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Dortmund und München - Borussia Dortmunds Trainer Thomas Tuchel bedauert die Abgänge von Hummels, Gündogan und Mkhitaryan, ist ihnen aber nicht böse. Der nun eingeschlagene Weg sei riskant.

Es lag keine Spur von Bitterkeit in der Stimme von Thomas Tuchel, als er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Trainingsbeginn von Borussia Dortmund über die etwas apokalyptische Situation beim Vizemeister referierte.

Bereits Anfang des Monats hatte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke festgestellt, dass der BVB sich mitten im "fraglos größten Umbruch der vergangenen zehn Jahre" befände.

Der Verlust von Henrikh Mkhitaryan (zu Manchester United), Mats Hummels (FC Bayern München) und Ilkay Gündogan (Manchester City) ist kaum zu kompensieren. Er wird Spuren hinterlassen, das ist auch Tuchel klar.

"Verlieren weltweites Topniveau"

Aber: Es ist, wie es ist. Der BVB ist schon seit Jahren so etwas wie der Ausbildungsklub nicht nur für den FC Bayern, sondern für die europäische Elite. Jammern hilft nichts.

"Wir verlieren weltweites Topniveau", sagte Tuchel also nüchtern. Eine Feststellung. Genauso wie die nächsten Sätze: "Es hat sich viel getan. Viele sprechen von einem Umbruch. Es ist vielleicht sogar ein Neuanfang.

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Es sind in Hummels, Gündogan und Mkhitaryan extrem wichtige Spieler gegangen. Eine Mannschaft ist ein extrem sensibles Gebilde", so der Coach: "Das muss man immer pflegen. Und das liegt natürlich an solchen Spielern wie diesen drei."

Der Klub habe nicht nur "alles versucht", die drei Spitzenkräfte zu halten, sondern auch, "eine Mannschaft um sie herum aufzubauen. Die Angebote für sie hätten Grenzen gesprengt."

Nur Liebe für die Gegangenen

Aber man müsse anerkennen, dass es eben ist, wie es ist. "Wir müssen anerkennen, dass es Klubs gibt, die noch eine Stufe über uns stehen", so Tuchel.

Es ist schon bemerkenswert, wie Tuchel und die Dortmunder mit der frustrierenden Situation umgehen. Kein Jammern, kein Klagen, aber auch kein böses Wort in Richtung der Gegangenen.

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Stattdessen: Lust auf das, was kommt - und nur Liebe für die Gegangenen. "Ich bin weit davon entfernt, moralisch zu werden. Diese Spieler nehmen den Wechsel vor, weil sie immer nach dem Besten streben. Weil sie so sind, nehmen sie die Herausforderung bei diesen Top-Klubs an", so Tuchel.

"Du wachst mit Kopfschmerzen auf"

Die drei zum Bleiben zu zwingen, hätte sowieso nichts gebracht. "Wenn du an solche Grenzen stößt, gibt es zwei Möglichkeiten: Du kannst es entweder leugnen. Dann läufst du so lange vor die Wand, bis die hoffentlich umfällt. Du wachst dann irgendwann mit Kopfschmerzen auf."

Und weiter: "Das wäre dann wahrscheinlich der Fall gewesen, wenn wir den drei verboten hätten zu wechseln. Das böse Ende wäre wahrscheinlich nächstes Jahr gekommen, ohne Ablöse-Entschädigung. Die zweite Möglichkeit ist: Du wirst kreativ und versuchst, neue Lösungen zu finden. Das haben wir getan."

Wetten in die Zukunft

Also verpflichteten die Borussen in ganz Europa einen ganzen Haufen hochtalentierter, entwicklungsfähiger Spieler. Emre Mor, Ousmane Dembele, Raphael Guerreiro und Mikel Merino sind Wetten in die Zukunft.

"Wir haben uns für Talent, Entwicklungsfähigkeit und ihre Persönlichkeit, Lust, Kreativität und das Leuchten in ihren Augen entschieden", sagte Tuchel. Doch er räumte auch ein: "Der Weg, den wir einschlagen, ist ein riskanter Weg, doch Risiko wird manchmal belohnt. Wir wollten Spieler, die sich mit Haut und Haar mit dem BVB identifizieren".

Riskant ja, aber nicht zu riskant. Die vier haben das Zeug, sich unter Tuchel tatsächlich zu Top-Spielern zu entwickeln.

Die Gefahr aber bleibt: Werden sie zu schnell zu gut, könnten sie wieder weg sein. Doch dann wird ihnen sicher wieder etwas einfallen.

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