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Mönchengladbach - Uli Hoeneß besticht bei seiner Laudatio auf Jupp Heynckes mit Witz und ergreifenden Anekdoten. Der ehemalige Präsident des FC Bayern präsentiert sich geradezu kampfbereit.

Uli Hoeneß richtete zunächst das Mikrofon und stützte sich anschließend mit beiden Händen auf dem Pult ab.In seinem dunklen Anzug, mit weißem Hemd und roter Krawatte, blickte er in die gespannten Gesichter der 300 Gäste.

Es war sein erst zweiter öffentlicher Auftritt seit der Verbüßung seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung. Bei einer Gesprächsrunde zum Basketball am Donnerstag hatte er sich erstmals vor einem größeren Publikum die Ehre gegeben. 

Und es wurde ein Auftritt, der Eindruck hinterließ. Wenn es auch eine etwas kleinerer Rahmen war im beschaulichen Mönchengladbach, so war es an diesem Tag auch mal wieder seine Bühne. Die er nach anfänglicher, nicht zu verbergender Nervosität, zu nutzen wusste.

Emotional und fesselnd

In seiner Laudatio bei der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Mönchengladbach an seinen Freund und Weggefährten Jupp Heynckes fuhr Hoeneß alles auf, was eine emotionale und fesselnde Rede ausmacht.

Hoeneß war witzig, aufgeräumt, aber auch gleichzeitig nachdenklich und demütig. Dabei streute er in seiner Hommage an Heynckes immer mal wieder eine ebenso witzige wie auch ergreifende Anekdote ein und versprühte diesen besonderen Charme, dem an sich zu seinen besten Bayern-Zeiten schon nur schwer entziehen konnte.

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Emotional wurde er, als er über Preisträger Heynckes sprach. Von seinem sportlich größten Fehler, als er sich 1991 nicht gegen die Entlassung Heynckes stemmte und beide wie Schlosshunde heulten. Oder aber über 2012/13, als die Bayern sich während Heynckes’ dritter Ära für Pep Guardiola als neuen Coach entschieden hatten. "Wir waren begeistert von der Idee. Du warst sauer. Verständlicherweise. Du hast dir gesagt: Diesen Deppen zeige ich es. Du hast gekämpft. Bayern spielte mit den besten Fußball, den München je gesehen hat", sagte Hoeneß.

Er hielt seine Rede frei und ohne Manuskript, was es ihm ermöglichte, mit den Anwesenden zu "spielen, ihre Reaktionen aufzusaugen. Wenn man wie ich einen großen Fehler gemacht hat, zu dem man steht und für den die Konsequenzen getragen hat, ist es eine ungeheure Freude und Ehre, für meinen Freund Jupp Heynckes die Laudatio zu halten", sagte er. "Manche werden sich wundern, doch es zeigt mir, dass Freundschaft mehr wert ist als vieles andere auf der Welt."

Besonderer Humor

Es war Hoeneß deutlich anzumerken, wie froh der 64-Jährige darüber ist, dass die schwierigen Zeiten nun Vergangenheit sind. Gleichzeitig bewies er seine besondere Art von Humor, mit dem er die Leute schnell auf seine Seite zog. "Gerade aus Mönchengladbach kamen unheimlich viele Reaktionen in meiner schweren Zeit. Obwohl ich viele Spieler wie Calle Del'Haye, Lothar Matthäus und Stefan Effenberg weggeklaut habe, sind die Beziehungen enger geworden", sagte Hoeneß.

Jupp Heynckes Receives Moenchengladbach's Golden Ring
Uli Hoeneß mit seiner Frau Susanne im Publikum © Getty Images

Zudem habe ihm Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof viele handgeschriebene Briefe geschickt. "Ich habe beim Lesen mit Tränen in den Augen in meinem Bett gesessen", berichtete er.

Bonhof, der Hoeneß nach der Auszeichnung von einem Comeback als Präsident des FC Bayern abriet, habe ihm dabei auch von den Vorgängen bei der Borussia erzählt. "Dabei bin ich ja gar kein Mitglied bei Borussia. Das muss man vielleicht mal ändern", so Hoeneß weiter. Die Lacher hatte er so sicher, immer mal wieder gab es auch spontanen Applaus.

Kurzweilig war es. Gut vorbereitet war er, so wie man den früheren Bayern-Präsidenten kennt. Hoeneß wirkte wie zu seinen besten Zeiten, kaum noch eine Spur vom ausgemergelten Gesicht während seiner Haft, dafür war die alte Magie wieder da. Es machte bisweilen den Eindruck, als sei Hoeneß nie wirklich weg gewesen.

Hoeneß wieder kampfbereit

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Hoeneß ist kampfbereit, könnte man fast sagen. Im Sommer will er sich entscheiden, was er machen will. Und wer ihn beim Festakt erlebt hat, dem wird schnell klar: Es dürfte fast schon an ein Wunder grenzen, wenn Hoeneß nicht noch einmal angreift. Es noch einmal wissen will in einer führenden Funktion beim FC Bayern.

Den ersten Schritt zur Rückkehr hat er gemacht. Und Eindruck hinterlassen.

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