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München - Die Bayern beweisen trotz der Verletzungssorgen in der Abwehr Nehmerqualitäten. SPORT1 erklärt, auf welche Faktoren der Rekordmeister in dieser schweren Situation zählen kann.

Ausgerechnet vor den wichtigsten Wochen der Saison brach dem FC Bayern vor dem Spiel gegen Augsburg mit Holger Badstuber auch der letzte gelernte Innenverteidiger aus der Mannschaft. Droht den Münchnern jetzt eine ähnlich unglückliche Rückrunde wie in der vergangenen Seuchensaison, als für die Bayern in Champions League und DFB-Pokal jeweils im Halbfinale Endstation war?

Zumindest kurzfristig war von einem Formknick nichts zu spüren. Keine 24 Stunden nach der Hiobsbotschaft zeigten die Bayern gegen den FCA Nehmerqualitäten: Auch mit der Notnagel-Viererkette um das ungewohnte Innenverteidiger-Duo Joshua Kimmich/David Alaba siegten sie souverän mit 3:1.

SPORT1 erklärt, wie die Münchener der Verletzungsmisere in der Defensive in den nächsten Wochen trotzen wollen.

• Mit Teamgeist gegen die Selbstauflösung

Elfmal prangte Holger Badstubers Nummer 28 auf dem Rücken der Spieler, die der FC Bayern in Augsburg auf den Rasen schickte. Auch Pep Guardiola und der Betreuerstab trugen ein Shirt zu Ehren des einmal mehr schwer verletzten ewigen deutschen Abwehrversprechens.

Für Sportvorstand Matthias Sammer eine Geste mit Symbolcharakter. "Was wir heute mit dem Trikot gezeigt haben, ist eine wichtige Botschaft, insgesamt für Holger, aber auch den Klub, dass wir gut zusammenhalten", sagte er auf SPORT1-Nachfrage.

"Der Teamgeist war schon vorher da", versicherte Badstuber-Vertreter Joshua Kimmich auf SPORT1-Nachfrage. "Aber durch die ganzen Verletzten gerade in der Innenverteidigung ist klar, dass man noch enger zusammenrückt und das zusammen als Team auffängt."

In Augsburg gelang das über weite Strecken: David Alaba ließ sich auch von abgebrochenen Zähnen nicht beirren und strahlte Präsenz aus. Auch dass Kimmich selbst nur 37,5 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, fiel kaum ins Gewicht, weil seine Nebenleute in brenzligen Situationen einsprangen.

© SPORT1

• Der Faktor Zeit

Derzeit müssen die Bayern komplett ohne gelernte Innenverteidiger auskommen. Doch mittelfristig winkt Entlastung. "Wir haben Serdar [Tasci] und wir hoffen, dass Medhi [Benatia] bald wieder zurückkommt", setzt Philipp Lahm auf SPORT1-Nachfrage auf baldige Rückkehrer.

Neuzugang Tasci stand gegen Augsburg erstmals im Bayern-Kader. Wenn er seine Form nach gut vier Monaten ohne Pflichtspieleinsatz gefunden hat, könne der Ex-Stuttgarter laut Sammer "den Bayern helfen".

Benatia hat immerhin schon an einigen Einheiten im Mannschaftstraining teilgenommen. Und auch Javi Martinez könnte zumindest im Achtelfinalrückspiel gegen Juventus Turin wieder im Kader stehen.

• Angriff ist die beste Verteidigung

Bayerns Defensive mag auf dem Zahnfleisch gehen, gefordert wurde sie in Augsburg allerdings kaum. Auch dank der eigenen Dominanz im Spielaufbau: Mit 65,5 Prozent Ballbesitz hielten die Münchener den Gegner erfolgreich vom eigenen Tor fern.

"Die Mannschaft will attackieren und angreifen. Manchmal ist das für den Gegner nicht einfach", beschrieb Pep Guardiola bei Sky das Konzept.

So geriet die Abwehr kaum einmal ernsthaft in Gefahr. Und das, obwohl die Viererkette mit einer Durchschnittsgröße von nicht einmal 1,75 Metern durchaus Angriffsfläche bot, wie zwei Kopfballchancen der Augsburger in der ersten Hälfte offenbarten.

• Lebensversicherung Lewandowski

Robert Lewandowski hat den Lauf seines Lebens. Und wird so zur Lebensversicherung der Bayern: 21 Tore bedeuten Rang eins in der Torschützenliste. Acht der letzten zehn Pflichtspiel-Tore der Bayern erzielte der Pole, dessen Treffer in der Anfangsphase und kurz nach dem Wiederanpfiff den Augsburgern den Wind aus den Segeln nahmen.

Lewandowski geht voran. Auf dem Weg zu neuen Titel gibt es für ihn kein Lamentieren. "Auch wenn es natürlich mit Holger etwas einfacher wäre, können wir nicht immer über Probleme sprechen", stellte er auf SPORT1-Nachfrage klar: "Wir müssen weiterkämpfen."

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