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Stuttgart und München - Beim VfB Stuttgart erlebt Kevin Großkreutz nach schweren Monaten seine sportliche Auferstehung. Das Pokalspiel gegen Ex-Klub Borussia Dortmund kommt da gerade recht.

Wie war vor wenigen Wochen öffentlich doch noch kübelweise Häme und Spott über Kevin Großkreutz ausgegossen worden:

Mit dem DFB-Team Weltmeister. Mit Borussia Dortmund im Champions-League-Finale von Wembley, dazu Pokalsieger und zweimal Meister. International dann aber durchgefallen bei Galatasaray Istanbul. Auch noch wegen Heimwehs, was im Profigeschäft als ziemlich memmenhaft gilt. 

Danach der vermeintlich nächste Absturz, nämlich zum VfB Stuttgart. Ein Abstiegskandidat noch zum Jahreswechsel. Passt ja irgendwie, unkten viele. Der Schwaben-Klub sozusagen als Sackbahnhof. Wie bitter für Großkreutz, die einstige Zugmaschine beim BVB.

Doch nun zeigt es der 27-Jährige allen. Die Lokomotive macht wieder Dampf. Nicht durch markige Sprücheklopferei. Vielmehr dank Leistung und der unermüdlichen Einsatzbereitschaft, die ihn in Dortmund stets ausgezeichnet hatte.

Wiedersehen mit der alten Liebe

In den drei Liga-Spielen seit seinem Transfer ins Ländle am 6. Januar 2016 hat Großkreutz sogleich überzeugt.

Schon am Dienstag (20.30 Uhr im LIVETICKER auf SPORT1 und LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm) will er die Kritiker abermals Lügen strafen - ausgerechnet gegen die früheren Weggefährten, im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Dortmund.

Der wiedererstarkte Mittelfeld-Abräumer kann's kaum erwarten: "Was heißt aufgeregt? Ich brenne und freue mich jetzt schon!", erklärte Großkreutz SPORT1 nach dem 4:2 (2:0) bei Eintracht Frankfurt, dem vierten VfB-Sieg in Folge übrigens.

Sie soll weitergehen, die Abrechnung mit sportlichen Argumenten. Auch im Duell mit der alten Liebe BVB, die am Ende die im vergangenen Sommer erlosch.

"Ich habe 27 Jahre in Dortmund gelebt und beim BVB gespielt. Es war mein Verein, es wird ein besonderes, aufregendes und interessantes Spiel", bekennt Großkreutz.

"Kenne keine Freunde auf dem Platz"

Doch das soll ihn nicht beeinflussen, nun "alles zu geben" für den Klub, bei dem ihm gerade die fußballerische Wiedergeburt gelingt.  

"Ich bin immer motiviert, kenne auf dem Platz keine Freunde und werde alles raushauen", so Großkreutz. "Wir wollen eine Runde weiterkommen."

Und ergänzt: "Die Menschen in Stuttgart und der Verein haben mich super empfangen, ich werde das hoffentlich mit Leistung weiter zurückgeben."

Trainer Jürgen Kramny ("Er stellt uns gut ein, wir sind ein Team auch außerhalb des Platzes") dürfte das gern hören. Robin Dutt ebenso. "Dass Kevin Großkreutz von der ersten Minute an Stammspieler ist, zeigt seine Qualität", meinte der Sportdirektor nun im Volkswagen Doppelpass.

Löw rudert zurück nach Schelte 

Ein Seitenhieb auch auf Joachim Löw. Der Bundestrainer hatte den bisherigen Nationalspieler kürzlich heftig abgewatscht: Großkreutz sei kein EM-Kandidat, er habe seine Karriere verschludert.   

Und warum er in der Türkei nach sechs Monaten Transfersperre den Kampf für die Rückrunde nicht annahm, stattdessen dauernd nach Hause jettete, das verstand Löw sowieso nicht.

In früheren Zeiten hätte Großkreutz wohl zurückgekeilt. Der heute angesichts der Tiefschläge geläuterte Großkreutz hält sich zurück.

Er  dürfte mit Wohlwollen aufgenommen haben, dass Löw inzwischen relativierte und die VfB-Bosse um Dutt ihn in Schutz nehmen.

Auch Großkreutz' Eltern heiß 

Großkreutz hat den Karriere-Knick offenbar eh abgehakt, strotzt dank des VfB-Höhenflugs vor Selbstbewusstsein für das Pokalspiel gegen Dortmund. Auch die Familie wird für einen Abend bekehrt.

"Meine Eltern halten nun natürlich zum VfB", sagt er. "Sie werden die Daumen drücken und im Stadion abgehen."

Wenn auch Großkreutz wieder abgeht als Kampfschwein mit Mentalität, sollten die Lästermäuler weiter verstummen.

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