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München - Die Abteilung Attacke gehört zu den wichtigeren beim Rekordmeister. Die Erfahrung lehrt dabei: Je lauter die Bosse schimpfen, desto nervöser sind die Chefs.

Ein bisschen Unruhe ist immer beim FC Bayern München. Ein bisschen Aufregung auch.

Manchmal aber, vor allem wenn sich die Macher des Branchenprimus angegriffen oder auch tatsächlich bedroht fühlen, gehen sie zum Gegenangriff über. Dann werden die Brandreden ausgepackt und die Attacken geritten. Manchmal trifft es, wie am Mittwoch, Journalisten.

Öfter aber Verantwortliche von gegnerischen Vereinen und manchmal sogar die eigenen Fans.

Dabei lehrt die Erfahrung: Je lauter die Bosse, je vehementer die Attacken, desto größer die Nervosität. Und: Nur der verdient eine Attacke, den die Bayern wirklich ernst nehmen. Frag nach bei Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Oder zuvor bei Werders Ex-Manager Willi Lemke. Oder Christoph Daum.

Hin und wieder kommt eine gepflegte Attacke der Bayern einem Ritterschlag gleich.

Angriff ist die beste Verteidigung

Angriff war und ist nun mal die beste Verteidigung. Manchmal nutzten die Bayern ihre Attacken auch, um Stimmungen auszuloten. Uli Hoeneß war darin ein Meister. Richtig gefährlich wurde es für Gegner und manchmal auch leitende Angestellte im eigenen Klub nur, wenn Bayerns Granden schwiegen.

Dann dauerte es in der Regel nicht mehr lange bis zum großen Gegenschlag oder zur Trennung. Die Bayern und ihre Abteilung Attacke. Einige schöne Episoden der letzten Jahre:

- Hoeneß gegen Rangnick:

In der Hinrunde der Saison 2008/09 mischt 1899 Hoffenheim die Bundesliga auf, der Aufsteiger reist am 16. Spieltag als Tabellenführer nach München. Vor dem Spiel verhalten sich die Bayern noch erstaunlich ruhig, doch hinterher - Bayern gewinnt ein hochintensives Spiel mit 2:1 - reitet Hoeneß eine seiner gefürchteten Attacken.

Im Doppelpass sagt er: "Wenn ich mir eine Sorge bei Hoffenheim mache, dann ist es die Besserwisserei von Ralf Rangnick. Er hat sich die ganze Woche geoutet, dass er alles besser weiß."

In der Rückrunde geht dann übrigens sowohl Hoffenheim wie auch Bayern die Luft aus. Der Aufsteiger wird Siebter, Bayern muss sich von Wolfsburg demütigen lassen (Grafite! Dzeko! 1:5!).

- Hoeneß gegen Klinsmann:

Wieder 2008/09, wieder ist Hoeneß im Doppelpass. Adressat diesmal: Vielleicht Hoeneß' größter Irrtum als Manager: Jürgen Klinsmann. "Wenn Jürgen Klinsmann der Obama des deutschen Fußballs ist, dann bin ich Mutter Teresa", wütet er.

Zur Erinnerung: Im April war die von Anfang an unmögliche Ehe zwischen Klinsmann und Bayern endgültig in die Brüche gegangen (Wolfsburg! 1:5!), Jupp Heynckes führte Bayern doch noch in die Champions League.

Hoeneß' Verhalten in der Causa Klinsmann hatte übrigens alles, was eine typische Attacke der Bayern so ausmacht.

Die Bayern kamen aus einer Saison, in der sie an keinem einzigen Spieltag auf Platz eins gestanden waren, es brodelte quasi vom ersten Tag an - und Hoeneß war dementsprechend fast die gesamte Saison in Topform.

Im Dezember war der Gegner noch Rangnick, im März nahm er sich zunächst die Reporter vor: Gerüchte über eine interne Mannschaftssitzung hatten damals die Runde gemacht, einzelne Spieler sollten Klinsmanns taktische Ideen, nun ja, angezweifelt haben.

Nach einem 0:0 in Bremen platzte Hoeneß der Kragen, er kündigte an, gegen jene, die über eine Mannschaftssitzung geschrieben hatten, "härter als bisher" vorgehen zu wollen.

Kapitän Mark van Bommel erklärte per Pressemitteilung, dass es eine solche Mannschaftssitzung nicht gegeben habe, andere Spieler waren sich da nicht ganz so sicher.

In den kommenden Wochen verhielt sich Hoeneß dann auffallend still.

Die Ruhe vor dem Sturm: Ende April wurde Klinsmann entlassen, Hoeneß wunderte sich - nicht ohne ein gewisses Maß an Genugtuung - bei der Vorstellung seines alten Kumpels Heynckes darüber, dass Klinsmann überrascht gewirkt habe.

Wieder ein paar Wochen später dann der Rundumschlag im Doppelpass.

- Hoeneß gegen die Fans:

Sportlich gab es an der Saison 2007/2008 nichts zu mäkeln: Bayern wurde bereits am 31. Spieltag Meister, dazu kamen der Pokalsieg und - dank Franck Ribery, Luca Toni und Miroslav Klose - endlich wieder regelmäßige Fußballfeste.

Diesmal sorgte Uli Hoeneß höchstselbst für Unruhe, legte sich mit dem eigenen Anhang an - und schuf einen der ersten deutschen Youtube-Hits.

Auf der Jahreshauptversammlung hatte ein Mitglied über zu hohe Eintrittspreise in die Allianz Arena und die vergleichsweise schlechte Stimmung in derselben geklagt.

Daraufhin riss Hoeneß die Hutschnur. "Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden", brüllte er den Mitgliedern entgegen. "Scheißstimmung? Da seid ihr doch dafür verantwortlich, nicht wir".

Und mehr noch: "Was glaubt ihr eigentlich, was wir das ganze Jahr über machen, damit wir euch für sieben Euro in die Südkurve gehen lassen können? Was glaubt ihr eigentlich, wer euch alles finanziert? Das sind die Leute aus den Logen, denen wir die Gelder aus der Tasche ziehen."

- Rummenigge und der Säbener Sigi gegen Zwanziger:

Januar 2015: Der FC Bayern sieht sich einem veritablen Shitstorm ausgesetzt wegen eines Freundschaftsspiels in Saudi-Arabien.

Während die Bayern nämlich in Saudi-Arabien weilten, wurde des saudische Bloggers Raif Badawi von der Obrigkeit gefoltert. Politiker, Menschenrechtsorganisationen und Fans warfen Bayern vor, das Thema während des Besuches nicht angesprochen zu haben.

Theo Zwanziger, damals schon Ex-DFB-Präsident, lästerte, Bayern schlage sich "im Zweifel auf Seiten des Geldbeutels".

Das brachte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf die Palme. "Das war schon unter der Gürtellinie, was der gute Theo da losgelassen hat", sagte er.

Die Abteilung Attacke bediente dann aber nicht Rummenigge, sondern "Säbener Sigi", ein bis heute nicht namentlich benannter Kolumnist.

Auf der Klub-Website schrieb "Sigi" unter anderem: "Wenn Dr. Theo Zwanziger tatsächlich vergessen hat, was er einst alles erzählt hat, machen wir uns wirklich Sorgen. Braucht der Dr. einen Doktor?"

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