Video

München - Der BVB verliert den Kontakt zur Spitze, dabei hätten die Dortmunder nominell das Zeug zum Bayern-Jäger. SPORT1 nennt fünf Gründe, warum es aktuell nicht läuft.

Hans-Joachim Watzke lässt sich ungern in Rollen drängen, die ihm nicht behagen. Sollte das trotzdem mal passieren, wird der Boss von Borussia Dortmund auch mal drastisch.

Ob sein BVB in dieser Saison denn das Zeug habe, den FC Bayern zu jagen, wurde er am Samstagabend im ZDF-Sportstudio gefragt. Watzkes eindeutige Antwort: "Da musst du ja einen an der Waffel haben."

Der BVB-Geschäftsführer hat gute Gründe für seine Einschätzung. So sehr man sich die Borussia als Spannungselement im Meisterschaftskampf wünschen mag, im Moment ist ihr der Rekordmeister enteilt - nicht nur tabellarisch.

SPORT1 erklärt, was dem BVB zum Spitzenteam fehlt.

1. Die fehlende Hierarchie

Wahrscheinlich einer dieser Punkte, bei denen Watzke widersprechen würde. "Als wir 2011 Meister wurden, hatten wir auch acht Spieler, die 22 Jahre oder jünger waren", sagte er im Sportstudio.

Aber auch der BVB-Boss verhehlt nicht, dass im Sommer in Mats Hummels und Ilkay Gündogan zwei Leistungsträger und Identifikationsfiguren von Bord gegangen sind, die auch das Mannschaftsgefüge zusammengehalten haben.

Video

Auf dem Transfermarkt wurden rund 110 Millionen Euro investiert. Doch unter den Neuzugängen findet sich kein Spieler, der sofort eine Führungsrolle übernehmen könnte.

Den Verlust der Führungsspieler sollten intern vor allem Typen wie Sven Bender, Marcel Schmelzer und Marco Reus auffangen. Alle drei stehen gegenwärtig wegen Verletzungen nicht zur Verfügung.

In Spielen, in denen es brenzlig wird, ruht die Verantwortung somit auf Jungspunden wie Julian Weigl. Der defensive Mittelfeldspieler ist hoch veranlagt, aber eben erst 21. In diesem Alter sind Leistungsschwankungen keineswegs ungewöhnlich.

"Du kannst Erfahrung nicht herbeireden, man muss sie einfach machen", sagte Trainer Thomas Tuchel in Ingolstadt dazu: "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."

2. Vermeintliche Leistungsträger liefern nicht

Akteure, denen man am ehesten Konstanz abverlangen könnte, kommen derweil nicht auf Touren. Weltmeister Mario Götze sucht nach seiner Rückkehr immer noch seine Rolle im Team.

Audio

An Shinji Kagawa sind die Offensiv-Konkurrenten links und rechts vorbeigerauscht. In Ingolstadt zählte er nur deshalb zur Anfangsformation, weil viele Alternativen entweder gar nicht im Kader standen oder eine schöpferische Pause brauchten.

Für Nuri Sahin, ehemals Kapitän und sportliche Lebensversicherung, ist meist noch nicht mal mehr ein Platz im Kader frei.

Und auch die erfahreneren Neuen überzeugen bisher nicht. Marc Bartra, mit dem FC Barcelona Meister und Champions-League-Sieger, patzte in Ingolstadt bei allen drei Gegentoren. Sebastian Rode, mit dem FC Bayern zuletzt zweimal Meister, ist nur Bankdrücker. 

3. Viele Verletzte

Die BVB-Verantwortlichen scheinen ratlos angesichts des personellen Aderlasses. 

"Wir waren ganz gut in der Saison drin und auf einmal fehlen zehn Mann", klagte Boss Watzke im Sportstudio

Video

Auffällig ist die hohe Zahl von Muskelverletzungen. "Wir haben alle Antennen draußen", sagte Tuchel dazu. Trainingsinhalte? Der neue Hybridrasen auf dem Trainingsgelände? Nach den Gründen wird fieberhaft gesucht.

In Ingolstadt war Tuchel einmal mehr zu Experimenten gezwungen: "Mit Gonzalo Castro und Adrian Ramos haben wir zwei Spieler reingeworfen ohne Training mit der Mannschaft. Aber das war verantwortungsvoller als Pulisic und Passlack noch mal von Anfang an spielen zu lassen."

Die erzwungenen Personalrochaden sind ein weiterer Grund, dass der BVB noch seinen Rhythmus sucht.

4. Tuchels Aufstellungen

Die Personalentscheidungen des Trainers werden von einigen Beobachtern mittlerweile kritisch gesehen. 

Am Samstag ließ er Joo-Ho Park und Ramos von Beginn an ran, zurückgezahlt haben sie ihre Einsatzzeit in dieser Saison nicht. Gegen Hertha schickte Tuchel zudem die jüngste BVB-Mannschaft seit Jahren aufs Feld.

In den letzten drei Bundesliga-Partien sprangen für Dortmund nur zwei Zähler heraus, die Bayern zogen auf sechs Punkte davon. 

Matthias Ginter nimmt seinen Coach jedoch vor einer Mitschuld an den Fehlern in Schutz: "Gerade die einfachen Dinge haben nichts mit der Aufstellung zu tun, da hätten auch alle anderen spielen können."

5. Mentale Müdigkeit

Kaum zu glauben, dass man dem BVB unter der Führung eines emotionalen Trainers wie Thomas Tuchel ein Einstellungsproblem attestieren muss, in Ingolstadt sah der Coach sein Team phasenweise aber "nicht bereit für Bundesliga."

Video

Auch Watzke klagte am Samstag über fehlende mentale Frische nach dem emotionalen Champions-League-Spiel in Lissabon: "Einige kriegen es nicht hin, drei Tage später wieder von der ersten Minute an diese hundertprozentige Konzentration zu haben. Das ist der Unterschied zwischen erfahrenen und jungen Spielern", sagte er im Sportstudio.

An der Konzentration fehlt es besonders bei gegnerischen Standardsituationen: Vier der letzten sechs Gegentore resultierten aus ruhenden Bällen.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel