vergrößern verkleinern
1. FSV Mainz 05 v Bayer Leverkusen - Bundesliga
Roger Schmidt reiste vor dem Spiel seiner Mannschaft gegen Augsburg nach Spanien © Getty Images

Leverkusens Coach Roger Schmidt schenkt sich das Auswärtsspiel in Augsburg - um beim Europa-League-Gegner Villarreal zu spähen. Sein Team feiert trotzdem eine irre Aufholjagd.

Wäre er vielleicht doch mal im Lande geblieben:

Roger Schmidt hat ironischerweise die Aufholjagd seines arg ersatzgeschwächten Teams verpasst, das beim FC Augsburg ein 0:3 mit großer Moral noch in ein 3:3 (0:2) verwandelte.

Der gesperrte Trainer von Bayer Leverkusen bevorzugte es, den FC Villarreal - Gegner in der UEFA Europa League - zu beobachten und stieg in einen Flieger nach Spanien.

(Die UEFA Europa League: Do. ab 19 Uhr Uhr LIVE im TV auf SPORT1, in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER)

Im Stich gelassen fühlte sich bei Bayer aber niemand. "Ich wusste gar nicht, dass er nicht im Stadion war", sagte Weltmeister Christoph Kramer schulterzuckend.

Teambesprechung mit Schmidt im Hotel

Der Mittelfeldmann widersprach damit der offiziellen Darstellung des Klubs, wonach sich Schmidt vor dem Spiel von seinen Profis verabschiedet habe.

"Ich finde das richtig", sagte Geschäftsführer Michael Schade über Schmidts Ausflug, "er kann uns auf der Tribüne in Villarreal mehr dienen als auf der Tribüne in Augsburg".

Auf der Bank durfte Schmidt nach seiner Sperre für drei Spiele letztmals nicht sitzen, auch jeglicher Kontakt zu seinen Spielern war ihm während der Begegnung verboten.

Im Hotel habe Schmidt die Mannschaft, der acht Stammkräfte fehlten, noch eingestellt, berichtete Schade, "aber dann konnte er nichts mehr tun. Da spielt es keine Rolle, ob er im Flugzeug sitzt."

Irre Aufholjagd nach Drei-Tore-Rückstand

Zumal Schmidts Vertreter Markus Krösche die Abstinenz des Chefs als "riesigen Vertrauensbeweis" gegenüber Mannschaft und Trainerteam empfand.

Es sei "sehr professionelles Verhalten" von Schmidt, sich sinnvolleren Tätigkeiten zuzuwenden, als tatenlos herumzusitzen. Seine Mannschaft jedenfalls kam auch ohne den Zuschauer Schmidt klar - zumindest in der letzten halben Stunde.

Da drehte Bayer durch den starken Nationalspieler Karim Bellarabi (60.), ein Eigentor von FCA-Kapitän Paul Verhaegh (80.) und den Handelfmeter von Hakan Calhanoglu (90.+3) das Spiel.

Zuvor hatte Bayer-Schreck Ja-Cheol Koo Augsburg mit einem Dreierpack (5., 44., 57.) vom ersten Ligasieg gegen Leverkusen träumen lassen.

Schmidt muss für Wende sorgen

"Wir freuen uns wahnsinnig", sagte Schade nach dem ersten Punktgewinn nach drei Niederlagen hintereinander: "Ich hoffe, dass das einen Motivationsschub auslöst in unserer schweren Situation."

Denn Leverkusen und steht noch immer "da, wo wir nicht stehen wollen", wie Bellarabi betonte. Nämlich inzwischen nur noch auf Platz acht, mit deutlichem Abstand auf die Champions-League-Plätze.

Schmidt soll, Schmidt muss für die Wende sorgen. Der Trainer habe sich in einem Gespräch über die jüngsten Geschehnisse am Freitag einsichtig gezeigt, sagte Schade. "Wir freuen uns sehr", betonte er, dass Schmidt künftig wieder auf der Bank sitzen werde.

Denn, so berichtete Ersatzkapitän Calhanoglu glaubhaft, "der Trainer ist unser Motivator". Und im Flieger nutzt der nichts.

FCA fassungslos - Rot für Gouweleeuw

Augsburg haderte derweil über den verpassten Befreiungsschlag.

"Drei Tore sind Wahnsinn, aber es fühlt sich wie eine Niederlage an", sagte Koo nach seinen Treffern vier bis sechs gegen Bayer.

Spielführer Verhaegh nannte das dramatische Ende mit der Roten Karte gegen "Handballer" Jeffrey Gouweleeuw (90.+2) und dem 3:3 "unfassbar, das tut unheimlich weh".

Trainer Markus Weinzierl sah die Ursache für den Einbruch in den schweren letzten Wochen, denen auch die kurzfristig ausgefallenen Raul Bobadilla und Ragnar Klavan (beide Muskelverletzungen) hätten Tribut zollen müssen.

"Man merkt, dass wir auf dem Zahnfleisch gehen", sagte er, "wir sind bitter bestraft worden."

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel