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Maik Franz über Thomas Tuchel und den BVB
Maik Franz (l.) spielte in der Bundesliga für Wolfsburg, den KSC, Frankfurt und Hertha © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images/Imago

München - Als "Iron Maik" war Maik Franz berühmt-berüchtigt. Vor dem Topspiel seines Ex-Klubs Hertha beim BVB spricht er über Tuchels Foul-Kritik - und schwärmt vom BVB.

Maik Franz weiß, wie man sich in gegnerischen Stadien unbeliebt macht. Nicht nur, aber auch in Dortmund.

Die einst berühmt-berüchtigte robuste Spielweise von "Iron Maik" würde BVB-Coach Thomas Tuchel angesichts der ohnehin erhöhten Fouldichte gegen Dortmunds Edeltechniker wohl die Zornesröte ins Gesicht treiben - und das Publikum in Rage bringen. So wie im Februar 2010.

"Wir haben mit der Eintracht 3:2 dort gewonnen - und ich war der Buhmann", erinnert sich Franz an ein emotionales Duell zwischen Dortmund und Frankfurt: "Das ist schon krass, wenn dich ein ganzes Stadion auspfeift, jedes Mal, wenn du den Ball hast."

Franz: Tuchels Kritik "fehl am Platz"

Am Freitagabend, wenn der BVB in Hertha BSC einen weiteren Ex-Klub von Franz empfängt (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), ist das Publikum schon vorab sensibilisiert.

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Das - statistisch gerechtfertigte - Klagen von Tuchel über die zahlreichen Fouls gegen seine Spieler war vor und nach der Länderspielpause ein großes Thema. Am Tag vor dem Duell mit der Hertha erneuerte er seine Kritik, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke sprang ihm angesichts nun auch aus Berlin fliegender Giftpfeile zur Seite.

Aber auch Franz meint: "Die Kritik von Thomas Tuchel ist fehl am Platz." Und hat dafür eine einfache Erklärung.

Kann Hertha den BVB bremsen?

"Jede Mannschaft muss mit den Mitteln zurechtkommen, die sie hat. Es ist nicht jede Mannschaft so spielstark wie der BVB - und dann muss man ihnen die Freude am Spiel nehmen", sagt Franz ganz pragmatisch - teilweise eben mit einer "aggressiven, unangenehmen, giftigen Spielweise".

Das traut er zum Auftakt des 7. Spieltags auch seinem Ex-Klub zu.

"Sie stehen sehr kompakt, sind lauffreudig, aggressiv - und gerade dieses Aggressive kann unangenehm werden für den BVB", prophezeit Franz genau das, was die Schwarz-Gelben angesichts einer ohnehin schon ellenlangen Verletztenliste derzeit wohl am meisten fürchten.

Dass die Gegner der Borussia nun allwöchentlich an die Grenzen des Erlaubten und darüber hinaus gehen könnten, hält der einst auch in Wolfsburg und Karlsruhe aktive Franz jedoch für eine übertriebene Sorge.

Dardai fürchtet Schiri-Reaktion auf Tuchel

Man dürfe die Kritik nicht verallgemeinern, könne nicht allen Mannschaften vorwerfen, sie würden zu hart spielen. "Aber das weiß Thomas Tuchel auch", meint Franz, das Thema sei "teilweise auch ein bisschen zu hoch gekocht" worden.

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Zum Leidwesen der kommenden Gegner, wie Hertha-Coach Pal Dardai findet. "Wenn jetzt einer beim ersten Zweikampf Gelb bekommt, kann ich mich beschweren: Das ist wegen der Aussage von Herrn Tuchel", mäkelte der Ungar.

Geht es nach Franz, der inzwischen in der Geschäftsführung des Drittligisten 1. FC Magdeburg arbeitet, braucht sich die Hertha in Dortmund aber auch fußballerisch nicht zu verstecken.

In der Offensive habe die Mannschaft viele schnelle Spieler und sei bei Kontern "immer gefährlich. Gerade mit dem alten Haudegen Vedad Ibisevic vorne drin, der zurzeit alles im Tor versenkt, was nicht niet- und nagelfest ist."

Franz: "BVB ist ein geiler Verein"

Vor allem deshalb traut er den Berlinern auch eher eine Überraschung zu, als seinem anderen Ex-Klub Frankfurt am Samstag (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) gegen den FC Bayern.

Die Münchner seien "das Nonplusultra" - und auch wenn er beiden ehemaligen Vereinen die Daumen drücke, "glaube ich, dass es eher die Hertha in Dortmund schafft".

Womöglich auch, weil er selbst als Profi gegen Bayern nie einen Sieg einfahren konnte, gegen Dortmund dagegen eine positive Bilanz hat. Für den ehemaligen Verteidiger jedenfalls waren die Duelle mit dem BVB immer mit einer Portion Extra-Motivation verbunden.

"Jeder Spieler freut sich darauf, im Westfalenstadion aufzulaufen", sagt Franz und gerät regelrecht ins Schwärmen: "Der BVB ist ein geiler Verein. Es macht einfach Spaß, gegen die zu spielen - und vor allen Dingen auch, in Dortmund zu spielen."

Noch mehr allerdings, dort zu gewinnen. Und vermutlich am meisten, wenn einen vorher 80.000 Zuschauer bei jedem Ballkontakt auspfeifen.

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