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Hoffenheims Julian Nagelsmann schöpft mit dem 1:1 bei Bremen Mut. Der jüngster Bundesliga-Trainer der Geschichte geht seine Aufgabe mit maximalem Enthusiasmus an.

Dutzende von Fachfragen hatte Debütant Julian Nagelsmann so prompt wie geduldig beantwortet, dann stockte plötzlich sein Redefluss, der junge Coach musste einen Moment in sich gehen.

"Es wäre schön, bei Wikipedia zu lesen, dass ich als jüngster Bundesligatrainer mit Hoffenheim die Klasse gehalten habe", beschrieb der gerade 28 Jahre alte Novize eher leise und zögerlich sein Saisonziel.

Gelungener Einstand

Das hart erkämpfte 1:1 beim Tabellennachbarn Werder Bremen war mehr ein Punktgewinn für die Psyche als für eine echte Verbesserung der Tabellensituation des Vorletzten. Aber der Nachfolger des Old-School-Coachs Huub Stevens hatte durchaus ein positives Zeichen gesetzt.

Nagelsmann auf SPORT1-Nachfrage: "Die Überzeugung ist da, dass wir das schaffen können. Der Punkt heute geht absolut in Ordnung. Wir haben viele Dinge gesehen, die mich positiv stimmen."

Die von ihm initiierte Dreierkette ließ nur einen (unglücklichen) Gegentreffer in der 13. Minute zu und geriet erst ins Wanken, als Torschütze Andrej Kamaric in der 77. Minute die Gelb-Rote Karte sah.

"Unser Auftritt war so erfrischend wie schon lange nicht mehr", befand Sportchef Alexander Rosen. Torhüter Oliver Baumann, der mehrfach das wichtige Unentschieden festhielt, lobte den neuen Trainer für seine "klare Art", und Innenverteidiger Ermin Bicakcic definierte die Arbeitsweise Nagelsmanns so: "Eine Mischung aus Motivator und Analytiker."

Wer Nagelsmann bei seinem ersten Arbeitstag als Chefcoach bei einem Bundesligaspiel beobachtete, musste dem Hoffenheimer Abwehrchef bei dessen Wortwahl zustimmen.

Der gebürtige Bayer verschlang die Aktionen auf dem Rasen förmlich mit den Augen, in seinem Kopf schien es permanent zu arbeiten. Hin und wieder ein paar ordnende Gesten, ein gezielter Zuruf, so arbeitete der neue Mann - ganz ohne cholerische Temperamentsausbrüche.

Bremer Liga-Alltag

Sein Bremer Kollege Viktor Skripnik war da schon mehr auf den Beinen, aber trotz bester Chancen wollte seinen Schützlingen der sportliche Befreiungsschlag gegen die Kraichgauer nicht gelingen.

Skripnik zu SPORT1: "Wir müssen zufrieden sein, wie die englische Woche abgelaufen ist. Vom Publikum gab es heute keine Pfiffe. Wir kämpfen um unser Leben."

Anders als noch beim 3:1-Pokalcoup in Leverkusen am Dienstag mussten die Gastgeber diesmal wieder mehr agieren als reagieren, eine Rolle, in der sie sich schon seit Saisonbeginn schwer tun.

Zuhause schwach

Der letzte Heimsieg in der Liga liegt nun schon fast ein halbes Jahr zurück, dennoch wollte Mannschaftskapitän Clemens Fritz nicht von einem Heimfluch sprechen. "Wenn wir über die Auswärtsspiele die Klasse halten, ist das auch in Ordnung", befand der Ex-Nationalspieler.

Eine riskante Sichtweise, denn Werder muss unter anderem erneut in Leverkusen, bei Borussia Dortmund und Bayern München antreten.

Djilobodji überzeugt

Gut gearbeitet hat Bremen bei der Verpflichtung von Papy Djilobodji. Der Senegalese räumte in der Defensive mit fairen Mitteln kompromisslos auf und verzeichnete neben seinem Tor auch noch einen Kopfball an den Pfosten.

"Ich werde alles, wirklich alles für Werders Klassenerhalt tun", sagte die Leihgabe aus London vom FC Chelsea. Und das könnte der wuchtige Innenverteidiger dann bestimmt auch bei Wikipedia lesen.

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