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Der ehemalige FC-Profi Pierre Littbarski (l.) ist vom jüngsten Kölner Höhenflug beeindruckt © SPORT1-Grafik: Paul Haenel/Getty Images/Imago

München und Köln - Die FC-Legenden Littbarski und Overath schwärmen bei SPORT1 vom Kölner Höhenflug und der sportlichen Führung. Littbarski traut dem Team eine große Entwicklung zu.

"Et hätt noch immer jot jejange" - so lautet ein bekanntes Kölner Sprichwort, das so viel heißt wie: "Es ist noch immer gut gegangen".

Der Kölner an sich ist ja ein humorvoller und in vielerlei Hinsicht entspannter Mensch. Und in den Jahren, in denen es um den 1. FC Köln - in der Domstadt ein Stück Religion - nicht so gut stand, hielt sich der Fan eben genau an dieses Sprichwort.

Aktuell haben die Anhänger der Geißböcke endlich wieder allen Grund zur Freude. Der FC belegt nach vier Spieltagen - Achtung, genau lesen - Platz zwei. Das Heimspiel gegen den Sechsten RB Leipzig am Sonntag (ab 17 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) ist ein echtes Spitzenspiel.

"Ich habe sehr viel Respekt davor, was in Köln in den vergangenen Jahren geleistet wurde", sagt Pierre Littbarski, der von 1978 bis 1986 und 1987 bis 1993 für die Geißböcke spielte, im Gespräch mit SPORT1. Emotional sehe der 56-Jährige das zwar "nicht mehr so eng", weil er als Scout beim VfL Wolfsburg arbeitet, doch Littbarski meint: "Ich habe den FC gegen uns gesehen und das war eine tolle Leistung. Die Geißböcke wirken seit einigen Jahren sehr stabil."

Overath: "Verein macht mir viel Freude"

Jeder Spieler wisse, "was er machen muss und sie funktionieren als Einheit sehr gut". Als wichtigen Grund für das neue Hoch am Rhein nennt der Weltmeister von 1990 die Heimstärke des FC: "Zu Hause spielt man dominant und macht die Tore."

Der Kader, so Littbarski, habe zudem eine "hohe Qualität" und der überraschende Erfolg komme daher, "weil die Mannschaft Selbstvertrauen hat." Dieses habe man sich in den vergangenen Jahren aufgebaut.

Hamburger SV v 1. FC Koeln - Bundesliga
Die Väter des Kölner Erfolgs: Trainer Peter Stöger (l.) und Sportchef Jörg Schmadtke (r.) © Getty Images

Als Väter des Erfolgs sieht Littbarski zwei Männer. "Die ruhige Art von Trainer Peter Stöger, der zusammen mit Sportchef Jörg Schmadtke hervorragend zum 1. FC Köln passt, tut dem Verein einfach gut." Es sei einfach eine "perfekte Kombination und das Mosaiksteinchen, warum der Klub so erfolgreich ist".

Littbarskis Lob kann sich der ehemalige FC-Präsident Wolfgang Overath nur anschließen. "Wie sich der FC gerade und schon seit längerer Zeit präsentiert, macht mich sehr froh. Das ist wirklich toll, was die Jungs da auf dem Rasen zeigen. Der Verein macht mir viel Freude", schwärmt der Weltmeister von 1974 bei SPORT1: "Trainer Peter Stöger, Sportchef Jörg Schmadtke und alle Verantwortlichen machen da einen großartigen Job. Kompliment!"

Littbarski sieht Chaos-Zeiten beendet

In den Jahren vor Stöger und Schmadtke war der FC oft als Chaos-Klub verschrien. Doch das Wort Chaos hört Littbarski gar nicht gerne. "Mit dem Wort Chaos-Verein kann ich nichts anfangen. Für Außenstehende sah das in der Vergangenheit vielleicht so aus. Aber aus meiner Sicht sind die Menschen in Köln mit dem Herzen dabei und die Fans sind immer sehr emotional."

Littbarski lobt das sportliche Führungs-Duo: "Stöger und Schmadtke haben den Klub so entwickelt, wie sie es gerne haben möchten. Beide wollen in Ruhe arbeiten und haben dadurch Stück für Stück die Basis geschaffen. Den Spagat zwischen Anforderung und Erwartungshaltung der Fans und der Realität haben sie ganz gut hingekriegt."

Als Littbarski noch das FC-Trikot trug, gab sich der Klub ebenfalls besonnen. "Man sieht eine gewisse Parallele zu der Zeit, als ich beim FC gespielt habe", sagt der gebürtige Berliner: "Unser damaliger Präsident (Peter Weiand, Anm. d. Red.) war etwas dominanter, er hat aber die Entscheidungen Trainer Hennes Weisweiler und Manager Karlheinz Thielen überlassen."

"Für Köln ist alles möglich"

Im Vergleich zu heute stellt Littbarski fest: "Das wird jetzt auch so gemacht, das spricht für eine gewisse Klugheit. Das Präsidium ist nur dann präsent, wenn es von Nöten ist. Für das Tagesgeschäft sind der Trainer und der Sportdirektor zuständig. Dazu Toni (Schumacher, Anm. d. Red.) als Ex-Spieler und Repräsentant des Vereins, der auch mit dem Herzen dabei ist - das passt in der Mischung gut."

FUSSBALL: DFB POKAL 1983, 1. FC KOELN
Kölns letzter Titel: Pierre Littbarski und Toni Schumacher (v.) nach dem Pokalsieg 1983 © Getty Images

Ein Sieg gegen RB und die Euphorie in der Domstadt würde eine neue Dimension erreichen. Und was traut Littbarski den Kölnern in dieser Saison zu?

"Es ist eine Frage des Selbstvertrauens. So wie die Mannschaft gerade auftritt, ist alles möglich", sagt Littbarski: "Wenn man erst mal ein paar Punkte geholt hat und das nicht nur mit Glück, sondern mit Bravour, dann kann sich etwas entwickeln."

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