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Raphael Guerreiro (l.) ist aktuell noch mit Portugals Nationalteam bei der EM aktiv © Imago

Dortmund - Mitten in der EM verpflichtet der BVB Linksverteidiger Raphael Guerreiro. Der Portugiese ist schnell und technisch stark. Gegen Island offenbarte er aber auch seine Schwächen.

Das DFB-Quartier in Evian les Bains ist während der EM 2016 beraterfreie Zone. Bundestrainer Joachim Löw möchte nicht, dass seine Spieler sich während des Turniers allzu viele Gedanken machen über ihre nähere Vereinszukunft.

Fernando Santos scheint das nicht so eng zu sehen. Portugals Nationaltrainer erlaubte seinem Linksverteidiger Raphael Guerreiro am Mittwoch, einen Tag nach dem 1:1 gegen Island, einen Medizincheck zu absolvieren.

Vierjahresvertrag unterschrieben

Am Donnerstag unterschrieb Guerreiro einen Vierjahresvertrag bei Borussia Dortmund – ein Vereinswechsel während der EM.

Dortmund hat mit der Verpflichtung des 22 Jahre alten Guerreiros seine Einkaufstour auf den europäischen Talente-Märkten fortgesetzt.

Nach Mikel Merino, Ousmane Dembele und Emre Mor ist mit Guerreiro schon der vierte als hochveranlagt eingeschätzte Jungprofi unter 23 Jahren zum BVB gewechselt. Die Ablöse soll zwölf Millionen Euro betragen haben. Guerreiro kommt aus Lorient.

Elf Tore in 111 Spielen für Lorient

"Raphael Guerreiro ist ein technisch versierter Spieler, der sich auf mehreren Positionen zu Hause fühlt. Wir sind sehr froh, dass er sich für Borussia Dortmund entschieden hat", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Tatsächlich kann Guerreiro, der bei der EM beim 1:1 gegen Island in der Startelf stand, auf der linken Seite praktisch auf jeder Position spielen. Ausgebildet – und am meisten eingesetzt - wurde er aber als Linksverteidiger, allerdings sind seine offensiven Fähigkeiten ausgeprägt. In der abgelaufenen Saison gelangen ihm drei Tore in 34 Spielen in der Ligue 1, insgesamt traf er in 111 Spielen für Lorient elfmal.

Mutter Französin, Vater Portugiese

Guerreiro ist in Frankreich aufgewachsen, seine Mutter ist Französin. Bis zur U19 durchlief er unter anderem an der Seite Paul Pogbas die französischen Junioren-Auswahlen. Erst mit 20 entschied er sich für einen Verbandswechsel. Sein Vater ist Portugiese. Bei der U21-EM 2015 wurde er in die Mannschaft des Turniers gewählt.

Guerreiro ist einer jener modernen Außenverteidiger, die – in der Tradition von Bayerns Philipp Lahm stehend – das Spiel von der Seite aus dirigieren können und sich nur wenige Fehler erlauben.

Schnell, technisch stark, aber unkonstant

Zu seinen Stärken gehören ein superschneller Antritt, seine Passstärke und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Antizipation. An guten Tagen erinnert sein Spiel an einen Schachspieler, der immer mehrere Züge im Voraus denkt.

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Gegen Island erwischte er keinen allzu guten Tag – da wurden dann auch seine Schwächen sichtbar. Guerreiro spielt manchmal zu überhastet, seine Flankenläufe sind teilweise durchschaubar. Auch Zweikämpfe und Grätschen sind nicht (noch nicht?) unbedingt immer sein Ding.

Beim BVB soll Guerreiro in erster Linie den Konkurrenzkampf mit Marcel Schmelzer befeuern, kann aber auch Marco Reus ersetzen, solange der noch verletzt ist. Im Gegensatz zu Lahm, der sich einst vom weltbesten Links- zum weltbesten Rechtsverteidiger entwickelte und dann auch im defensiven Mittelfeld brillierte, scheint bei Guerreiro ein Wechsel auf die rechte Seite ausgeschlossen.

Eine Versetzung in die Zentrale scheint bei ihm aber auch durchaus möglich.

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