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Vor dem Derby gegen Darmstadt glaubt man in Frankfurt wieder an den Klassenerhalt © SPORT1 Grafik: Picture-Alliance

Für SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic ist der Abstiegskampf in der Bundesliga unvorhersehbar. Von Frankfurts Energie ist er begeistert, dem VfB Stuttgart prophezeit er Probleme.

Hallo Fußball-Freunde,

wer behauptet eigentlich seit Wochen und Monaten, die Bundesliga sei langweilig? Abgesehen von den mit Mehrjahres-Mietverträgen ausgestatteten Plätzen eins und zwei tobt überall der Kampf um minimale Vorteile oder gegen dramatische Rückschläge.

Jede Woche wechseln die Vorhersagen. War Eintracht Frankfurt gefühlt nicht längst abgestiegen? War VfB Stuttgart nicht längst gerettet?

Seit dem vergangenen Wochenende scheint nun auch entschieden, welche sieben Mannschaften den deutschen Fußball in der kommenden Saison international vertreten. Nur die genaue Rangfolge muss ausgespielt werden und damit die wirtschaftlich sehr bedeutsame Frage: Champions League oder Euro League?

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Der Abstiegskampf bleibt aber unvorhersehbar: Rein theoretisch ist selbst der Tabellenzehnte VfL Wolfsburg noch nicht final gerettet.

Aber bleiben wir realistisch, soweit dies in dieser verrückten Bundesliga möglich ist. Neben Wolfsburg sollten auch Hamburg und Augsburg nach ihren jüngsten Siegen für die kommende Saison planen können.

Während Hannover 96 abgestiegen ist und nun mit den Aufräumarbeiten beginnen kann, ist bei fünf Vereinen heftigstes Nervenflattern angesagt. Schauen wir auf die drei beteiligten Traditionsvereine.

Eintracht Frankfurt hat am Sonntag wieder ein Licht im dunklen Tabellenkeller angemacht. Dass ausgerechnet Änis Ben Hatira der Matchwinner war, zeigt, dass die von der Öffentlichkeit bereits völlig in den Eimer getretenen fünf Winterneuzugänge doch nicht alle so völlig verkehrt waren.

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Man muss nur die vorhandenen Puzzlesteine richtig zusammenfügen. Trainer Niko Kovac scheint das in Frankfurt zu gelingen. Das sage ich nun nicht nur mit Blick auf den Dreier. Seit Wochen hat er der Mannschaft ein gutes taktisches Gerüst verpasst und sie nun auch mit seiner ureigenen Power zum Glück getrieben.

Dieses hatte Werder Bremen am Freitag in Hamburg nicht. Ausgerechnet der Motor von Claudio Pizzaro stotterte. Und nun kommt im von den Fans verteufelten Montagsspiel der Bundesliga der VfB Stuttgart. Im Vorfeld agieren die Werder-Verantwortlichen richtig. Sie appellieren an die Fans, die Einheit zu halten und sich gemeinsam gegen den Abstieg zu stemmen.

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Diese taktische Form vermisse ich in Stuttgart vollends. Der VfB scheint die Reise-Unlust seiner Fans als gegeben hinzunehmen, anstatt Fan-Busse zu chartern. Der Fakt, dass in dem Kellerduell ein Unentschieden für Stuttgart ein Gewinn wäre, scheint der einzige Vorteil der Schwaben.

Ansonsten trifft auf sie zu, was vor Monaten für Frankfurt galt: Wenn man sich zu sicher fühlt und so schleichend in der Tabelle durchgereicht wird, kann das fatale Folgen haben.

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv.

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