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Werder Bremen v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Die Mannschaft von Werder Bremen bedankten sich nach der Rettung für die Unterstützung der Fans © Getty Images

Bremen - Bremens Fans tragen ihr Team zum Klassenerhalt. Auch das Festhalten an Skripnik und dessen Händchen im Krimi gegen Frankfurt sind Schlüssel zur Rettung.

Von Stefan Rommel

Am Ende war der Platzsturm.

Aber kein handelsüblicher, durchsetzt mit Wut, Enttäuschung und vielleicht sogar Aggressionen. Es war ein Platzsturm der Liebe, den die Fans im Bremer Weserstadion zelebrierten.

Werder Bremen hat den Klassenerhalt geschafft. Der Klub, die Fans, eine ganze Stadt ist dem sportlichen Bankrott noch einmal entkommen.

In fast letzter Minute: Papy Djilobodjis Tor 120 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit gegen Eintracht Frankfurt ließ das Weserstadion explodieren. 

Alle Highlights der Partie am Sonntag, ab 9.15 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

Was sich danach abspielte, glich eher einer frenetischen Meisterfeier als der Freude über das Erreichen des Minimalziels.

Wieder einmal hat es der SV Werder gebogen. Wieder können sich die Bremer bestätigt fühlen, dass sie selbst in stürmischen Zeiten einen kühlen Kopf bewahrt haben.

Treue zu Skripnik zahlt sich aus

Es ist gute vier Woche her, da lag der Verein am Boden. Die Partie gegen den FC Augsburg, im Vorfeld als "wichtigstes Spiel der letzten Jahre" proklamiert, ging komplett in die Hose.

Viktor Skripnik war schon so gut wie entlassen, in den Minuten nach dem Spiel verschaffte sich Sportvorstand Thomas Eichin mit den üblichen Floskeln noch einen Tag Zeit.

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Und als alles mit der Demission des Trainers rechnete, hielt Werder Viktor Skripnik und dessen Trainerteam die Treue. Eine Mischung an Vertrauen, hanseatischer Kühle und vielleicht auch fehlender Alternativen rettet Skripnik damals den Kopf.

Wieder einmal verkniffen sich die Bremer Verantwortlichen die üblichen Handlungsstrategien. Wieder einmal wollte Bremen der etwas andere Klub sein. Und wieder einmal entpuppte sich die Gelassenheit zur rechten Zeit als richtige Maßnahme.

Enges Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft

"Wir haben immer die nötige Ruhe behalten und uns nie verrückt machen lassen", sagte ein sichtlich aufgekratzter Eichin nach dem Spiel bei Sky: "Jetzt genießen wir die pure Euphorie, jetzt fällt alles von uns ab."

Die Symbiose aus Klub, Fans und der Mannschaft hat ein großes Ganzes ergeben, das deutlich größer war als die Summe seiner Einzelteile.

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Vielleicht ist es ein Zufall, dass sich von den am letzten Spieltag gefährdeten oder bereits abgestiegenen Mannschaften Werder gerettet hat. Während Hannover und Stuttgart abgestiegen sind und Frankfurt in die Relegation muss - trotz jeweils eines Trainerwechsels.

Werder hat die Saison mit Skripnik begonnen und sie auch mit ihm beendet.

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Desaströse Bilanz im Schlussspurt weggewischt

Ganz gewiss ist jedoch, dass am Ende einfach alles passte. Die desaströse Heimbilanz mit nur zwei Siegen aus 14 Spielen wurde in den letzten drei Partien im Weserstadion einfach weggewischt.

Drei Siege am Stück holte Werder in der entscheidenden Phase der Saison zu Hause. (SERVICE: Tabelle der Bundesliga)

Die Torgefahr bei Standards, in der Vorrunde wie vom Erdboden verschluckt, war plötzlich wieder da. Wie auch beim Siegtreffer von Djilobodji. In der Rückrunde erzielte Bremen 14 Treffer nach einem ruhenden Ball, das ist einsame Ligaspitze und ein Verdienst von Co-Trainer Florian Kohfeldt.

Wiedwald mit Glanzparaden

Überhaupt war Werders Offensive nach der der Bayern und vom BVB die drittgefährlichste der Rückserie.

33 Tore erzielten Pizarro und Co. Und als es dann vorne nicht mehr so selbstverständlich klappte, entdeckte Werder wie aus dem Nichts eine ungekannte Stabilität in der Defensive.

Mit nur einem Treffer aus den letzten beiden Spielen holte Bremen die vier entscheidenden Punkte - weil Felix Wiedwald, zuvor in jedem der 32 Spiele mindestens einmal bezwungen, gleich doppelt zu Null spielte.

Gegen Frankfurt verhinderte der oft gescholtene Keeper mit zwei Glanzparaden vor der Pause den Rückstand. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

Skripnik beweist glückliches Händchen mit Ujah

Ein weiterer Schlüssel zum Klassenerhalt: Skripnik bewies gegen die Eintracht auch ein glückliches Händchen.

Anthony Ujah spielte eine Saison mit Höhen und Tiefen. Als die Partie gegen die Eintracht immer mehr ins Stocken geriet, wechselte Skripnik den Angreifer ein.

Ein Ruck ging durchs Team und Ujah war es, der Djilobodjis Tor zum Klassenerhalt erst ermöglichte. (Statistiken zum Spiel)

"Ich habe Tony bei der Einwechselung gesagt: 'Schieß ein Tor. Du kannst unseren Arsch retten!'", sagte Skripnik nach dem Spiel und dem stoischen Ukrainer huschte dabei sogar ein breites Grinsen übers Gesicht.

Ob und wie es mit Skripnik als Cheftrainer weitergeht, soll sich in den nächsten Tagen entscheiden.

Eine Stadt in Grün und Weiß

Am Samstag jedenfalls tauchten die Fans die Stadt in Grün und Weiß.

"Das hier geht in die Geschichte ein. Es ist einfach nur ein Wahnsinn. Hut ab vor den Fans, der Stadt und dem Verein", sagte Zlatko Junuzovic: "Mit dieser Unterstützung, mit diesen Fans, ohne jeden Anflug von Aggressionen, haben wir nie locker gelassen und uns am Ende belohnt."

Das Bad im Auge des Platzsturms haben sich die Protagonisten in Bremen verdient. Und noch ein weiteres Jahr in der Bundesliga.

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