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SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic ergreift Partei für Mats Hummels © SPORT1 / Getty Images

SPORT1-Kolumnist Fredi Bobic hat großen Respekt vor dem Verhalten des BVB-Kapitäns gegenüber den wütenden Fans. Im Abstiegskampf erwartet er ein Foto-Finish.

In Dortmund hat einer am Samstag keine Nerven, dafür ganz viel Größe gezeigt. Mats Hummels ist den Schmähungen, die ihm von den heißblütigen Fans auf der Südtribüne entgegenschlugen, mit sehr viel Gelassenheit und Respekt entgegengetreten.

Er hat sich korrekt verhalten, wie er seinen Wunsch nach einem Vereinswechsel kommuniziert hat. Das war kein Verrat an der "echten Liebe". Auf dieser Topebene ist es normal, dass ein Spieler nach vielen Jahren mal zum anderen Klassenprimus möchte. Das gibt es zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona ebenso.

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Die Meisterschaft in der Bundesliga ist auch am 32. Spieltag noch nicht final entschieden. Von Titelkampf möchte ich dennoch nicht sprechen. Und so war es mehr als verständlich, dass Pep Guardiola auf viele seiner Topstars gegen Mönchengladbach verzichtete und somit einen Punktverlust in Kauf nahm.

Die Münchner haben am Dienstag das gefühlt größte Spiel der Saison vor der Brust. Da hätten 90 Prozent aller Trainer ebenso gehandelt.

Dass nun wieder Gedanken an eine Wettbewerbsverzerrung aufkommen, ist zwar aus der Sicht der Haderer nachzuvollziehen, aber nicht korrekt. Die Bayern hätten am Samstag gerne vor eigenem Publikum den Sack zugemacht. Und die Vereine, die den Gladbacher Punktgewinn als bajuwarisches Geschenk ansehen, haben im Saisonverlauf selbst genügend Geschenke verteilt. Aber die Nerven liegen nun einfach blank.

Der Abstiegskampf nimmt von Woche zu Woche mehr Fahrt auf. Der dort gebotene Fußball ist nichts für Schöngeister. Da gibt es keinen Sahnefußball mehr, nur noch harte Maloche. Und die Nerven sind im positiven oder im negativen Sinne als zwölfter Mann mit auf dem Platz.

Das erste Montagsspiel der Bundesliga seit 16 Jahren, die Partie zwischen Bremen und Stuttgart, wird also mit Sicherheit mit zwölf gegen zwölf ausgetragen… In dieser Begegnung steckt ein geradezu brutaler Druck, der nach den Samstagsergebnissen noch erhöht wurde.

Frankfurt, nach der Heimniederlage gegen Hoffenheim schon totgesagt, ist nach zwei Siegen in Folge wieder auferstanden. Die Lilien aus Darmstadt lassen plötzlich enorm die Köpfe hängen. Hoffenheim hat den seinen fast aus der Schlinge gezogen. Der Kampf um oder gegen Platz 16 wird ein absolutes Foto-Finish.

Sowohl Werder Bremen als auch der VfB Stuttgart haben sich mit Kurz-Trainingslagern auf das Kellerduell vorbereitet. Dass sich der VfB dabei auf der Urlaubsinsel Mallorca einbuchte, soll sicher nicht zu verstehen geben, dass man die Lage nicht ernst nimmt. Denn das wäre fatal. Die Mannschaft hat dort bestimmt genauso hart gearbeitet wie die Bremer in ihrem Quartier.

Dass der Trip auf dem Boulevard und bei den Fans für Diskussionen sorgte, haben die Verantwortlichen sicherlich einkalkuliert. Und entscheidend, das gilt wie eh und je, ist nur auf dem Platz. Wer dort seine Nerven am besten im Griff behält…

Fredi Bobic gewann 1996 den EM-Titel mit der Nationalmannschaft, nachdem er in der Saison 1995/96 Bundesliga-Torschützenkönig geworden war. 1997 holte er mit dem VfB Stuttgart als Teil des "Magischen Dreiecks" den DFB-Pokal. 2006 wurde er  zum Abschluss seiner Spielerkarriere mit NK Rijeka kroatischer Pokalsieger. Internationale Erfahrung sammelte er auch als Spieler in England bei den Bolton Wanderers und als Geschäftsführer Sport und Marketing beim bulgarischen Klub Tschernomoretz Burgas. Von 2010 bis 2014 war der 43-Jährige beim VfB Stuttgart zunächst als Sportdirektor und ab 2013 als Vorstand Sport tätig. Darüber hinaus war Fredi Bobic bereits als Experte für SPORT1 bzw. das damalige DSF und den früheren Bundesliga-Sender LIGA total! aktiv. 

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