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Fredi Bobic (l.) kann Thomas Tuchels Aufstellung im Derby gegen Schalke nachvollziehen © SPORT1-Montage: Marc Tirl / Imago

In seiner Kolumne spricht SPORT1-Experte Fredi Bobic über die Derby-Rotation bei Borussia Dortmund und lobt Thomas Tuchel für dessen ungewöhnliche Maßnahme und Reaktion.

Hallo Fußball-Freunde,

wie kann man nur so leichtfertig die Deutsche Meisterschaft herschenken? Wie kann man nur den Wert dieses Derbies aller Derbies verkennen? Thomas Tuchel hat am Sonntag die Sympathien einiger Fans aufs Spiel gesetzt und die medialen Diskussionen und Kommentare beflügelt.

Gemach, gemach! Tuchel hat am Wochenende sein ehrliches Gesicht gezeigt. Er ist vielleicht nicht der Seelenfänger wie sein Vorgänger, er spielt nicht mit Stimmungen und Headlines. Er ist Realist und Taktiker.

Und: Er hat zwar auf Schalke einige Stars aus der Anfangself gestrichen, aber keineswegs ein B-Team aufs Feld geschickt. Ginter, Hummels, Kagawa haben gespielt. Na und?

Ich bin sicher, wäre der FC Bayern am Samstag in Stuttgart gestrauchelt, hätte er etwas anders formiert.

Aber so war ihm klar: die Münchner stolpern nicht mehr, sie sind auch in keiner Krise (wie teils behauptet wird), sie treten in der Bundesliga nur als Minimalisten auf, um Kräfte für die Champions League zu sparen. Und damit waren sie beim VfB nie gefährdet!

Und selbst, wenn der BVB am Donnerstag in Liverpool scheitern würde, was ich angesichts der nicht gerade großen Hausmacht der Klopp-Truppe nicht erwarte, war die Entscheidung in Schalke richtig. In der UEFA Europa League muss er die Chance suchen, die es in der Bundesliga nicht mehr gibt.

Schalke hat durch das couragierte Auftreten die Chance gewahrt, auch im kommenden Jahr international zu spielen. Auch wenn die Königsblauen aktuell "unter dem Strich" stehen und auf ein Pokalfinale zweier Champions-League-Teilnehmer hoffen müssen (was ja wahrscheinlich ist). Sie haben sich gewehrt.

Als Verlierer des 29. Spieltages im Kampf um die internationalen Plätze steht Mönchengladbach da. Als Gewinner Leverkusen. Berlin, Mainz und Schalke haben im Stellungskampf ihre Positionen gehalten…

Und ganz unten? Hier hat Werder Bremen am Wochenende auf dem Platz besser ausgesehen als abseits… Wie schon in Dortmund haben die Werder-Profis auch gegen Augsburg eine gute Leistung geboten, aber verloren.

Die Aussagen von Thomas Eichin nach dem Spiel über Trainer Viktor Skripnik sind nur zu verstehen, wenn man die emotionale Lage des Sport-Direktors in einer solchen Situation am eigenen Leib gespürt hat. Sie waren nicht klug, was er selbst kurz später erkannte. Er hat ein Fass aufgemacht, was noch zum echten Problem werden kann.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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