Video

München - Matthias Sammer hat mit seinem Rundumschlag die Medien kritisiert. Aber er offenbart auch seine Motive: "Wenn jemand von uns angegriffen wird, dann verteidige ich ihn".

Mit Zündeln kennt sich Matthias Sammer aus. Er, der ewige Mahner und Finger-in-die-Wunde-Leger, ist ja selbst einer. Ohne Zündfunke kein Feuer, ohne Zündler kein Brand und schon gar keine Brandrede.

Was Sammer, dessen 2001 erschienene Biographie sogar den Titel "Der Feuerkopf" trug, am Mittwoch am Trainingsgelände des FC Bayern München an der Säbener Straße vorgetragen hat, war sogar eine ziemlich schöne Brandrede. Ein Rundumschlag gegen die in seinen Augen übertriebene Berichterstattung rund um den FC Bayern in den letzten Tagen und Wochen.

Sachlich im Ton, klar in der Ansprache, belehrend in der Sache. Gleichzeitig aber auch eine Lehrstunde in Dialektik.

Rede und Gegenrede, manchmal auch in einem Atemzug

Einerseits wehrte sich Sammer gegen Kritiker, andererseits dementierte er aber auch ein gewisses "Knistern" innerhalb der Mannschaft nicht. "Bayern München und Ruhe: Das passt ja irgendwo auch nicht. Alles in Harmonie - das können sie vergessen", sagte er.

Rede und Gegenrede, immer wieder, manchmal auch in einem Atemzug. "Ich kann nicht alles kontrollieren, aber ich werde drauf achten, dass jeder alles im Sinne der Mannschaft macht. Reizklima ist manchmal auch nicht so schlecht", sagte er etwa.

"Bitte nicht nur austeilen"

Zwischendurch lobte der Sportvorstand sich sogar selbst. "Wir haben eine sehr sachliche und sehr gute Pressekonferenz", sagte er. Seine kleine Medienschelte sei "vielleicht ein bisschen übertrieben", gab er zu, um dann aber den Journalisten wieder ins Gewissen zu reden. "Bitte nicht nur austeilen, man muss auch ein bisschen einstecken können. Aber es war sehr höflich, oder?", fragte er.

Durchaus.

Sammer war nicht zornig, er schien sogar bester Laune. Obwohl der eigentlich gebuchte Protagonist der Versammlung kurzfristig unpässlich war. Serdar Tasci, der während der Pressekonferenz vorgestellt werden sollte, verletzte sich gleich beim ersten Training mit seinen neuen Kollegen, musste mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung zum Arzt, droht das Spiel in Leverkusen am Samstag zu verpassen.

Läuft bei Bayern, könnte man sagen.

Sammer wittert Verschwörung

Sammer bezeichnete dies als "ein bisschen unglücklich" und widmete sich dann lieber den von ihm so genannten Zündlern: "Es ist seit letzter Woche ein bisschen was passiert. Im Sächsischen nennt man das 'Zündeln'. Man versucht, gegenüber dem FC Bayern mit allen Mitteln eine Situation herzustellen, was sich Fußball-Deutschland vielleicht wünscht: dass es enger wird. Aber das Gegenteil wird bewirkt: Wir werden noch enger zusammenrücken und das auch nicht akzeptieren", sagte er.

Was er und die Bayern konkret nicht akzeptieren wollen: Berichte, nach denen Arturo Vidal während des Trainingslagers in Katar abends ausgebüchst und dabei möglicherweise einen über den Durst getrunken haben soll. Dies hatte am Mittwoch die Sport Bild enthüllt. Gegen die Berichterstattung werde man rechtliche Schritte einleiten, kündigte Sammer an.

Mehr Respekt für Guardiola

"Das stimmt nicht und ist die Unwahrheit. Wir haben mit Arturo ein absolut enges Verhältnis. Wir haben ihn auch auf diese Themen angesprochen. Er hat gesagt, dass das nicht stimmt. Darauf verlassen wir uns", sagte Sammer. Im Zweifel traue man "natürlich" eher dem eigenen Spieler als Recherchen Unbeteiligter. Auch Vidal hatte die Informationen zuvor öffentlich als "Lüge" bezeichnet.

Trainer Pep Guardiola verteidigte Sammer vehement. Der werde "für alles verantwortlich gemacht. Das werden wir auch nicht akzeptieren. Das, was da im Moment passiert, ist nicht korrekt", sagte Sammer, bat  "um etwas mehr Respekt" und offenbarte beinahe hoeneßsche Muttertier-Qualitäten.

"Solange ich hier bin, ob das nun 20 oder zwei Jahre sind: Wenn jemand von uns angegriffen wird, dann verteidige ich ihn. Bei uns ist nicht alles super", sagte Sammer. Aber, na klar, "auch nicht alles schlecht".  

Unzufriedene Spieler? Kommen vor!

Dass Spieler unzufrieden seien und dies auch öffentlich kundtun würden, komme vor. "Das gab es immer. Es gibt immer unterschiedliche Phasen in einer Saison. Manchmal knistert es eben, so auch bei uns derzeit. Das sind gewisse Reizpunkte, die man eben auch braucht. Wir müssen in Leverkusen noch eine Schippe drauflegen. Jeder muss immer alles dem Erfolg unterordnen", sagte er, schon wieder ganz der alte Mahner.

Für den gibt es derzeit einiges zu tun beim FC Bayern. "Es geht darum, dem FC Bayern zu dienen und sich selber dabei manchmal zu zeigen, oftmals zurückzunehmen", sagte er. Immerhin könne der FC Bayern "Geschichte schreiben - und ich rede nicht von der Champions League oder vom Pokal, sondern von der magischen Vier". Dem vierten Titel in Serie.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel