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München - Nach einer knappen Woche wird Carlo Ancelotti erst noch warm mit München. Bayerns neuer Trainer geht pragmatisch ans Werk. Um den Genuss kümmert er sich später.

So richtig aufregend klingt die Stadt München nicht, wenn Carlo Ancelotti von ihr berichtet.

"Der Verkehr ist sehr gut organisiert, alle halten sich an die Regeln", sagt der neue Trainer des FC Bayern München am Freitagmittag über den ersten Eindruck von seiner neuen Heimat. "Und alles ist sehr sauber."

Das ist etwa so, als habe man von einem Restaurantbesuch zu berichten, dass das Besteck, was die geometrische Anordnung angeht, bemerkenswert exakt platziert war.

Und tatsächlich sagt der als Genießer bekannte Ancelotti über das Münchner Essen auch nicht mehr, als dass er es schon zu sich genommen hat: "Ich muss essen und trinken."

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Aber keine Angst, liebe Münchner Lokalpatrioten: Noch ist er einfach viel zu beschäftigt mit Wichtigerem, als dass er sich ins Vergnügen stürzen könnte.

Kader des FC Bayern "in Ordnung"

Ancelotti und sein neuer Klub arbeiten ja seit dieser Woche darauf hin, dass er eines Tages so entspannt aus sich herausgeht wie zum Beispiel vor zwei Jahren.

Da hatte er gerade mit Real Madrid die Champions League gewonnen, seine Spieler stürmten siegestrunken und auch richtig trunken die Pressekonferenz und grölten alkoholspritzend Fanlieder. Ancelotti patschte entrückt im Takt aufs Podium.

Auf dem Weg dorthin ist mit den Bayern noch nicht mal der erste Schritt getan. Ancelotti muss zunächst den Kader für die neue Saison verwalten.

Mario Götze? "Keine neuen Nachrichten, er ist Spieler von Bayern." Nicht mehr lange, wie SPORT1 weiß. Joshua Kimmich? "Er bleibt zu 100 Prozent." Medhi Benatia? "Er hat einen neuen Verein gefunden." Und nun fehlt ein Innenverteidiger? "Das Team ist in Ordnung."

Ancelotti redet zu zwei Dritteln auf Deutsch bei seinem Auftritt am Freitagmittag vor Journalisten, den Rest macht er auf Englisch. An der Sprach-Herausforderung hat er offenbar besonderen Gefallen gefunden.

Sehnsucht nach entspannter Herzlichkeit

"Wir können eine Deutschstunde daraus machen", sagt er zu Beginn in die Runde und sein Pokerface gibt den herzlichen Ancelotti frei, nach dem sich wohl auch so mancher Spieler sehnt nach drei Jahren Pep Guardiola.

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Er erzählt, wie er als Trainer des FC Chelsea zu Beginn seiner Amtszeit im Training wütend wurde und die Spieler auf Italienisch anpflaumte. "Das war aber nur einmal", sagt Ancelotti. "Die Spieler wissen: Wenn ich Italienisch rede, wird es gefährlich." Und da ist es! Das Schelm-Grinsen.

In München wurden Franz Beckenbauer, Thomas Müller, Sepp Maier, Hermann Gerland oder Franck Ribery zu Legenden, weil sie das Bazihaftige so perfekt verkörpern, das dem Bayern das Leben erst lebenswert macht.

Vor allem hat Ancelotti gerne Erfolg

Ancelotti nähert sich seiner neuen Umgebung erst allmählich an. Mit 57 Jahren ist er viel zu routiniert, um sich gleich zu Beginn mit knalligen Sprüchen selbst unter Druck zu setzen. Man kann es auch übertreiben, siehe Louis van Gaal. Ancelotti genießt zwar gern, aber noch viel lieber hat er Erfolg.

Dafür baut er auf Guardiolas außergewöhnlicher Arbeit auf, bringt jetzt nach und nach den langen Ball ins Repertoire. Wohl noch nie hatte er eine derart vielseitige Mannschaft zur Verfügung. Deshalb wird auch Ancelotti einen Moment brauchen, um alle Optionen zu überblicken, die ihm seine Weltklassespieler bieten.

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"Guardiola hat viel gewechselt. Es war für mich eine Überraschung, dass Philipp Lahm so gut im Mittelfeld spielt und Joshua Kimmich so gut in der Innenverteidigung", gibt Ancelotti zu. Er wird seine Schlüsse daraus ziehen.

Und nach den ersten Siegen sieht München dann vielleicht schon anders aus. Die Frage nach seinem Lieblingsgetränk für mögliche Feierlichkeiten hat Ancelotti jedenfalls ohne zu zögern beantwortet: "Rotwein!"

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