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München und Turin - Ginge es nach Bayerns Trainer Pep Guardiola, sähe sein Job ganz anders aus. Tut er aber nicht. Die Geschichte eines großen Missverständnisses.

Eigentlich braucht es nur ganz wenig um Pep Guardiolas immer freundliches 'Super-super-perfekt'-Kartenhaus zum Einsturz zu bringen: Man stelle ihm eine Frage, die ihm nicht passt.

Die Andeutung eines italienischen Journalisten, der FC Bayern habe die Führung bei Juventus im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League wegen fehlender Kondition verspielt, beschwor am Dienstagabend einen solchen Moment herauf.

Kein Verständnis für Fragen

Guardiola lässt Journalisten gerne und oft spüren, was er von ihren Fragen und Geschichten hält. Nämlich meist gar nichts. "Ich bin nur hier, weil der FC Bayern das will", sagte er einmal auf einer Pressekonferenz.

Am liebsten würde er nur über Fußball reden, die Essenz des Spiels. Das geht aber nicht, schon gar nicht als Trainer des FC Bayern. Zu gefragt sind Neuigkeiten über das, was abseits des Platzes passiert. Doch bereits Fragen zum Spiel regen ihn auf, etwa wieso die Bayern am Ende 2:2 gespielt haben in Turin statt 2:0.

Wieso nur ist Guardiola so leicht reizbar?

Guardiola zuckt mit den Schultern

"So ist Fußball", sagt er gern, wenn seine Mannschaft mal nicht gewinnt, "wir haben gegen einen sehr starken Gegner gespielt." Stimmt einerseits. Und doch spielt sich im gleichen Moment in seinem Kopf natürlich etwas komplett anderes ab.

Das wiederum würde der fragende Journalist aber ohnehin nicht verstehen, und es interessiert ihn auch nicht. Deshalb reagiert der zuweilen ungeduldig. Interviews sind für ihn Zeitverschwendung.

Doch nicht nur das: Viele Fragen fasst er als indirekte Kritik auf. Wenn nach der körperlichen Verfassung seiner Mannschaft gefragt wird oder nach den vielen Muskelverletzungen, dann steht damit natürlich auch seine Rolle zur Diskussion.

Diskussionen um Training und Zukunft

Die Vermutung, Guardiola könne falsch trainieren lassen, trifft ihn hart. Schließlich beschäftigt er sich rund um die Uhr genau mit diesem Thema. Sein einziger Zweck beim FC Bayern ist es, die Spieler in die bestmögliche Form zu bringen.

Hinzu kam das monatelange Theater um seine Zukunft. Hier verstand Guardiola nie, wieso es immer neue Fragen gab, obwohl er das Thema stets abzubügeln versuchte. Derweil war schon allen so gut wie klar, dass seine Zukunft bei Manchester City liegt. Nur Guardiola tat so, als wäre nichts.

So wuchs sein Misstrauen immer weiter. Seit er seinen Abgang verkündet hat, kochen links und rechts Geschichten über miese Stimmung und Undiszipliniertheiten hoch. Zusätzlicher Stress für Guardiola, der fürchtet, dass sich jetzt erst recht die nach vorne trauen, die ihm Böses wollen.

In England wird es härter für Guardiola

Das Paradoxe: In seinem Traumziel England wird er auf eine deutlich hysterischere Medienlandschaft treffen. Zwar gibt es dort keine öffentlichen Trainings, doch der Ton ist rauer. Da braucht Guardiola nur Louis van Gaal zu fragen.

Egal wie die letzten Monate seiner Amtszeit verlaufen werden, die große Liebe wird nicht mehr ausbrechen zwischen Guardiola und der deutschen Medienlandschaft. Zu unverstanden fühlt er sich.

Dabei war das schon in Barcelona nicht anders und es wird sich auch nicht ändern, solange er Trainer ist. Auch deshalb weiß Guardiola wohl jetzt schon, dass er seine Karriere nicht bis ins hohe Alter fortsetzen wird.

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