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München - Der FC Bayern sorgt sich um Matthias Sammer. Der Sportvorstand zieht sich nach seinem ärztlichen Befund zunächst zurück. SPORT1 erklärt die Hintergründe von Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Die Fans des FC Bayern hat die Nachricht am Sonntagabend unvorbereitet getroffen. Sportvorstand Matthias Sammer steht dem Rekordmeister vorerst nicht zur Verfügung, nachdem Ärzte bei ihm eine leichte Durchblutungsstörung im Gehirn diagnostiziert haben. 

SPORT1 erklärt, was der Befund bedeutet und welche Folgen er für Sammer haben kann. 

Durchblutungsstörung im Gehirn - was ist das?

Mediziner sprechen in so einem Fall von einer transitorischen Attacke. Durch eine Gefäßverstopfung wird das Hirngewebe mit zu wenig Blut und Sauerstoff versorgt. Die Folge: ein vorübergehender Funktionsausfall - verursacht durch ein Blutgerinnsel.

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Mitunter bildet sich dieses binnen Stunden zurück und der Betroffene ist wieder voll einsatzfähig. Es gibt aber auch Fälle, in denen ein Schlaganfall ausgelöst wird.

Dabei kommt es sehr darauf an, wie sehr und wie lange das Gehirn unterversorgt ist. Schlimmstenfalls können Hirnzellen absterben.

"Da die nicht nachwachsen, kann das dramatische Folgen haben - bis hin zu irreversiblen Schäden", sagt der Hamburger Neuro-Radiologe Prof. Roman Fischbach zu SPORT1

Muss man bei Sammer Schlimmes befürchten?

Wohl nicht. In der Mitteilung des FC Bayern verweist Klubarzt Professor Roland Schmidt ausdrücklich auf eine "winzige Durchblutungsstörung, die komplett und folgenlos ausheilen wird".

Der Hamburger Neurologe Dr. Lars Marquardt geht davon aus, dass Sammer Glück gehabt hat.

Bei SPORT1 erläutert er: "Nach allem, was man liest, geht es wohl um eine vorübergehende Störung. Wenn man schnell reagiert und sich das Blutgerinnsel schnell auflöst, entsteht keine Narbe im Gehirn. Es kommt zu keinem Schlaganfall."

Ein solcher würde monatelange Rehabilitation erfordern - mit möglichen bleibenden Schäden. Davon ist im Fall Sammer nach Stand der Dinge nicht auszugehen. 

Wie lange fällt Sammer aus?

Bayerns Sportvorstand hat selbst angekündigt, sich "die nötige Zeit" für seine Genesung nehmen zu wollen. Wohl auch aus Sorge, es könnte etwas nachkommen.

Laut Marquardt liegt das Risiko eines Schlaganfalls in den ersten 90 Tagen nach einer transitorischen Attacke bei 20 Prozent. Vermutlich verordnet sich Sammer auch deshalb eine Schonzeit. 

Dem FC Bayern wird er in der heißen Saisonphase und den wichtigen Champions-League-Spielen gegen Atletico Madrid allen Anzeichen nach fehlen. Obwohl er theoretisch wohl in der Lage wäre, mit der Mannschaft nach Spanien zu reisen - selbst im Flugzeug.

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"Die meisten Menschen sind drei, vier Tage nach Behandlung einer Durchblutungsstörung im Gehirn wieder arbeits- und reisefähig", sagt Neurologe Marquardt. "Per se gibt es keinen Grund, dass er nicht fliegen kann."

Wer ersetzt Sammer bei Bayern?

Durch den Wegfall des Sportdirektors entsteht bei den Bayern vorerst eine organisatorische Lücke. 

In Sachen Personalplanung für die kommende Saison wird nunmehr Michael Reschke noch wichtiger. Als Technischer Direktor hat er ohnehin schon wesentliches Mitspracherecht bei Verpflichtungen von Neuzugängen.

Wer aber hebt künftig öffentlich den Zeigefinger, wenn deutliche Worte vonnöten sind? Bislang war das Sammers Part. Die Bild bringt Ex-Präsident Uli Hoeneß als möglichen Ersatz ins Spiel. Es ist jedoch fraglich, ob der sich als Außenstehender kurz vor Saisonende in unmittelbare Belange der Mannschaft einmischen wird.

Eine Lücke aber wird auch während Sammers Abwesenheit nicht geschlossen werden - die auf der Bayern-Bank. Schon gegen Bremen und Herthas blieb Sammers Sitz leer. 

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