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Gute Laune bei der "Alten Dame": Fredi Bobic lobt die Geschlossenheit in der Chefetage bei Hertha BSC

Fredi Bobic erklärt in seiner SPORT1-Kolumne den Höhenflug der Berliner und empfiehlt den Abstiegskandidaten eine ähnliche Vorgehensweise.

Hallo Fußball-Freunde,

Meisterschaft entschieden. Vize-Meisterschaft entschieden. Nun geht es um den wertvollen dritten Platz. Und da nistet sich genüsslich die - neben den Aufsteigern - Überraschungsmannschaft der Saison ein. Wobei: ist das, was Hertha BSC in diesem Spieljahr leistet, wirklich so überraschend?

Ich sage nein. Denn es ist das Ergebnis einer ruhigen Vereinsführung, die in guten wie in schlechten Zeiten zueinander gestanden hat und steht - die sich auch von zwei Abstiegen nicht aus dem Konzept hat bringen lassen; die einen strategischen Finanzpartner gewinnt, der nicht ins Tagesgeschäft eingreift oder sich via Medien produziert; die auf Kontinuität setzt statt auf Effekthascherei.

An der öffentlichen Front steht Michael Preetz. Doch ihm zur Seite stehen mit Präsident Werner Gegenbauer und Finanzchef Ingo Schiller integre Persönlichkeiten, die in ihren jeweiligen Fachgebieten eine Menge verstehen.

Nun hat man mit Paul Keuter einen der innovativsten Köpfe aus dem Bereich Neue Medien/social commerce in den Vorstand berufen, weil man erkannt hat, dass in diesem Bereich noch viele Möglichkeiten brach liegen.

Man sieht, dass es sinnvoll ist, wenn man den sportlich Verantwortlichen vertraut und den Rücken stärkt, anstatt dem Geplapper des Umfeldes zu gehorchen.

Pal Dardai als Trainer passt natürlich ideal in diese Gemengelage. Hier wird auch keine Unruhe aufkommen, selbst, wenn am Saisonende dann doch die Champions League verpasst werden sollte (die ich im Übrigen für zu früh hielt) und man sich stattdessen in der Europa League wiederfindet.

Ruhe und Vertrauen sind auch ganz wichtige Bausteine, auf die man im Abstiegskampf setzen sollte. Hier ist Werder Bremen das Vorbild, wo man natürlich auch davon profitiert, nicht in einer sogenannten Medienstadt beheimatet zu sein. Von Marco Bode über Thomas Eichin bis Viktor Skripnik: in Einigkeit geht man den alternativlosen Weg geschlossen.

Auch in Augsburg herrscht Ruhe. Weil Manager Stefan Reuter von Saisonbeginn wusste, dass die EuroLeague-Qualifikation zum Bumerang in der Bundesliga werden könnte. Das erinnert fatal an den SC Freiburg 2001, die am Ende ihren Europa-Ausflug mit dem Abstieg bezahlen mussten, weil ein so kleiner Verein für die Doppelbelastung einfach nicht geschaffen ist.

Alles andere als Ruhe hingegen herrschte monatelang bei der TSG Hoffenheim. Hier musste eine Trainerentscheidung korrigiert werden, weil Huub Stevens, von dem ich eigentlich sehr viel halte, und die Mannschaft der Kraichgauer irgendwie nicht zueinander passten.

Unter Jungtrainer Julian Nagelsmann läuft es nun wieder besser, auch wenn sich das in der Tabelle noch nicht niederschlägt.

Und Eintracht Frankfurt? Ich sage seit Wochen, dass die langsame Abwärtsspirale, in welcher sich die Mannschaft befindet, höchst explosiv ist. Hier muss Neutrainer Niko Kovac seine Mannschaft nun in der bevorstehenden Trainingswoche das Selbstvertrauen einpflanzen, das er vorlebt.

Denn am Samstag um 18.30 Uhr geht es gegen Hannover 96 mit Trainer Thomas Schaaf, ein Fuchs, der aus seiner einjährigen Amtszeit am Main sicher noch ein paar Anekdoten seiner Truppe mit auf den Weg geben wird. Eine Begegnung mit Endspiel-Charakter.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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