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Hertha BSC und der 1. FC Köln als Überraschungsteams
Ungewohntes Bild: Hertha BSC und der 1. FC Köln stehen in der Bundesliga unter den Top 5 © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/Getty Images/Imago

München - Vor vier Jahren stiegen sie gemeinsam ab, nun begegnen sich Hertha BSC und der 1. FC Köln im Topspiel. SPORT1 erklärt, was die beiden Klubs richtig machen.

Otto Rehhagel hatte es nicht verhindern können, Lukas Podolski auch nicht.

Vier Jahre erst ist es her, dass Hertha BSC und der 1. FC Köln gemeinsam aus der Bundesliga abstiegen, zwei Traditions- und Großstadtklubs, zwei Gründungsmitglieder gemeinsam am Tiefpunkt.

Es ist offensichtlich einiges richtig gelaufen seitdem. Am Samstag (ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) begegnen sich Hertha und Köln als Vierter und Zweiter, im Topspiel des 8. Bundesliga-Spieltags. Im besten Fall kann zumindest Köln die Tabellenspitze vom FC Bayern erobern. (Die Tabelle der Bundesliga)

Wie haben es Hertha und Köln an diesen Punkt gebracht? SPORT1 erklärt die Erfolgsgeheimnisse der Überraschungsteams.

- Erfolgreiche Macher:

Dass Hertha-Manager Michael Preetz die Katastrophensaison 2012 mit Abstieg und vier Trainerwechseln im Amt überstand, verstanden außer Michael Preetz damals nicht viele. (So. 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1: Hertha-Manager Michael Preetz zu Gast im Volkswagen Doppelpass)

Inzwischen jedoch hat der oft belächelte Ex-Nationalstürmer sich Profil verschafft. Er traf seitdem viele gute Transfer-Entscheidungen, vor allem auch eine sehr gute Trainer-Entscheidung: Pal Dardai hat der Hertha eine ebenso klare und sich stetig entwickelnde Spielidee verpasst wie Peter Stöger den Kölnern.

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Auch dort funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Manager gut. Jörg Schmadtke hat seinen in Hannover erworbenen Ruf als "Diamantenauge" (Reiner Calmund) bestätigt, seit 2013 lenken er und Stöger den einstigen Chaos-Klub in immer ruhigere und erfolgreichere Bahnen.

- Die Defensive ist Trumpf:

Sowohl Stöger als auch Dardai sind Defensiv-Spezialisten. Dardai hat mit 64 Gegentoren in 56 Bundesliga-Spielen den besten Schnitt aller Hertha-Trainer (1,14), Stöger mit 86 in 75 Partien den besten aller Köln-Coaches mit mehr als 25 Bundesliga-Spielen (1,15).

Dass eine sichere Abwehr für beide Teams der Schlüssel ist, lässt sich auch aus anderen Statistiken ablesen: Hertha hat seinen letzten Verteidiger durchschnittlich 31,4 Meter von der Torauslinie entfernt postiert, Platz 1 im ligaweiten Vergleich vor dem HSV (31,9) – und den Kölnern (32,4). Zum Vergleich: Bei Borussia Dortmund, der am höchsten stehenden Mannschaft der Liga, liegt der Wert bei 40,5.

Die Initiative überlassen die beiden Überraschungsteams folglich auch eher dem Gegner: Die Ballbesitzrate der Berliner liegt bei 42 Prozent (Platz 16 im Liga-Vergleich), die der Kölner bei 45 (Platz 14).

- Die Offensive entwickelt sich:

Defensive Stabilität ist das eine, sowohl Dardai als auch Stöger haben ihre Teams aber auch Schritt für Schritt dazu erzogen, auch mit dem Ball mehr anfangen zu können.

"In der vergangenen Saison wussten wir nach einem 1:0 oft nicht, was wir machen sollten", erinnert sich Dardai in der Sport Bild: "Jetzt bestehen die Jungs besser und haben Lösungen."

Auch das schnelle Konterspiel hat sich dank Spielern wie Alexander Esswein oder Genki Haraguchi stark verbessert. "Die Hertha hat viele schnelle Spieler in ihren Reihen - und wenn du dann auf Konter spielst, bist du immer gefährlich", lobt der Ex-Herthaner Maik Franz bei SPORT1. Vier Jahre nach Rehhagel klappt es mit dem Attack-Attack-Go.

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Bei den Kölnern berichtet Keeper Timo Horn von einer Art Drei-Jahres-Plan Stögers für die Bundesliga, in dessen Verlauf sich sein Team immer mehr in Richtung Offensive orientiert: "Heute wollen wir auch gegen Bayern hohes Pressing spielen. Besonders zu Hause wollen wir offensiver sein, selbst das Spiel bestimmen."

- Die Stürmer prägen das Spiel:

Eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Teams können sich auf ihre Sturmspitze verlassen. Herthas Vedad Ibisevic (5 Tore) und Kölns Bundesliga-Toptorjäger Anthony Modeste (7) sind aber nicht nur wegen ihrer Treffer prägend.

Beide sind der Fokuspunkt der Offensive, werden ständig gesucht, gerne auch mit hohen Anspielen, die Angreifer setzen mit Kopfballablagen ihre Nebenleute oft in Szene. Hertha und Köln führen die meisten Kopfballduelle der Liga (66:60), gewinnen auch jeweils mehr als die Hälfte.

Die Berliner wie die Kölner sind also beide stark mit dem Kopf, was ihr Spielverständnis angeht aber auch beide nicht verkopft.

"Wir machen nichts Außergewöhnliches", sagte Stöger vergangene Woche im Volkswagen Doppelpass auf SPORT1 in Bezug auf sein Team: "Wir machen keine Wissenschaft aus dem Fußball. Es sind einfache Dinge."

Auch eine gesunde Selbsteinschätzung ist ein Baustein des Erfolgs.

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