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München - Thomas Müller ist heiß auf den Supercup gegen Borussia Dortmund. Die Entwicklung im Weltfußball gefällt ihm vielleicht nicht, muss man seiner Meinung nach aber hinnehmen.

Für jemanden, der sich zu seiner Pressekonferenz am Trainingsgelände des FC Bayern Münchenein ziemlich farbenfrohes Longsleeve im, nun ja, Romantik-Look angezogen hat und auch sonst eher als herrlich altmodischer Spieler gilt, ist Thomas Müllers Analyse zum Zustand des Weltfußballs am Donnerstag ziemlich nüchtern ausgefallen.

"Das Geschäft wird immer stärker, das Romantische ein bisschen weniger", sagte der Angreifer des FC Bayern München, als er drei Tage vor dem Supercup bei Borussia Dortmund am Sonntag (ab 20.30 Uhr im SPORT1-LIVETICKER) zum aufgeblähten Spielkalender befragt wurde.

"Das ist das Geschäft"

Später konkretisierte er: "Im Markt ist sehr viel Geld unterwegs, die Entwicklung ist so, da zählt Romantik nicht so viel. Wir wollen mit den englischen Vereinen mithalten und an der europäischen Spitze bleiben. Man muss Entscheidungen treffen. Romantik ist da nicht immer möglich." 

Natürlich sei die Belastung für die Spieler hoch, natürlich sei es hart, "alle drei Tage hundert Prozent geben" zu müssen. "In einer Saison würde man sich schon wünschen, dass manches Spiel nicht stattfindet, aber das ist das Geschäft."

Außerdem: "Wir leiden jetzt nicht so, dass wir keinen Fuß mehr vor den anderen kriegen."

"Wieder heiß" auf Fußball

Eine Analyse nach dem Motto: Hilft ja nix. Es ist, wie es ist. Also: Weiter. Also: Auf zu den nächsten Abenteuern.

Nach der für ihn persönlich eher ernüchternd verlaufenen EM in Frankreich und vier Wochen Urlaub ist Müller "wieder heiß". Auf Fußball. Auf Duelle gegen Dortmund. Auf Titel.

"Wir wollen das Ding unbedingt gewinnen", sagt er über das anstehende Supercup-Spiel. "Es ist kein Spiel, das wir einfach so mitnehmen, bei dem wir sagen: 'Es ist uns egal'. Es geht um einen Titel, es geht um Prestige."  

Müller widerspricht Tuchel

Damit widersprach Müller auch ein wenig Dortmunds Trainer Thomas Tuchel, der erklärt hatte: "Nach den Eindrücken der letzten beiden Testspiele hätte ich auf den Supercup verzichten können. Wir sind gut beraten, die Ansprüche nicht zu groß zu setzen. Es gab schon bessere Ausgangslagen, um Bayern herauszufordern."

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Doch Tuchel hat im Gegensatz zu den Bayern auch nichts gutzumachen im zugegeben unwichtigsten Titel, den es im deutschen Fußball zu gewinnen gibt. In den letzten drei Jahren bemühten sich die Bayern umsonst um den Titel, es gewannen zweimal Dortmund und ein Mal Wolfsburg.

Ancelotti hält Supercup für wichtig

Auch für den neuen Bayern-Trainer Carlo Ancelotti ist der Supercup nicht unwichtig. Allein schon, weil dieser Wettbewerb in Italien und Spanien höher eingeschätzt wird als in Deutschland, wo dem Supercup schlicht auch Tradition fehlt.

Erst seit 2008 wird der Titel wieder regelmäßig vor Saisonstart zwischen dem amtierenden Meister und Pokalsieger (oder eben, wenn ein Klub mal wieder das Double gewonnen hat, zwischen Meister und Ligazweiten) ausgespielt.

Verhältnis der Klubs gut 

Davor gab es zwischen 1987 und 1997 Supercup-Spiele, dazwischen verschiedene Vor-Saison-Turniere, bei denen teilweise auch die Zweitligasieger teilnehmen durften.

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Dieses Jahr kommt noch dazu, dass das Verhältnis zwischen den Bayern und Dortmund, trotz kleinerer Sticheleien des BVB-Bosses Hans-Joachim Watzke, so gut ist wie lange nicht mehr.

Die gemeinsamen Transfers von Mats Hummels nach München und Mario Götze nach Dortmund wurden höchstprofessionell und in fast schon freundschaftlicher Atmosphäre über die Bühne gebracht.

Kein Pfeifkonzert gegen Götze

Auch die Frage, wie die bei den Rückkehrer, die ja auch Abtrünnige sind, vom Dortmunder Publikum empfangen werden, ist im Grunde nur eine mäßig spannende. Ein gellendes Pfeifkonzert gegen Hummels oder Götze ist eigentlich nicht zu erwarten.

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Am Sonntag dürfte also der Sport im Mittelpunkt stehen. Was ja nicht das Schlechteste ist - und auch irgendwie romantisch. 

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