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FC Bayern München
Thomas Müller (l.) bekommt von Trainer Carlo Ancelotti neue Freiheiten © Getty Images

München - Bayerns Trainer Carlo Ancelotti will Thomas Müller so spielen lassen, wie er es am besten kann. Das heißt: Der Freigeist ist kein Außenspieler mehr, bekommt im 4-3-3 alle Freiheiten.

Es waren nur drei Sätze aus der Presskonferenz von Bayern-Trainer Carlo Ancelotti vor seinem ersten Bundesligaspiel am Freitag gegen Werder Bremen in der Allianz Arena (im LIVETICKER und live in unserem Sportradio SPORT1fm) – und doch reichten sie, um für ein wenig Verwirrung zu sorgen in Bezug auf seine taktische Formation.

"Meiner Meinung nach ist Thomas Müller kein Flügelspieler, aber er besitzt die Intelligenz dafür. Er macht auch gute Laufwege ohne den Ball. Er wird nicht auf dem Flügel spielen, sondern auf der Position, die am besten zu ihm passt", sagte er.

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Hatte Müller in den ersten zwei Pflichtspielen der Saison im 4-3-3 schließlich nicht rechts vorne gespielt? Wird Müller gegen Bremen als offensiver Zehner agieren? Oder als zweite Spitze neben oder leicht versetzt hinter Robert Lewandowski spielen? Versucht es der FC Bayern München gegen Bremen in einer 4-4-2-Grundordnung?

Nicht die klassische holländische Schule

Die Antworten auf diese Fragen sind recht einfach. Sie lauten: Ja. Nein. Nicht ganz. Wahrscheinlich nicht.

Wer verstehen willl, was Ancelotti höchstwahrscheinlich gemeint haben könnte mit seiner Aussage, muss vielleicht die Grundannahme variieren – und sich die Aufstellung der Bayern im Supercup gegen Dortmund und im Pokal in Jena ansehen. (Alles zum Bundesliga-Auftakt in Bundesliga Aktuell ab 19 Uhr im TV auf SPORT1)

Beim 4-3-3 müssen nicht immer, wie von der klassischen holländischen Schule gelehrt, zwei Flügelstürmer einem Stoßstürmer zuarbeiten.

Tridente bei Barca

Weder Lionel Messi, noch Neymar sind für ihre Flanken auf Luis Suarez bekannt, und doch würde niemand in Abrede stellen, dass Barcelona unter Luis Enrique aus einer superoffensiven 4-3-3-Grundformation heraus agiert.

Messi, Neymar und Suarez sind drei kreative, gleichberechtigte Sturmspitzen, sie bilden das berühmte tridente, den Dreizack im Sturm. 

Auch beim 4-3-3 von Real Madrid, mit dem Ancelotti 2014 die Champions League gewann, standen keine zwei Flügelstürmer auf dem Platz: Cristiano Ronaldo agierte zwar nominell als Linksaußen, aber als sehr zentraler Linksaußen. Auch Gareth Bale orientierte sich immer wieder nach innen.

Müller ist zweite Spitze - egal, wo er spielt

Und bei Bayern? In den ersten beiden Pflichtspielen agierte Müller rechts versetzt hinter Robert Lewandowski, auf die Außenbahn orientierte er sich nur, wenn ihn sein Instinkt für die richtige Fährte dorthin schickte.

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Müller ist, egal, wo er sich beim Anpfiff zuerst hinstellt, eine zweite Spitze. Der Freigeist macht ohnehin, was er will. Und genau das erwartet Ancelotti von ihm. Alle Freiheiten für Müller!

Ribery so zentral wie nie

Franck Ribery auf links spielte generell so zentral und weit vorne wie selten in seiner Karriere. Flügelspieler waren weder Müller noch Ribery.

Die 4-4-2-Grundordnung mit Raute dürfte im Lauf der Saison zu Ancelottis Zweitsystem werden – wenn es Bayern defensiver angehen soll. Dann darf Müller sogar auch ganz offiziell als zweite Sturmspitze agieren.

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Ancelottis große Stärke war es immer, seine Taktik flexibel nach den Bedürfnissen seiner Spieler zu richten.

Tannenbaum-System bei Milan

Als ihm die Klubführung bei Milan einst eine wahre Armada von technisch einzigartig begabten offensiven Mittelfeldspielern zusammenstellte, erfand Ancelotti das als antiquiert geltende 4-3-2-1 neu.

Der berühmte Milan-Tannenbaum mit Andrij Schewchenko oder Filippo Inzaghi im Sturmzentrum, Kakà, und Rui Costa dahinter, Andrea Pirlo, Clarence Seedorf und Gennaro Gattuso im Mittelfeld brachte im letzten Jahrzehnt alle zu gewinnenden Pokale nach Mailand.

Mischung aus Tannenbaum und Real-System

Bei Bayern scheint Ancelotti das kreative Real-4-3-3 und den Milan-Tannenbaum zu mischen – auch weil Ribery momentan der einzige gesunde gelernte Flügelspieler ist und Müller auch unter dem Italiener immer spielen wird.

Wichtig ist Ancelotti – und das war schon immer sein Stil – dass seine Spieler in der Offensive "vertikaler" agieren, sprich: auch mal mit langen Bällen und vor allem: schneller zum Abschluss kommen.

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Oder, um es mit Ancelotti zu sagen: "Ich habe dem Team meinen Stempel aufgedrückt. Die Verantwortung liegt bei mir. Wie gesagt: Ich wollte hier keine Revolution starten. Es gibt viele gute Dinge, die ich beibehalten möchte. Ich möchte vertikaler spielen lassen. Die Spieler sollen schnelle Lösungen finden."

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