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Domenec Torrent (l.) war Co-Trainer von Pep Guardiola beim FC Bayern und dem FC Barcelona
Domenec Torrent (l.) war Co-Trainer von Pep Guardiola beim FC Bayern und dem FC Barcelona © Getty Images

Domenec Torrent, Co-Trainer von Pep Guardiola, erläutert, wie sein Chef den FC Bayern weiterentwickelt hat - und warum auch die Nationalelf profitiert.

Pep Guardiola hat in seiner Zeit beim FC Bayern München niemals längere Interviews gegeben - von Gesprächen mit Sponsoren abgesehen.

Seine Philosophie, seine Ideen und wie sie sich aus seiner Sicht auf den Klub ausgewirkt haben, hat er folglich nie ausführlich erörtert. Nach Guardiolas Weggang tut das an seiner Stelle seine rechte Hand: Domenec Torrent, sein Co-Trainer beim FC Barcelona, bei Bayern und künftig auch bei Manchester City.

In einem Interview mit spanischen Journalisten Isaac Lluch stellt er dar, was für ihn die entscheidende Entwicklung war, die der Guardiola-Fußball nach München und in die Bundesliga brachten: das Positionsspiel.

Revolution Positionsspiel

"Sie hatten es nie gespielt. Sie hatten den Sinn des Positionsspiels nicht gekannt", erklärt der 53-Jährige in dem ursprünglich Mitte Juni auf katalanisch veröffentlichtem Gespräch: "Für Pep, für die Barca-Schule, ist es in Fleisch und Blut übergegangen, in Deutschland dachte man, es ginge nur darum, in Ballbesitz zu bleiben. Aber beim Positionsspiel geht um das Wissen der richtigen Position und Formation bei Ballbesitz; und wenn du den Ball nicht hast um das Wissen, wo die Lücken sind und wohin du gehen musst, um zu pressen."

Die Spieler seien "schnell überzeugt" von Guardiolas Ansatz gewesen: "Die Fußballer waren schon immer sehr offen für Peps Ideen und machten sie sich sofort zu Eigen."

Ein Schlüssel zur Verbesserung des Münchener Spiels seien die so genannten Rondo-Übungen im Training gewesen: Eine Gruppe von Spielern stellt sich im Kreis auf und passt den Ball hin und her, einer oder mehrere Teamkollegen versuchen es von der Mitte aus zu stoppen.

"Bei Bayern verstand man die Rondo-Übungen als einen Spaß, aber für Pep haben sie eine grundlegende Bedeutung, und die Spieler sollten sie von Anfang an auch so verstehen", erklärt Torrent: "Man kann einen großen Unterschied erkennen, wie die Spieler die Rondos anfangs wahrnahmen und wie sie sie heute wahrnehmen. Wir können in ihnen einen wesentlichen Beitrag Guardiolas zu Bayern erkennen."

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"Müller ist jetzt ein anderer Spieler"

Als Guardiolas wichtigstes Vermächtnis bezeichnet Torrent die taktische Variabiliät der Bayern: "In allererste Linie profitieren seine Spieler vom taktischen Reichtum, sie haben nun ein Gefühl für die verschiedenen Varianten."

Auch als Einzelspieler hätten sich die Münchener entwickelt, unter anderem auch Thomas Müller: "Müller ist jetzt ein anderer Spieler. Er läuft nicht mehr so viel und ist ruhiger geworden, weil er weiß, dass er den Ball bekommen wird. Und dies ist auf Peps Einfluss zurückzuführen."

Guardiolas Einfluss greift um sich

Mit Wohlwollen registriert Torrent, dass Guardiolas Ideen um sich gegriffen haben: "Dortmunds Trainer Thomas Tuchel hat selbst gesagt, dass er ein Bewunderer von Pep ist und dass er sein Team auf Basis der Ballkontrolle stark weiterentwickelt hat. Auch Borussia Mönchengladbach mit Andre Schubert hat gezeigt, dass sie mehr von hinten aufbauen und nicht mehr so direkt spielen - wie es nun auch das Hoffenheim von Julian Nagelsmann macht."

Auch in der deutschen Nationalmannschaft sei Guardiolas Einfluss zu erkennen, "aber das wird man erst mit der Zeit und etwas Distanz zu schätzen wissen".

Dass Guardiola das Traumziel vom Champions-League-Gewinn verpasst hat - für Torrent kein Super-GAU: "Ich spüre, dass die Menschen uns sehr für diese fantastischen Jahre danken. Wir verabschieden uns mit einem guten Gefühl."

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