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Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - DFB Cup Final 2016
Thomas Tuchel ist seit der Saison 2015/16 Trainer von Borussia Dortmund © Getty Images

München - Nach dem verlorenen Pokalfinale geht der BVB-Coach hart mit seiner Mannschaft ins Gericht. Tuchels Kritik ist dabei vor allem ein Fingerzeig für Dortmunds Zukunft.

"Er lebt Fußball. Er hat diese Leidenschaft, diesen Willen, alles wissen zu wollen, immer besser zu werden. Er macht sich 24 Stunden am Tag Gedanken um seine Mannschaft, den Gegner, den Fußball generell. Das schätze ich an ihm."

Worte von Pep Guardiola über Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel. Wohlgemerkt bevor er mit seinem FC Bayern das DFB-Pokalfinale gegen die Schwarz-Gelben im Elfmeterschießen für sich entschieden hatte.

Doch sie gewannen nach der Niederlage des BVB noch mehr an Gewicht. Und zeigten, wie viel Wahrheit doch in dieser Aussage steckt.

Paroli bieten reicht Tuchel nicht

Denn Tuchel war frustriert. Haderte. War extrem kurz angebunden.

Dem Rekordmeister 120 Minuten lang Paroli geboten, die Partie in der Lotterie Elfmeterschießen verloren. Kann doch mal passieren, mögen sich viele denken. Nicht aber der 42 Jahre alte Fußball-Lehrer.

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Er will mehr. Immer das Maximum. Ganz gleich, von welchem Kaliber der Gegner ist.

"Viel Luft nach oben"

Ein Spiel, in dem alles drin war? "Das muss ich mir noch einmal anschauen", antwortete er trocken.

Zu viel hatte ihm schlichtweg nicht gefallen. Dabei war der BVB keineswegs chancenlos. Aber: "Wir haben noch viel Luft nach oben. Uns hat es über eine lange Zeit in der ersten Halbzeit an Mut, Selbstvertrauen, Überzeugung und Schärfe gemangelt."

Ihm fehlten vor allem Ballbesitz, Weghalten und Zurückdrängen in die eigene Hälfte, um Bayern München zu beeindrucken, wie es der 42-Jährige formulierte. Ihnen schlichtweg "Aufgaben zu geben, die sie nicht gewohnt sind".

Hohe Ansprüche beim BVB

Kurz zusammengefasst: "Wir waren weit hinter unseren Ansprüchen."

Wie groß diese sind, sagt allein dieser Satz aus.

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Und dann war da auch noch die Tatsache, dass der Coach die Fehler nicht bei anderen suchte, sondern bei sich selbst. Sokratis und Sven Bender im Elfmeterschießen so früh ran zu lassen, sei sein Fehler gewesen: "Ich hätte es anders bestimmen müssen."

Die Basis ist vorhanden

Sicher, es wäre zu viel des Guten zu sagen: Tuchels erste Saison war titellos, also schlecht. Ganz im Gegenteil.

Für den BVB war es zwar das dritte verlorene Pokalfinale in Folge, doch der Coach hievte die Schwarz-Gelben in dieser Saison auf eine neue Stufe mit großer taktischer Variabilität. Er stellte dank seiner Spielweise mit 82 Treffern die beste Offensive der Liga. Wurde mit 78 Punkten der beste Vizemeister aller Zeiten.

Der 42-Jährige wollte ja auch nicht alles schlechtreden. "Den Hunger, die Mentalität, das Herz und die Leidenschaft kann man uns nicht absprechen", meinte Tuchel: "Das war alles da, das ist auch die Basis unseres Spiels."

Bereit für den nächsten Angriff

Aber eben auch nur die. Und die allein reicht nicht für den ganz großen Angriff. Und der kommt gewiss. Mit noch mehr Gier. Und dem ohnehin schon weit ausgeprägten Tuchel'schen Ehrgeiz. Immer nur Zweiter zu werden ist eben nicht sein Ding.

"Wir werden wieder bereit sein für einen langen Weg, um am Ende hoffentlich wieder in Berlin zu sein", kündigte Dortmunds Trainer an.

Denn eines scheint klar: Das verlorene Endspiel wird Tuchel und Co. keineswegs zurückwerfen, sondern eher stärken.

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