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Bei Thomas Tuchel und Borussia Dortmund läuft es rund © Getty Images

Dortmund und München - Lange Zeit galt Thomas Tuchel als verkopfter Fußballtheoretiker. Bei Borussia Dortmund hat sich der Trainer neu erfunden - und seine Mannschaft gleich mit.

"Immer Glück ist Können." Diesen Satz von Bayerns Co-Trainer Hermann Gerland hat Mats Hummels im vergangen Jahr zum Besten gegeben.

Der Kapitän von Borussia Dortmund trainierte einst unter Gerland beim FCB-Nachwuchs. Doch der Gerlandsche Sinnspruch trifft auch auf Thomas Tuchel zu.

Was der BVB-Coach mit den Schwarzgelben auch anstellt, es scheint zu funktionieren. 13 Siege aus 15 Pflichtspielen in der Rückrunde sind kein glückliches Händchen mehr, sondern Beleg für Tuchels Können.

Personalentscheidungen fruchten

Hummels, Henrik Mkhitaryan und Ilkay Gündogan hat er wieder stark geredet. Am vielfach schon abgeschriebenen Adrian Ramos hielt er ebenso erfolgreich fest wie an Moritz Leitner.

Ob er Youngster Julian Weigl zum Chef im defensiven Mittelfeld macht oder Sven Bender zum Innenverteidiger, ob er Shinji Kagawa oder Gonzalo Castro als Joker bringt - Tuchels Personalentscheidungen fruchten. Beim FC Augsburg wechselte er beim Stand von 1:1 Castro, Leitner und Youngster Felix Passlack für Marco Reus, Kagawa und Nuri Sahin ein - mit ihnen gewann der BVB noch 3:1.

Das Vertrauen, das er seinen Spielern schenkt, ist einer von Tuchels großen Pluspunkten. Seine Spieler zahlen es mit Leistung zurück. 

Volksnah beim Reitturnier

Die Lockerheit, die Tuchel vorlebt, bringen seine Spieler auf den Platz. Neugierig und aufmerksam, stets ein Lächeln auf den Lippen, so präsentiert sich Tuchel seit seinem Amtsantritt im Ruhrgebiet vor neun Monaten.

Dazu gibt er sich volksnah, ohne allzu kumpelhaft zu sein. Am Tag nach dem 0:0 gegen den FC Bayern schaute er in der Westfalenhalle beim Reitturnier um den Signal-Iduna-Cup vorbei, saß lässig mit grauer Schiebermütze im Publikum.

Tuchel wirkt viel gelöster als noch zu Mainzer Zeiten, als er oftmals verbissen und verkrampft herüberkam. Der einst als verkopft geltende Fußballlehrer versteht es inzwischen, auch die Fans für sich zu begeistern.

So schrieb er etwa nach dem Spiel in Tottenham am Gitterzaun des Stadions noch Autogramme und machte Selfies mit den Supportern, ehe er im Mannschaftsbus verschwand.

Ballbesitzquote erhöht

Die Weiterentwicklung des Typen Tuchel macht auch vor der Mannschaft nicht halt. Der 42-Jährige hat mehr Variabilität auf den Platz gebracht: Ob 4-2-3-1, 4-1-4-1 oder 4-2-4, die Systemvielfalt spricht auch für den Chef am Rand. 

Das ultimative Pressing unter Jürgen Klopp hat Tuchel abgeschafft, das Spiel des BVB weiter verfeinert. Die Ballbesitzquote ist auf über 60 Prozent gestiegen, die Anzahl der Dribblings gesunken und die der Pässe pro Spiel gestiegen.

Die Konsequenz: Die Formation zeigt eine deutlich größere Stabilität auf dem Platz – trotz weit aufgerückter Außenverteidiger.

Clash mit Klopp

Zudem müssen die Akteure weniger laufen als beim kraftraubenden Spielstil unter Klopp. Auch deshalb kommt die Mannschaft trotz ihrer inzwischen 45 Pflichtspiele in drei Wettbewerben bislang so gut durch die Saison.

Das Aufeinandertreffen des BVB mit dem FC Liverpool im Viertelfinale der UEFA Europa League wird auch ein Duell zweiter Trainertypen.

Womöglich wird der von Tuchel verehrte Vorgänger von seinem Nachfolger dabei noch etwas lernen können.

Ganz sicher wird der aktuelle BVB-Trainer das Duell am 7. und 14. April (Hin- und Rückspiel LIVE im TV auf SPORT1) mit der gewohnten Hingabe, aber auch mit seiner neu gewonnenen Extraportion Lockerheit angehen.

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