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Jürgen Kramny startete 1990 seine Profikarriere beim VfB Stuttgart
Jürgen Kramny startete 1990 seine Profikarriere beim VfB Stuttgart © Getty Images

München - Vor dem DFB-Pokal-Duell mit Borussia Dortmund spricht VfB-Trainer Jürgen Kramny im SPORT1-Interview über den Aufschwung, Vorgänger Zorniger und Großkreutz.

Jürgen Kramny hat seine Chance genutzt.

Als der 45-Jährige durch die Entlassung von Alexander Zorniger vom Reserve- zum Interimscoach befördert wurde, kam der Erfolg zum VfB Stuttgart zurück.

Es folgte die Beförderung zum Cheftrainer - mit einer positiven Bilanz unter seiner Regie: eine Niederlage, zwei Remis und zuletzt vier Siege in Folge.

Am Mittwoch wollen die Schwaben im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) den nächsten Schritt machen.    

Vor dem Duell mit dem BVB spricht Kramny im SPORT1-Interview über den Aufschwung beim VfB, Vorgänger Alex Zorniger und Kevin Großkreutz.

SPORT1: Herr Kramny, was haben Sie mit dem VfB gemacht?

Jürgen Kramny: Vor allem haben wir versucht, der Mannschaft Sicherheit zu geben und Vertrauen zu entwickeln. Wir haben dann gemeinsam am Teamgeist gearbeitet. Natürlich brauchst du dann auch Ergebnisse, die waren in den ersten drei Spielen noch nicht in dem Maße da. Erst mit dem Pokalsieg gegen Eintracht Braunschweig und dem Erfolg über den VfL Wolfsburg vor Weihnachten kam das Selbstvertrauen zurück.

SPORT1: Sie gehen doch jetzt sicher mit ganz breiter Brust durch Stuttgart, oder?

Kramny: (lacht) Ein bisschen schon. Die Situation gerade ist natürlich für uns alle wohltuend. Die Leute in der Stadt sind glücklich und stolz, dass der VfB wieder positivere Ergebnisse erzielt. Aber noch haben wir nichts erreicht, wir befinden uns nach wie vor mitten im Abstiegskampf.

SPORT1: Sie sind ein gestandener Fußballtrainer. Ernten Sie jetzt nach jahrelanger Arbeit in der zweiten Reihe die Früchte für Ihre Arbeit?

Kramny: Das kann man vielleicht so sehen. Den Zeitpunkt bestimmt man als Trainer aber nicht selbst. Wichtig ist, dass man die Arbeit gerne macht, und das war bei mir in der zweiten Mannschaft der Fall. Ich habe da nie nach etwas Anderem gestrebt. Doch irgendwann kommt die Situation, wo du eine Chance bekommst. Dann musst du sie nutzen.

SPORT1: Thomas Tuchel hat es bei Ihrem früheren Verein Mainz 05 vorgemacht. Träumen Sie von so einem Weg?

Kramny: Ich träume nicht, ich bin gerade da, wo ich hin wollte. Wir haben eine erfolgreiche Phase und versuchen, diese fortzusetzen.

SPORT1: Am Anfang galten Sie bei den Kritikern noch als Defensiv-Trainer. Spüren Sie Genugtuung?

Kramny: Es geht nicht um Genugtuung, sondern um den Erfolg des Vereins. Ich bin kein Defensiv-Trainer. Aber wir mussten natürlich schauen, wo wir zuerst ansetzen. Die Anzahl der Gegentore war viel zu hoch. Deshalb haben wir an der Kompaktheit und an den Abständen gearbeitet. Aus dieser Situation kann man dann wieder offensiver werden. Es stimmt, dass wir zuerst mal etwas tiefer standen, aber wir haben die Spielertypen für Umschaltmomente im Kader, die dann nach vor Akzente setzen können. Gegen Braunschweig haben wir drei Tore erzielt, gegen Wolfsburg drei, in Köln drei, gegen Hamburg zwei und in Frankfurt vier Tore. Das ist alles andere als defensiv.

SPORT1: Viele Experten haben Ihren Vorgänger für seinen Offensivfußball kritisiert. Haben Sie dennoch etwas von ihm mitgenommen, oder wollten Sie komplett alles neu machen?

Kramny: Wir haben gut zusammengearbeitet. Grundsätzlich hat jeder Trainer etwas andere Ansätze. Und man muss ehrlicherweise sagen, dass auch viel Pech dabei war, als am Anfang der Saison die Ergebnisse ausgeblieben sind.

SPORT1: Jetzt geht es gegen Borussia Dortmund im Pokal. Ihr erstes Spiel als Cheftrainer des VfB ging 1:4 gegen den BVB verloren. Ist da also noch eine Rechnung offen?

Kramny: Es geht nicht darum, eine Rechnung zu begleichen. Unser Wunsch ist es, die nächste Runde zu erreichen. Wir hatten auch damals schon gute Phasen im Spiel, aber jetzt sind wir in einer Situation, wo wir den BVB in einem Heimspiel vor gewisse Herausforderungen stellen können. Unter dem Strich sind wir nicht chancenlos, obwohl der Gegner sehr stark ist.

SPORT1: Müssen Sie Kevin Großkreutz einfangen, damit er gegen seinen Ex-Klub nicht überdreht?

Kramny: Das glaube ich nicht. Das ist Vorfreude pur bei Kevin. Er hat bisher sehr gut für uns gespielt. Ich muss den Jungen nicht bremsen.

SPORT1: Wie kann man Daniel Didavi überzeugen beim VfB zu bleiben?

Kramny: Indem er spürt, dass der Verein viel von ihm hält. Sportlich sieht man ja, wie es gerade bei ihm läuft. Er macht Tore wie selten zuvor und kann noch einige drauf packen.

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