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München - Die Niederlage in Leipzig offenbart Dortmunds Schwächen inmitten eines komplizierten Umbruchs. Trainer Thomas Tuchel hat jedoch keine Zeit für zaghafte Fortschritte.

Thomas Tuchel nimmt Niederlagen so ernst und beinahe persönlich, dass ihm danach nie eine Phrase in den Mund käme.

Auch das 0:1 bei RB Leipzig wütete in seinem Hirn. Kaum ein Trainer in Deutschland benennt die Gründe für Sieg und Niederlage so klar wie der Dortmunder.

Tuchel kritisiert Spielaufbau

"Offensichtlich war, dass wir zu viele unerzwungene Fehler gemacht haben. In erster Linie aus dem Abwehrbereich und dem zentralen Mittelfeld", sagte er. "Von den fünf, sechs Spielern, die das Spiel aufbauen sollen, um sicher in die gegnerische Hälfte zu kommen." Grüße an die Herren Marc Bartra, Sokratis Papastathopoulos, Julian Weigl, Sebastian Rode, auch an Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek.

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Und weiter: "Der zweite Kritikpunkt im Spiel ist der Abschluss. Wir hatten am Ende acht Torschüsse, nur einen aufs Tor." Hallo, Pierre-Emerick Aubameyang.

Tuchel lernt seine umgemodelte Mannschaft erst noch und sie lernt ihren Trainer.

Hasenhüttls Plan gegen den BVB

Leipzig nutzte das gekonnt. "Das Zentrum des Handelns ist immer die Arbeit gegen den Ball", sagte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1. "Die Synchronität ist mit entscheidend, so einen Gegner erst mal abzubremsen, dass jeder weiß, was er zu tun hat."

Die Gastgeber enterten so die entscheidenden Plätze auf dem Spielfeld. Weigl rückte immer weiter nach hinten, verzweifelt auf der Suche nach Ruhe am Ball, weil in der Mitte die Leipziger rannten und grätschten wie noch nie in ihrem Leben.

Sechs Kilometer lief Leipzig insgesamt mehr als Dortmund, zog mit 223 Sprints zwei mehr an als der BVB (ein extremer Wert – bei der Bundesliga-Premiere vor zwei Wochen in Hoffenheim waren es noch 208 gewesen).

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Tuchel bemängelte also die fehlende zentrale Achse. Genau hier müssen nach den Abgängen von Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan die neuen Organe erst richtig anwachsen. Noch schmerzt die Operation offenbar sehr.

Qualität spart Zeit

Dabei kann man auch jetzt schon mehr erwarten. "Qualität heißt, ich brauche nicht so viel Zeit. Da machen wir uns mal nichts vor, das ist sehr, sehr oft ein Zeitgewinnen", warf Darmstadts Sportdirektor Holger Fach im Volkswagen Doppelpass ein. "Man sagt, die Mannschaft braucht Zeit, die Mannschaft muss sich erst finden - wenn man dann die Fehler sieht, sind sie meist im individuellen Bereich."

Alles viel einfacher also? Tatsächlich hätte der BVB in der entscheidenden Szene der Partie in Überzahl den Pass von Emil Forsberg auf Oliver Burke, den Lauf des Schotten in den Strafraum und letztlich auch seinen Querpass auf den völlig freien Torschützen Naby Keita verhindern können.

Bartra ist halt noch kein Hummels und Rode noch kein Gündogan. Hinzu kam einer der schwächsten Auftritte von Aubameyang für Dortmund mit 19 Ballkontakten in 85 Minuten und nur einer Torschussbeteiligung.

Aus den Teilen ein Ganzes machen

Tuchel wird aus seinen hübschen neuen Teilen erst noch etwas Ganzes basteln müssen. Dabei haben sich die alten Spieler natürlich auch bitteschön stetig weiterzuentwickeln.

Wenn dann eine gallige Mannschaft kommt wie Leipzig, zeigt sich der BVB im Moment zu schnell beeindruckt. "Dann kommt irgendwann so ein Moment, wo die Ordnung vielleicht nicht mehr ganz so wichtig ist, der Gegner auch schon müde. Und dann musst du versuchen, ihn zur Strecke zu bringen", drückte es Hasenhüttl aus.

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Das Positivste aus Dortmunder Sicht an diesem Abend war im Grunde schon Mario Götzes Auftritt, lauflustig und zweikampfstark. Doch auch ihm steht noch viel Arbeit bevor.

Am Mittwoch bei Legia Warschau wartet in der Champions League die nächste Chance auf Fortschritt. Tuchel könnte dann gut auf eine gnadenlose Analyse verzichten.

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