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Mats Hummels spielte schon von 1995 bis 2008 beim FC Bayern, ehe er zum BVB gewechselt war
Mats Hummels spielte schon von 1995 bis 2008 beim FC Bayern, ehe er zum BVB gewechselt war © Getty Images

München - An seinem ersten Dienstwochenende für den FC Bayern startet Mats Hummels gleich eine Schmuse-Offensive. Er grenzt sich bewusst von der BVB-Vergangenheit ab.

Das Bild von Mats Hummels im schwarzgelben Dortmunder Trikot ist bereits nach wenigen Arbeitstagen in München zur fernen Erinnerung verschwommen.

Am Samstag zum Beispiel: Hummels schrieb Autogramme nach dem öffentlichen Training und seinem ersten Auftritt in der Münchner Arena, minutenlang. Die meisten seiner neuen Kollegen waren da längst verschwunden.

Hummels dagegen lachte und herzte, posierte für Selfie um Selfie, hörte sich geduldig an, was die Fans in der Südkurve zu sagen hatten. Er hat eine klare Mission.

München ist Hummels' Stadt

München ist trotz der acht Jahre beim BVB seine Stadt, und das sollen auch alle merken beim FC Bayern. Obwohl er lange einer der wichtigsten Spieler des größten Rivalen war, ist das Risiko, von den Anhängern abgelehnt zu werden, in seinem Fall fast gleich null.

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Dennoch hilft er gerne nach, schnell aufzusteigen im Beliebtheitsranking. Er hat eine Mission, will auf Anhieb einer der Wortführer sein bei den Bayern.

Jubel für Hummels

Als Zugänge stellte der Verein ihn und Renato Sanches am Tag der Team-Präsentation gesondert vor. Bei Hummels' Namen ertönte mit der lauteste Jubel des Nachmittags - wobei das bei dieser für Bayern-Verhältnisse sehr bescheidenen Kulisse nicht repräsentativ war.

"Obwohl sich so viel verändert hat, ist es trotzdem gewohnt", sagte Hummels dem vereinseigenen TV zur Rückkehr. "Die letzten Meter waren sehr gewohnt, vor allem weil ich von dort gekommen bin, von wo ich früher immer mit der Straßenbahn gekommen bin."

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Die bei der Präsentation Anwesenden sowie die bei Facebook und Youtube Zugeklickten bekamen Hummels' erste Annäherung an Mannschaft und Fans zu sehen. Bei einem Trainingsspiel checkte er Thomas Müller weg, klaubte ihn anschließend auf wie einen Koffer vom Rollband. Allgemein anerkennendes Raunen.

Supercup in Dortmund

Die erste Chance auf einen richtigen Liebesbeweis an den neuen Arbeitgeber hat Hummels am kommenden Sonntag beim Supercup in Dortmund.

"Natürlich wird es Leute geben, die mich nicht gerade positiv empfangen werden", sagte er. "Aber auch wenn ich dort 15 Mal in Folge ausgepfiffen werde, ändert das nichts an meiner Haltung."

Nach dem "langen und schwierigen Prozess" dieses hochpolitischen Wechsels, wie Hummels es ausdrückte, gibt es jetzt keinen Platz mehr für Zweifel oder Reue. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt ist klar: Er ist auch in dieser Hinsicht kein Mario Götze, der auch von seinem Selbstverständnis her nie in München ankam. Hummels nimmt die Kultur des Vereins gierig in sich auf.

Hummels ist kein Klopp

Und er ist auch kein Jürgen Klopp, dem bei der Rückkehr nach Dortmund in gegnerischen Farben die Liebe an jeder Ecke entgegenhüpft.

Hummels wird die ehemaligen Kollegen nett begrüßen, wie es sich gehört. Anderen Sentimentalitäten wird er aber aus dem Weg gehen und die Pfiffe der BVB-Fans vielleicht schon ein wenig genießen. Das gehört jetzt schließlich zu seiner neuen Identität.

Man müsse erst noch "sehen, ob ich zum Einsatz komme", ergänzte Hummels zum Thema Supercup. Er selbst dürfte aber alles dafür tun, um dann sein Debüt zu geben.

Eine Botschaft hatte er noch für die Dortmunder Fans: "Bayern ist am Ende einer der drei besten Vereine der Welt. Das ist dann doch noch ein kleiner Schritt." Ein kleiner Schritt im Vergleich zu Dortmund.

Gott, ist das schon lange her.

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