirtschaftlich hervorragende Arbeit geleistet. Tabellarisch waren wir mit Platz zwei in der letzten Saison ein Bayern-Verfolger, aber wir können sie nicht richtig angreifen. Das ist auch nicht schlimm. Unsere Entwicklung ist positiv und wenn wir in den nächsten Jahren immer international dabei sind, können wir uns die nächsten Ziele stecken. Wir brauchen regelmäßige Präsenz in der Champions League, dann werden wir ein Bayern-Verfolger sein.

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