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1. FSV Mainz 05 v Hertha BSC - Bundesliga
Christian Heidel arbeitet seit 1992 als Manager beim FSV Mainz 05 © Getty Images

Mainz - Christian Heidel verabschiedet sich tränenreich von seinem Lebenswerk in Mainz. Bei SPORT1 fordert er mehr Anerkennung für den FSV und verrät, was ihn sonst zum Weinen bringt.

Nach dem letzten erfolgreichen Schritt zurück in die UEFA Europa League waren die Haare von Martin Schmidt triefend nass von den unzähligen Bierduschen.

Die langen Strähnen nahmen dem Erfolgstrainer des FSV Mainz zwar kurzfristig die Sicht, den Blick aufs große Ganze verlor der Schweizer nach der Nullnummer gegen Hertha BSC und dem direkten Sprung auf die internationale Bühne aber trotzdem nicht.

"Unser Platz sechs ist so ein bisschen wie die Champions League der kleinen Vereine. Berlin und Mainz, das sind die Meister der Übrigen", sagte Schmidt.

Nach der besten Saison der Rheinhessen seit fünf Jahren und dem Happy End war dem Eidgenossen der Stolz über das Erreichte anzumerken: "Europa League, das ist eine Riesensache, eine Riesenbelohnung, der nächste wichtige Schritt für uns", meinte Schmidt, bei dem allerdings keine Freudentränen flossen.

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Tränen bei Heidel

Anders als bei Christian Heidel. Das als FSV-Manager nun zu Schalke 04 wechselnde Mainzer Urgestein stand noch 45 Minuten nach dem Abpfiff auf dem Rasen vor der Fankurve und heulte. Vor sich einen mannshohen Henkelpokal - und im Herzen den FSV Mainz 05. 

"Danke für völlig verrückte und emotionale Jahre. Das war die beste Zeit meines Lebens", sagte Heidel mit belegter Stimme, nachdem zuvor sein guter Freund Jürgen Klopp via Videobotschaft ("Danke, Christian") bewegende Worte aus Liverpool herübergeschickt hatte.

"Ich weine eigentlich sonst nur bei Lassie und Winnetou 3", sagte Heidel zu SPORT1. Allerdings verlor der Mainzer Manager auch kritische Worte zur Wahrnehmung der Mainzer in der Öffentlichkeit: "Mir fehlt immer so ein Stück weit die bundesweite Würdigung. Wir sind immerhin die sechstbeste Mannschaft Deutschlands, für uns ist das eine gefühlte Meisterschaft, vergleichbar mit Meisterschaft Bayern München."

Die Berliner indes, die die beste Abschluss-Platzierung seit 2009 erreichten, bekamen von den rührenden Szenen kaum mehr etwas mit. Die meisten Profis wie Pechvogel Salomon Kalou, der zweimal freistehend vergab (31./41.), waren im Anschluss an den verspielten direkten Sprung in die Europa League wortlos durch die Mixed Zone gehuscht.

Hertha in Europa-League-Qualifikation

Nach nur einem Punktgewinn in den letzten sieben Saison-Partien muss die lange Zeit auf Champions-League-Kurs segelnde Hertha als Tabellensiebter den Umweg über die EL-Qualifikation gehen. Was bedeutet, dass bereits am 28. Juli das erste Spiel ansteht - die Bundesliga-Runde beginnt erst am 26. August. "Unsere Vorbereitung wird natürlich entsprechend früher beginnen. Darüber werden wir uns viele Gedanken machen müssen", sagte Berlins Geschäftsführer Michael Preetz.

Neben Stolz über eine starke Saison mischte sich bei den Hertha-Profis auch Enttäuschung und Trotz. "Wir sehen die Quali nicht als Strafrunde. Eher als Chance, die wir uns erabeitet haben", betonte Abwehrspieler Sebastian Langkamp. Auch Coach Pal Dardai, der die Mannschaft nach der schwarzen Serie zuletzt kritisiert hatte, ging gnädig mit seinen Schützlingen um.

"Ich bin nicht sauer, Platz sieben ist ein guter Platz. Das war ein guter Lerneffekt, aber wir müssen weiter lernen", sagte der Ungar. Wohlwissend, dass die alte Dame in der Hinrunde 32 Punkte holte - in der zweiten Halbserie dann nur noch 18 Zähler. "Unsere schlechte Phase hat hinten raus ein Spiel zu lange gedauert", äußerte Preetz.

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