Video

Grassau - Viel Geld, große Ambitionen - trotzdem setzt RB Leipzig bei SPORT1 nach dem Bundesliga-Aufstieg auf Understatement. Dahinter steckt ein langfristiger Plan.

Ralf Rangnick klingt noch immer etwas ungläubig, wenn er über das Projekt RB Leipzig spricht.

2009 die Übernahme des Oberligisten Markranstädt, jetzt nur noch vier Wochen bis zum ersten Auftritt in der Bundesliga. Das alles sei "nun doch schon so schnell passiert", sagt der Leipziger Sportchef und Aufstiegstrainer im Gespräch mit SPORT1.

Noch 2012, als sich Rangnick dem Projekt des Getränke-Riesen Red Bull anschloss, spielte RB noch in der Regionalliga Nordost. Danach begann der Aufstieg, ganz ähnlich wie bei 1899 Hoffenheim, wo der 58-jährige Schwabe ebenfalls den Durchmarsch aus der damals dritthöchsten Spielklasse bewerkstelligte.

Am ersten Spieltag treffen Hoffenheim und Leipzig nun aufeinander. Der Hopp-Klub gegen den Mateschitz-Klub, Rangnicks früheres gegen sein neues Projekt. Vergleiche drängen sich auf, auch wenn Rangnick nicht zu viel davon wissen will.

RB Leipzig mit bescheidener Zielsetzung

"Die Bundesliga hat sich in den letzten acht Jahren noch einmal entwickelt. Ich glaube nicht, dass man so noch einmal die Bundesliga aufmischen kann, wie wir das damals gemacht haben", sagt Rangnick, der 2008 gleich Herbstmeister mit 1899 geworden war.

Und überhaupt: In Leipzig, wo der Marktwert des Kaders bereits jetzt schon über dem von Darmstadt, Ingolstadt, Freiburg, Frankfurt und Augsburg liegt, bemüht man sich dieser Tage um Understatement.

Jedes Spiel sei ein Highlight, die Bundesliga sowieso Neuland, es gehe darum sich zu etablieren und "40 Punkte zu holen", erklärte im Gespräch mit SPORT1 Wunsch-Trainer Ralph Hasenhüttl, den Rangnick im dritten Anlauf aus Ingolstadt weglotsen konnte.

Video

Hasenhüttl kündigt "supersympathische Mannschaft" an

RB Leipzig ist der erste Ost-Verein in der Bundesliga seit dem Abstieg von Energie Cottbus im Jahr 2009, Sympathieträger ist er bekanntlich dennoch nicht für alle - der Kommerz und all das.

Erst jüngst kündigten die BVB-Fans an, das Spiel in Leipzig zu boykottieren. Andere Anhänger von Traditionsvereinen dürften folgen.

Wie spielt man sich also am einfachsten in die Herzen der Menschen? Das Hoffenheimer Vorbild scheint jedenfalls nicht weit hergeholt, wenn Hasenhüttl sagt: "Wir werden eine supersympathische, junge Mannschaft sehen, die schönen Fußball bietet, und idealerweise auch einen erfolgreichen."

Und weiter: "Wir sind neu in der Liga und müssen uns erst etablieren."

Champions League mittelfristig im Blick

Leise Töne klingen also vom Aufsteiger vor dem Start in die Mission Bundesliga. Wer aber das Sponsoring von Mäzen Dietrich Mateschitz im Sport verfolgt, der weiß, dass es mittelfristig in die Champions League gehen - und am besten auch noch dem FC Bayern Konkurrenz gemacht werden soll.

Hasenhüttl und Rangnick wissen das, sind aber schlau genug, den Weg "Schritt für Schritt" gehen zu wollen.

Ein Vorgehen, das manchem sogenannten Traditionsverein in der Vergangenheit ebenfalls nicht wirklich geschadet hätte.

Dieser Weg sieht nun erst einmal vor, einen "gewissen Puffer zu den unteren Regionen zu schaffen und am Schluss sagen zu können, dass wir eine sorgenfreie Saison hatten", wie Rangnick erklärt.

Niederlagen gibt es nicht

Wenn man mit Rangnick spricht, dann merkt man schnell: Die Welt kann über Leipzig prinzipiell denken, was sie möchte. Bei den Sachsen verfolgt man einen klaren Plan. Der in der aktuellen Phase eben vorsieht, sich etwas kleiner zu machen, als man sein könnte - verbal, aber auch in der Personalpolitik, wo man auf junge, entwicklungsfähige Spieler und eine Drei-Millionen-Euro-Gehaltsgrenze setzt.

"Entweder wir gewinnen Spiele oder wir lernen. Dass wir Spiele verlieren, wird es nicht geben", betont Rangnick, der weiter ausführt: "Denn wenn wir keine Punkte holen, dann bekommen wir Erfahrung, um die richtigen Schlüsse zu ziehen."

Ein Plan, der unter Umständen schneller als gedacht Punkte anstatt Erfahrung abwerfen könnte. Und Ralf Rangnick wieder einmal ungläubig zurücklassen würde.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel