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Christian Heidel beerbt Horst Heldt als Manager des FC Schalke 04 © Imago

Mainz - Christian Heidel kann die neue Rolle auf Schalke ausfüllen und wird eine neue Philosophie in die Wege leiten. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zum Managerwechsel.

Wie ist die Rolle von Christian Heidel auf Schalke? Kann er die Fülle an Aufgaben bewältigen?

Christian Heidel übernimmt den Vorstandsposten Sport und Kommunikation. Damit verbunden sind alle Befugnisse im sportlichen Bereich. Ihm stehen Peter Peters (Finanzen) und Alexander Jobst (Marketing) zur Seite, aber Heidel wird nach außen das große Sprachrohr sein. Auch Aufsichtsratschef Clemens Tönnies könnte sich dann rarer machen.

"Das Wichtigste auf dieser Position ist das Netzwerk", sagt Heidel zu SPORT1.

In Sachen Personal- und Menschenführung hat sich Heidel in Mainz nach 24 Jahren ein riesiges Ansehen erworben. Zuletzt hat er in Mainz als wichtigstes Vorstandsmitglied alle sportlichen und wirtschaftlichen Weichenstellungen vorgegeben. Schalke mit seinem unruhigen Umfeld tickt anders.

Der 52-Jährige: "Ich weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist - das ist aber der Reiz. Eine leichte Aufgabe hätte ich nicht angenommen."

Wie geht es weiter mit Horst Heldt?

Genau wie Christian Heidel soll auch Horst Heldt vertragsgemäß bis 30. Juni weiterarbeiten. Aber weitreichende Entscheidungen müssen beide Manager nun im Grunde gemeinsam treffen - Heidel deutete an, dass gewisse Personalfragen eine Abstimmung erfordern.

Heldt ist geschwächt, wird aber nach bestem Gewissen weiterarbeiten - allein um seinen Ruf in der Branche nicht zu beschädigen. Doch die ganz großen Deals - wie ein möglicher Verkauf von Leroy Sane - kann Heldt nicht mehr abwickeln.

Heidel sieht aber kein Problem darin: "Das Gute ist doch, dass die Bundesligasaison wegen der EM schon Mitte Mai endet." Und die Gebote für Topspieler treffen ohnehin erst später ein.

Besteht die nächste Zeit ein Interessenskonflikt?

Pikante Frage. Heidel reagierte auf der Pressekonferenz leicht gereizt: "Es ist Quatsch, dass ich nächste Woche weg bin. Aber wenn ich behaupte, bis 15. Mai beschäftige ich mich nicht mit Schalke, glaubt mir das doch eh keiner."

Beide Manager würden ihre Arbeit "anständig zuende bringen". Interessenskonflikte sieht Heidel nicht einmal wegen des von Schalke geliehenen Profis Christian Clemens. "Die Optionen sind klar geregelt. Da muss ich gar nicht mit mir selbst verhandeln." Trotzdem muss er die nächsten Wochen einen Spagat vollbringen und doppelgleisig planen.

Was muss Heidel besser machen als Vorgänger Horst Heldt?

Spieler für eine Millionen-Ablöse kaufen und mit hohen Gehältern binden, ist recht einfach. Von Heidel wird erwartet, dass er auch mal wieder in den Nischen erfolgreich absucht, zumal der Transfermarkt im Sommer durch die Geldflut aus England und China vermutlich verrückt spielt. Und auch Schalke kann sich nicht solche Flops wie unter Heldt mit Kevin-Prince Boateng leisten.

Das Gute: Heidel ist bestens in der Beraterszene vernetzt, gilt als guter Verhandler, tritt meinungs- und durchsetzungsstark auf. Heidel sagt auf SPORT1-Nachfrage zu den Unterschieden zwischen den beiden Klubs: "In Mainz ist die Philosophie alternativlos, Spieler für viel Geld abzugeben. Auf Schalke darf ich mich mit anderen Möglichkeiten befassen." Und  auch mal einen zweistelligen Millionenbetrag ausgeben. Heidel: "Einkaufen oder verkaufen: Ich kann beidem etwas abgewinnen."

Welche Lücke hinterlässt Heidel in Mainz?

Eine riesengroße. Dass sich in Mainz aus einem biederen Zweitligisten ein bestens strukturierter Erstligist herausgebildet hat, ist Heidels Verdienst. Er war zum Gesicht und Gestalter und zum Herz des Vereins geworden. Sein Nachfolger Rouven Schröder (noch Werder Bremen) findet ein bestelltes Feld vor.

Sportlich wie wirtschaftlich steht kaum ein Mittelklasseklub besser dar. Im laufenden Geschäftsjahr wird beim selbst ernannten Karnevalsverein erstmals die 100-Millionen-Marke beim Umsatz durchbrochen, der Klub ist komplett schuldenfrei. Und als Tabellensiebter schnuppert das Team von Trainer Martin Schmidt an den Europa-League-Plätzen.

Wie geht es weiter in Mainz?

Präsident Harald Strutz traf sich auf Vorschlag von Christian Heidel bereits Anfang Januar mit Wunschkandidat Schröder. Strutz: "Dieser Mann passt von seinem Profil zu unserem Klub."

Nach SPORT1-Informationen ging es am Montag noch um eine Ablöse. Der 40 Jahre alte Schröder würde dann alsbald von Heidel eingearbeitet.

"Ich würde es begrüßen, wenn Rouven früher kommen könnte, dann sitzt er bei allen Entscheidungen dabei. Und wenn es ohne mich läuft, hätte ich keine Probleme, einen Schritt zurückzugehen."

Nur eines solle man nicht tun: Schröder mit ihm zu vergleichen.

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