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Bayern Muenchen v Borussia Dortmund - DFB Cup Final 2016
Manuel Neuer pariert den Elfmeter von Sven Bender und ebnet dem FC Bayern den Weg zum DFB-Pokalsieg. War seine Parade statistisch vorherzusehen? © Getty Images

München - Kieler Forscher ermitteln eine Erfolgsformel fürs Elfmeterschießen. Über Sieg oder Niederlage entscheidet demnach nicht das bessere Nervenkostüm, sondern reine Statistik.

Im europäischen Spitzenfußball wird das Elfmeterschießen immer häufiger zum Gradmesser über Sieg und Niederlage. 

Zuletzt triumphierte Real Madrid im Champions-League-Finale gegen Stadtrivale Atletico im Shootout. Nur eine Woche zuvor mussten der FC Bayern und Borussia Dortmund im Endspiel des DFB-Pokals eine Extraschicht einlegen, weil in 120 Minuten kein Sieger ermittelt wurde. 

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Das Duell Schütze gegen Torwart - es könnte auch bei der EM in Frankreich einige Dramen bereithalten.

Schütze sollte immer in dieselbe Ecke zielen 

Wissenschaftler des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) haben jetzt die ultimative Siegesformel für ein Elfmeterschießen ermittelt. Ihre Erkenntnis: Der Schütze sollte immer in dieselbe Ecke schießen wie sein Vorgänger. 

Verhaltensökonom Ulrich Schmidt, einer der beteiligten Forscher, erläutert: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Torwart in die entgegengesetzte Ecke wie beim Schuss davor hechtet, ist mit durchschnittlich 55 Prozent signifikant höher, als dass er in die gleiche Ecke hechtet."

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Die Forscher werteten für ihre Studie 350 Elfmeterduelle bei internationalen Turnieren aus. Ziel der Analyse war es herauszufinden, ob Torwart oder Schütze im direkten Duell einem sogenanntem Spielerfehlschluss unterliegen. 

Statistik entlarvt Elfer-Irrtümer

Damit wird die irrtümliche Annahme bezeichnet, die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses hinge von der Häufigkeit seines Eintretens in der Vergangenheit ab.

Übertragen auf die Fußballersprache heißt das: Geht ein Spieler, der eine Reihe von Strafstößen immer in dieselbe Ecke verwandelt hat, davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Treffer in dieser Ecke geringer wird, als wenn er die andere anvisiert, liegt er falsch.

Den Beweis dafür erbrachten die Kieler Forscher in einem zusätzlichen Experiment mit weiteren 650 Elfmeterduellen. Ihre kompletten Studie veröffentlichten sie im Current Biology Magazine.

Beim Duell Schütze gegen Torwart gewinnt also mit ziemlicher Sicherheit der, der auf die Statistik vertraut. Was ja auch eine Form von Nervenkostüm ist.

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