Video

München - Ausgerechnet vor dem traditionellen Wiesn-Besuch gerät der FC Bayern in sein erstes Mini-Tief unter Carlo Ancelotti. Gegen mutige Kölner wirkt der Rekordmeister müde - nicht nur körperlich.

Carlo Ancelotti wollte für jeden Punkt eine Mass trinken. Drei sollten es werden. Vielleicht auch vier. Mindestens.

Doch freche Kölner haben den gewitzten Wiesn-Plan des Bayern-Trainers gehörig zunichte gemacht. Ausgerechnet vor dem traditionellen Oktoberfest-Besuch sorgte das Überraschungsteam vom Rhein für hängende Köpfe beim Rekordmeister.

Frust vor Wiesn-Besuch

Video

Klar, das 1:1 war gerade einmal der erste Punktverlust in der neuen Bundesliga-Saison. Nachdem die Münchner aber schon unter der Woche bei Atletico Madrid in der Champions League einen bitteren Dämpfer kassiert hatten, stieß der Stolperer vor heimischer Kulisse dem erfolgsverwöhnten Tabellenführer übel auf.

Alle Tore der Bundesliga am Sonntag um 9.15 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

"Das ist nicht so prickelnd, wenn man zu Hause auch noch 1:0 führt. Das ist nicht unser Anspruch. Deshalb ist der Frust schon da", sagte ein angefressener Thomas Müller. Der Weltmeister hätte den Abend um ein Haar selbst noch zum Positiven wenden können, wäre FC-Keeper Timo Horn in der 77. Minute nicht mit einem irren Reflex zur Stelle gewesen.

Neuer beklagt zu wenig Tempo

Der Volley von Müller aus elf Metern war einer der wenigen Versuche des FCB an einem inspirationslosen Nachmittag. Der zu Beginn auf sieben Positionen veränderten Elf von Ancelotti fiel wenig ein. Das Rasenschach in der ersten Halbzeit fand mit einem weiteren Tor von Joshua Kimmich zwar ein versöhnliches Ende. Doch nach dem Seitenwechsel schliefen der so gefürchteten Kreativmaschine in Rot nicht nur die Füße ein.

"Es liegt ganz klar an uns. Man hat ja gesehen, wie wenig Tempo wir in unserem Spiel hatten. Wir haben ein bisschen einschläfernd gespielt. Man muss natürlich gegen eine gut stehende Mannschaft schnell spielen und Tempowechsel im Spiel haben. Das haben wir heute nicht gehabt", erkannte Torhüter Manuel Neuer.

Nur Robben gibt Gas - Lewandowski schwach

So etwas wie Spielwitz und Durchschlagskraft kam wenn überhaupt nur von Arjen Robben, der sich im ersten Durchgang wenigstens ein paar Eins-gegen-eins-Duelle zutraute und viermal abschloss. Der Niederländer blieb allerdings mit leichten Schmerzen in der Kabine. Ein längerer Ausfall wäre doppelt bitter, war er schließlich einer der wenigen reinrotierten Akteure, die sich Ancelotti wirklich empfehlen konnten.

Andere, wie Renato Sanches oder Kingsley Coman, ließen eine Menge Raum für Verbesserung. Doch selbst gesetzte Leistungsträger wie Robert Lewandowski - gegen Köln gewann der Pole nur 40 Prozent seiner Zweikämpfe - stehen momentan etwas neben sich.

Problem Laufbereitschaft

"Mir ist heute explizit aufgefallen, dass uns noch die Laufwege in die Tiefe fehlen, die das Spielfeld öffnen", monierte Neuzugang Mats Hummels.

In anderen Worten: Es mangelt an der absoluten Bereitschaft, zu laufen und sich anzubieten. Eine Frage der Intensität, eine Frage des Willens. Das gilt auch für die Rückwärtsbewegung. Köln setzte immer wieder gefährliche Konter, kurz vor Schluss hätte Simon Zoller fast noch für die Sensation gesorgt.

Wenige taktische Varianten

Diese generelle Lethargie, gepaart mit dem Mut der Gäste in der zweiten Hälfte, stürzten den FCB in seine erste kleine Schaffenskrise unter Ancelotti.

Was auffällt: Der Italiener scheint noch wenige Mittel gegen diese Einfallslosigkeit in petto zu haben. Er setzt - wie schon beim AC Mailand und Real Madrid - strikt auf seinen Tannenbaum, eine Mischung aus dem 4-3-2-1 und 4-3-3.

"Wir müssen uns keine Sorgen machen"

Unter seinem Vorgänger Pep Guardiola zeichneten sich die Münchner zumindest in der Bundesliga noch durch mehrere taktische Varianten aus, die viele Gegner-Konzepte über Bord warfen. Köln konnte sich nun auf die Münchner einstellen. Atletico mit Ancelotti-Kenner Diego Simeone sowieso.

Video

"Wir waren die letzten zwei Spiele nicht so gut. Natürlich sind wir enttäuscht", räumte der 57-Jährige ein. In seiner gewohnten Gelassenheit fügte er aber an: "Wir müssen uns keine Sorgen machen."

Hummels pflichtete seinem Vorgesetzten bei. Man habe noch "Steigerungspotenzial", betonte der Innenverteidiger, "das sagen wir seit Wochen". Dennoch: "16 Punkte aus sechs Spielen und auf jeden Fall Erster. Wenn das eine Sinnkrise ist, dann kann mal die mal so nehmen."

Wohl erst recht, wenn der am meisten ernst zu nehmende Titelkonkurrent 0:2 in Leverkusen verliert.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel