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Gelsenkirchen - Horst Heldt, scheidender Sportvorstand des FC Schalke 04, spricht im SPORT1-Interview über die wechselhafte Saison, Andre Breitenreiter - und Lucien Favre.

Welche Art von Abschied erlebt Horst Heldt beim FC Schalke 04?

Es kann ein sehr schöner, aber auch ein sehr schlimmer werden, die Extreme liegen auf Schalke traditionell nah beieinander. Nach dem peinlichen Aus gegen Donezk in der UEFA Europa League drohte die Krise und das Aus für Trainer Andre Breitenreiter, es gab Gerüchte über erste Gespräche mit dem Berater von Lucien Favre.

Nach zwei Siegen in den jüngsten beiden Liga-Spielen ist die Welt erstmal wieder in Ordnung.

Im SPORT1-Interview bei Bundesliga Aktuell (ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) blickt Sportvorstand Heldt, der nach Saisonende von Christian Heidel abgelöst wird, zurück auf seine sechs Schalker Jahre, spricht über Breitenreiters Qualitäten - und Favre.

Horst Heldt über...

den bisherigen Saisonverlauf:

Ich finde, dass wir in dieser Saison vieles sehr gut gemacht haben. Die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, hat sich zum Positiven verändert. Wir haben den Zusammenschluss mit den Fans wieder gefunden, was in erster Linie die Mannschaft und das Trainerteam zu verantworten haben.

Natürlich hat es bei den Fans auch Enttäuschungen gegeben, vor allem nachdem wir zu Hause gegen Donezk verloren haben. Dann haben wir aber auch schnell wieder die Kurve bekommen.

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das Ziel für den Rest der Saison:

Um die Plätze drei bis sieben kämpfen viele Vereine. Abhängig davon wer Pokalsieger wird, könnte ja auch Rang sieben wieder für den europäischen Wettbewerb berechtigen. Schalke 04 sehe ich da - Stand heute - ganz gut positioniert.

Trainer- und Managerdiskussionen: 

Natürlich wird auch innerhalb des Teams über gewisse Personalentscheidungen gesprochen. Wir haben den Spielern aber schon vermittelt, dass sie das nicht nutzen sollen, um sich Alibis zu verschaffen. Auf dem Platz hat man immer die Möglichkeit, es selbst zu gestalten.

den Vorwurf, die Mannschaft ist nicht breit genug aufgestellt:

Sie ist auf manchen Positionen nicht breit genug aufgestellt, weil wir viele Langzeitverletzte haben. Ich erinnere nur an unsere Innenverteidiger Matija Nastasic und Benedikt Höwedes. Das sind schon mal zwei Spieler für eine Position, die man nur mit vier Spielern einplant.

Dennoch ist unser Kader natürlich breit aufgestellt. Schauen sie sich den FC Bayern an. Da würde man auch nicht sagen, der Kader sei nicht breit genug aufgestellt, wenn alle gesund sind. Sie haben aber auch ein großes Verletzungspech.

FC Schalke 04 v Shakhtar Donetsk - UEFA Europa League Round of 32: Second Leg
Andre Breitenreiter wechselte im Sommer vom SC Paderborn zum FC Schalke 04 © Getty Images

Andre Breitenreiter:

Ich habe schon mehrfach gesagt, dass es intern keine Diskussion um Andre Breitenreiter gibt. Sie wissen selbst, dass über Schalke 04 sehr, sehr viel gesprochen wird. Damit müssen wir alle leben, das halten wir auch alle aus. Das ist auch der Reiz an diesem Verein.

Man muss eben nur klar unterscheiden zwischen der öffentlichen und der internen Diskussion. Wir führen intern keine Diskussion, ich bin von den Qualitäten von Andre Breitenreiter und seinem Team vollkommen überzeugt.

Lucien Favre:

Er war sehr erfolgreich in seinen Tätigkeiten. Natürlich ist prägend seine Zeit in Gladbach, wo er den Verein in einer sehr schwierigen Phase übernommen hat und ihn bis in die Champions League geführt hat. Es gibt aber auch viele andere gute Trainer.

Pep Guadiola hat etwas vorzuweisen, Jose Mourinho gefällt mir auch. Andre Breitenreiter halte ich für einen hervorragenden Trainer. Es gibt viele Trainer, die etwas vorzuweisen haben. Und diesem Atemzug kann man auch Lucien Favre nennen.

seine Zeit bei Schalke:

Das ist ein toller Verein. Ich habe es sechs Jahre lang voller Überzeugung gemacht. Es hat eine Menge Spaß gemacht. Als ich den Verein in meiner Funktion übernommen habe, waren wir auf Position 35 oder 37 international platziert.

Im letzten Jahr waren wir als Siebter unter den Top 10. Das zeigt, dass sich der Verein stetig weiterentwickelt hat - unabhängig von den Champions-League-Teilnahmen. Die Leistung lasse ich mir auch nicht kaputtreden.

Horst Heldt Schalke 04 Felix Magath
Horst Heldt begann 2010 bei Schalke 04 als Marketing-Vorstand unter Felix Magath © Getty Images

seine Zukunft:

Ich habe noch keine Entscheidung getroffen, was ich im nächsten Jahr machen werde. Ich genieße aber in den letzten Wochen und Monaten noch die Zeit hier und sehe mich gleichzeitig noch voll in der Verantwortung. Mein Ziel ist es, die Mannschaft und den Verein auf dem bestmöglichen Platz an meinen Nachfolger übergeben werde.

hohe Ticketpreise bei Auswärtsspielen:

Jedem Verein ist das selbst überlassen, aber natürlich würde ich hohe Preise als ungerecht bezeichnen unseren Fans gegenüber, die viel Mühe auf sich nehmen und uns zahlreich unterstützen. Wenn die permanent einem Top-Zuschlag ausgesetzt sind, finde ich das nicht in Ordnung.

Wir füllen die Stadien, weil viele Fans mitreisen. Wir reden gerade sehr viel über Verteilerschlüssel. Wenn bis zu achttausend Fans zu den Auswärtsspielen mitreisen, sollte das auch eine gewisse Berücksichtigung finden.

das anstehende Spiel bei Hertha BSC:

Es ist völlig offen, wie das ausgeht. Berlin spielt eine außerordentlich gute Saison. Damit war so nicht zu rechnen. Die sind sehr konstant, sie wissen, was sie wollen. Es wird schwer sein, sie zu knacken. Trotzdem haben wir die Qualität, auch in Berlin zu gewinnen.

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