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Fredi Bobic zeigt sich vom Spitzenspiel Dortmund gegen den FC Bayern begeistert © SPORT1-Grafik: getty immages

SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic versteht die Forderung, der BVB hätte gegen Bayern voll auf Sieg spielen müssen, nicht. Armin Veh sieht er als Opfer.

Wenn ein 0:0 auch zwei Tage später noch Diskussionsbedarf liefert, muss etwas Außergewöhnliches passiert sein.

Das Spitzenspiel - selten war der Begriff so angebracht - zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern, live übertragen in weltweit 208 Ländern, war eine unbezahlbare 90-minütige Werbekampagne.

Hier spielten fraglos zwei der besten Teams Europas gegeneinander und das in die Zukunft gerichtete Fazit kann nur lauten: mit dieser Leistung muss beiden Vereinen vor ihren internationalen Bewährungsproben nicht bange sein.

Pep Guardiola hatte wieder auf die in den letzten Wochen bewährte Abwehrformation zurückgegriffen und damit die Unsicherheit, die in diesem Mannschaftsbereich noch gegen Mainz zu erkennen war, ausgetauscht.

Zudem hatte er eindrucksvoll aufgezeigt, welche Möglichkeiten sein Kader hergibt und kurzerhand im Bereich Spielstruktur von filigran auf robust gewechselt, indem er statt Thiago neben Alonso auf Vidal setzte, der zum überragenden Akteur auf dem Platz avancierte. Einen solchen einschneidenden Systemwechsel kann man eben nur mit einem solchen Kader vollziehen.

Kollege Thomas Tuchel hatte bei dem Hochgeschwindigkeits-Fußballschach auf eine flexible Abwehrreihe gesetzt, die mal aus vier, dann aus fünf Spielern bestand. Was sich auf dem Spielfeld dann entwickelte, war ein hochinteressanter, hochspannender, dabei hoch fairer Abreibungskampf (SERVICE: Die Statistiken zum Spiel).

Die teils aufgekommene Forderung, Tuchel hätte gegen Spielende die Brechstange herausholen müssen, wenn man den Titelkampf wirklich noch spannend machen wollte, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Es war zu merken, dass die BVB-Spieler allesamt am Ende platt waren. Sie mussten das System bis zum Ende durchspielen, wären sonst 100% in einen Konter gelaufen und hätten mit völlig leeren Händen dagestanden (DATENCENTER: Tabelle).

Fazit: Dieses Spiel war Weltklasse. Da haben nicht einmal Tore gefehlt.

Veh wurde in Frankfurt geopfert

Einen Punkt holte auch Eintracht Frankfurt gegen Ingolstadt und war doch der gefühlte Verlierer des Wochenendes im Abstiegskampf. Dass danach Trainer Armin Veh im wahrsten Sinne des Wortes geopfert wurde, war zu erwarten.

Dabei merkte man Vorstandschef Heribert Bruchhagen deutlich an, dass er von dem Schritt, den er mit dem Druck des Umfeldes begründete, nicht überzeugt war. So wird es seinen Kollegen in den anderen verantwortlichen Funktionen, ob Vorstand oder Aufsichtsrat, auch gehen.

Aber wenn das Volk aufbegehrt, greifen die üblichen Mechanismen. Mal trifft es den Trainer, mal den Manager, mal den Sportvorstand.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war er beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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