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Tim Wiese verfolgt das Geschehen bei seinem Ex-Klub Werder Bremen
Tim Wiese verfolgt das Geschehen bei seinem Ex-Klub Werder Bremen © Imago

München - Tim Wiese spricht vor dem Duell beim FC Bayern im SPORT1-Interview über die Lage bei Werder Bremen, die Gelb-Posse und Manuel Neuer im Schlaraffenland.

Er selbst steht nicht mehr jeden Samstag in der Bundesliga auf dem Platz. Das Geschehen bei seinem Ex-Klub Werder Bremen verfolgt Tim Wiese dennoch weiter. Zwischen 2005 und 2012 stand er für die Norddeutschen im Tor, spielte in der Champions League und wurde an der Weser zum Publikumsliebling.

Vor Werders Spiel beim FC Bayern (Sa., ab 18 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht der 34-Jährige im SPORT1-Interview über die Lage bei den Grün-Weißen, Goalgetter Claudio Pizarro und seine Wrestling-Pläne. 

SPORT1: Herr Wiese, wie sehen Sie die Situation vor dem Spiel?

Tim Wiese: Der klare Favorit ist der FC Bayern. Ich glaube nicht, dass die Münchner nach der Niederlage gegen Mainz zu Hause noch mal ein Spiel verlieren werden. Werder wird sich alle Mühe geben, um gut aus der Sache raus zu kommen. Leider kann "Pizza" (Werder-Stürmer Claudio Pizarro, fällt mit einer Zerrung aus, Anm. d. Red.) nicht dabei sein. Aber vielleicht war seine Verletzung ja abgesprochen (lacht).

SPORT1: Sie spielen auf Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz an, die sich absichtlich die fünfte Gelbe Karte abholten, um gegen Bayern pausieren zu können. Es scheint bei Spielern in Mode gekommen zu sein, sich auf diese Weise gegen Bayern für wichtige Spiele zu schonen. Was sagen Sie dazu? 

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Wiese: Das ist in meinen Augen totaler Quatsch. Beide sind schuld. Es war natürlich nicht clever von Junuzovic, zu sagen, dass das abgesprochen war. Ich frage mich nur: Haben die Spieler Angst vor Bayern? Ich finde diese Entwicklung sehr seltsam.

SPORT1: Zuletzt gab es zwei 4:1-Siege. Was ist los in Bremen?

Wiese: Das verstehe ich auch nicht. Werder ist einmal hui, dann wieder pfui. Sie haben zuletzt im Pokal und in der Liga in Leverkusen souverän gewonnen, dazu noch der Heimsieg gegen Hannover und plötzlich stehen sie etwas besser da. Ich hätte da vorher keinen Cent auf Werder gesetzt.

SPORT1: Wie bewerten Sie die Situation um Trainer Viktor Skripnik?

Wiese: Skripnik ist noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen. Wenn man gegen 96 verloren hätte, wäre er weg gewesen, davon bin ich überzeugt.

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SPORT1: Eintracht Frankfurt hat die Reißleine gezogen und mit Niko Kovac einen neuen Trainer verpflichtet. Werders Geschäftsführer Thomas Eichin dagegen hat an Skripnik geglaubt. Zahlt sich das jetzt aus?

Wiese: Man weiß ja um die Probleme, die Werder hat. Finanziell ist der Klub nicht auf Rosen gebettet. Da entlässt man nicht einfach mal den Trainer. Eichin hatte sicher auch das Problem, den richtigen Retter zu finden. Willst du den Torsten Frings zum Cheftrainer machen? Ich denke, dass man gewartet hat, weil die Alternativen gefehlt haben. 

SPORT1: Thomas Eichin hat keine einfache Situation, oder?

Wiese: Er wurde zuletzt oft kritisiert für seine Alleingänge, aber er ist der Manager und muss Entscheidungen treffen. Was soll ein Manager machen, wenn das Geld nicht da ist? Ich habe ihn einmal angegriffen und zu ihm gesagt, dass er nicht rumheulen soll, wegen der Sache mit Felix Wiedwald (Werder-Torwart, Anm. d. Red.). Das ist Profisport, da gehört Kritik dazu. Was habe ich in meiner Karriere auf die Fresse bekommen! Mich hat auch keiner verteidigt. Man muss das alles sportlich sehen. Ich habe nicht die Arbeit von Eichin kritisiert.

SPORT1: Sie wohnen in Bremen und Werder liegt Ihnen immer noch am Herzen. Leiden Sie mit dem Verein?

Wiese: Was heißt leiden? Ich hatte früher eine super Zeit bei Werder. Jetzt sind andere Zeiten angebrochen. Nur Clemens Fritz ist aus der Zeit noch da, als ich in Bremen gespielt habe. Ich schaue mir natürlich Werder-Spiele an und verfolge die Bundesliga ganz genau. Aber ich leide nicht mehr richtig mit, hoffe aber natürlich, dass der Verein in der Liga bleibt. 

SPORT1: Werders Lebensversicherung in der Rückrunde ist bisher Claudio Pizarro. Sollte Eichin mit ihm verlängern?

Wiese: Auf jeden Fall. Claudio ist immer gut - egal, ob auf dem Platz oder in der Kabine. Er ist ein erfahrener Spieler, hat viel erlebt und kann eine Mannschaft wie Werder mit vielen jungen Spielern prima führen. Ich bin überrascht, wie fit er momentan ist. In der Zeit, als wir zusammen gespielt haben, hatte er immer das eine oder andere Wehwehchen. Jetzt ist er fast nie verletzt. So lange er fit ist, ist er eine absolute Waffe. Wenn ich Manager wäre, würde ich noch mal ein Jahr mit ihm verlängern. 

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SPORT1: Bei Werders Torwart Felix Wiedwald sind Sie kritischer. Warum?

Wiese: Ich habe nur gesagt, dass er mal einen unhaltbaren Ball halten soll. So wie ich früher. In der ersten Saison als Nummer 1 ist es aber schwierig für den Jungen. Einige kleine Fehler und die Kritik von außen nimmt man sich dann immer sehr zu Herzen. Wiedwald ist ein solider Torwart, aber er braucht noch seine Zeit. Wenn ein Torwart einen Fehler macht, ist es meistens ein Tor. So war es bei mir auch. Du bekommst immer Feuer. Als Bayern-Torwart lebst du im Schlaraffenland (lacht).

SPORT1: Wie sieht es mit Ihren Wrestling-Plänen aus?

Wiese: Wenn es etwas Neues gibt, werde ich es sagen. Das Thema Wrestling ist für mich aber noch nicht abgehakt, auch wenn das einige denken. Mein Vertrag bei 1899 Hoffenheim läuft noch bis zum 30. Juni und ich kann zu meiner Zukunft gerade nichts sagen.

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