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Borussia Dortmund v FC Bayern Muenchen - Bundesliga
Trainingsanzug und Kopfhörer musste Mario Götze zuletzt an Spieltagen eher selten ablegen © Getty Images

München - Spielt Mario Götze beim FC Bayern nicht, weil Pep Guardiola etwas gegen ihn hat? Oder weil er nicht ins System passt? So oder so: Seine Tage in München scheinen gezählt.

Ach, wenn es doch so einfach wäre. Eine recht beliebte Verschwörungstheorie darüber, weshalb der Zuneigungsgrad von Bayerns Trainer Pep Guardiola für Mario Götze in letzter Zeit mehr halbkalt als lauwarm scheint, lautet: Götze sei eben nicht Neymar.

Der Brasilianer wäre das Lieblings-Einstandsgeschenk für den Trainer bei dessen Ankunft in München 2013 gewesen. Er bekam stattdessen Mario Götze. Den deutschen Messi. Oder eben den deutschen Neymar, die Meinungen gingen damals etwas auseinander.

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Aber Götze entpuppte sich eben vom ersten Tag an als: Mario Götze.

Die große Liebe schien es nie zwischen Guardiola und dem heute 23-Jährigen - auch schon vor seiner Adduktorenverletzung im Oktober 2015. Obwohl Götze bis dahin fast immer spielte.

Mal wieder nur aufwärmen

Beim mühsamen 1:0 in Köln am Samstag ließ Guardiola unter anderem den defensiven Mittelfeldspieler Sebastian Rode als Achter spielen, der noch weniger im Verdacht steht, Neymar zu sein.

Götze durfte sich wieder mal nur aufwärmen. Hat der Trainer etwas gegen Götze? "Es war die beste Lösung für Bayern München. Und wenn wir gewinnen, liege ich richtig", sagte Guardiola lapidar.

Es spricht einiges dafür, dass Götzes Einsatzzeiten in den letzten Monaten unter Guardiola nicht mehr signifikant steigen dürften. Die abenteuerliche Nicht-Neymar-These können wir streichen. Aber wieso hat es Götze bei Bayern so schwer?

Götze spielt nicht, weil er eben Götze ist

Götze ist ein technisch hochveranlagter, aber nicht unbedingt sprintfester Dribbler, der das Spielfeld eher klein macht und dann am wertvollsten und gefährlichsten ist, wenn er als offensiver Mittelfeldspieler direkt hinter einem oder mehreren Stürmern agiert.

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Doch diese Position ist bei Bayern so meist nicht vorgesehen - oder sie wird in der 4-1-4-1-Grundordnung nominell von Thomas Müller besetzt, der das Spielfeld noch nie eng gemacht hat und zudem trifft wie er will. Oder von der Passmaschine Thiago Alcantara. Oder vom aggressiven Laufwunder Arturo Vidal.

Hin und wieder hat Guardiola in dieser Saison auch schon mit vier Flügelspielern auf dem Platz experimentiert, von denen zwei die Halbpositionen im offensiven Mittelfeld einnahmen.

"Offensichtlich passt er nicht ganz in die Systematik. Er hat nicht das Tempo auf den Außenpositionen wie Kingsley Coman oder Franck Ribery. Es gibt im Moment auf jeder Position, wo er spielen könnte, mindestens einen besseren", sagte Mirko Slomka im Volkswagen Doppelpass. 

Das wäre die fachliche Erklärung.

Götze spielt nicht, weil er nicht in Form ist

Beim 5:0 gegen Werder Bremen durfte Götze 54 äußerst unauffällige Bundesligaminuten sammeln. Die gut fünf Monate an fehlender Spielpraxis waren ihm dabei anzumerken.

"Ich werde jetzt hier kein Fass aufmachen", sagte Thomas Müller am Samstag, ehe er vielsagend ergänzte: "Er kann sich ja jetzt bei der Nationalmannschaft wieder in Spielform bringen."

Dort darf er auf seelischen Beistand von Ex-Teamkollege Mats Hummels hoffen. "Wir werden versuchen, ihn wieder aufzupäppeln. Seine Rolle in der Nationalmannschaft ist momentan wichtiger und größer als bei den Bayern", sagte er.

Letzte Hoffnung Ancelotti

Schon im Januar äußerte Götze den Wunsch, sich mit Bald-Coach Carlo Ancelotti über dessen Pläne auszutauschen. Das blieb ihm bis dato verwehrt. Sportvorstand Matthias Sammer erklärte Anfang März nur, man werde die "Lage im Sommer analysieren".

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Götzes Position könnte sich unter dem im Vergleich zu Guardiola taktisch weniger experimentierfreudigen Ancelotti natürlich verbessern. Sollte der Italiener die Bayern in einem 4-4-2 spielen lassen wollen, mit einer Raute im Mittelfeld und zwei echten Sturmspitzen, könnte Götze den klassischen Spielmacher geben.

In einem 4-3-3, 4-1-2-3 oder 4-2-1-3 könnte er eine offensive Mittelfeldposition einnehmen. Der Konkurrenzkampf bliebe aber groß.

Zurück zu Seelenstreichler Klopp?

Die Frage ist, ob Götze das Risiko eingehen möchte. Interessenten für ihn gäbe es genug. So lockt der FC Liverpool mit seinem Förderer Jürgen Klopp.

Auch das schon seit Sommer 2014 bestehende Interesse von Juventus ist nicht erkaltet. Zudem wurden Manchester United und Atletico Madrid zuletzt als Interessenten gehandelt.

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