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Wolfsburger Protagonisten: Klaus Allofs (M.), Dieter Hecking (r.) und Julian Draxler © Getty images

München - Vor Kurzem noch Jäger des FC Bayern, ist der VfL Wolfsburg zum Problemfall geworden. Auch Manager Klaus Allofs muss sich kritische Fragen gefallen lassen.

Wenn Kevin De Bruyne damals doch nur gemeint hätte, was er gesagt hätte.

"Ich werde auf jeden Fall diese Saison beim VfL spielen", hielt der ehemalige Spielmacher des VfL Wolfsburg im August 2015 bei einer Preisverleihung fest. Bekanntlich jedoch nur, weil Moderator Alexander Bommes ihm diesen Satz genau so vorgesagt hatte.

De Bruyne ging in die Premier League zu Manchester City, zum Leidwesen von Manager Klaus Allofs. Und zum noch größeren Leidwesen des VfL-Geschäftsführers hat sich sein Klub bis heute nicht richtig davon erholt.

Der Verkauf des Mannes, der die Wölfe 2015 zum Pokalsieg und in die Champions League geführt hatte, setzte einen Abwärtstrend in Gang. Die Entlassung von Trainer Dieter Hecking exakt 14 Monate nach der Aufregung um den "Papageien-Eklat" ist dessen vorläufiger Endpunkt.

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Der Angriff auf den FC Bayern lief schon

Sie hatten ganz andere Pläne in Wolfsburg.

Der VW-Werksklub war auf dem Weg zur zweiten Kraft in Fußball-Deutschland, zumal auch Borussia Dortmund in der Endzeit von Jürgen Klopp eine Schwächephase hatte.

Allofs und Hecking sahen sich in der Position, erste Spitzen Richtung München zu setzen. "Wir wollen den Bayern nicht ewig hinterherlaufen", ließ der Trainer im Frühjahr 2015 verlauten. Dass sein bester Spieler dann aber in eine ganz andere Richtung laufen wollte, hat vieles durcheinander gebracht.

Verhängnisvoller Umbruch

Allofs musste einen Umbruch organisieren, der so nicht geplant war. Und der auch nicht so lief, wie er dann geplant wurde.

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Dass der VfL die Champions League in der vergangenen Saison verpasste: An sich verkraftbar, aber die dadurch ausgelösten Fliehkräfte erweisen sich mehr und mehr als verheerend.

Zahlreiche Leistungsträger signalisierten im Sommer Abwanderungsgedanken, allen voran De Bruynes Nachfolger Julian Draxler, dem auch dann kein Bekenntnis zu Wolfsburg mehr über die Lippen käme, wenn Alexander Bommes es ihm in Schönschrift vorverfassen würde.

Für die Besten nur ein Sprungbrett

"Es war klar, dass der VfL Wolfsburg für mich damals eine gute Perspektive, aber auch ein Sprungbrett sein sollte": Der Satz, mit dem Draxler im Sommer seine innere Kündigung nach außen trug, wirkt wie ein Menetekel. Auch wenn der Weltmeister dann zum Bleiben verdonnert wurde.

Der Klub aus der Autostadt wird den Ruf nicht los, für die besten Spieler nur zweite Wahl, eine allenfalls zeitweise attraktive Durchgangsstation zu sein.

Mario Gomez, der prominenteste Sommer-Transfer, machte es nicht besser, als er bei seiner Vorstellung offen ausplauderte, dass er eigentlich zu einem Champions-League-Team gewollt hätte, dort aber eben nicht untergekommen sei.

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VfL Wolfsburg verharrt in der Nische

Der VfL Wolfsburg wirkt wie eingeklemmt in einer Nische, aus der es kein Entkommen gibt: ambitioniert und finanzstark, das ja. Aber eben nicht gesegnet mit den Standort-Perspektiven, die ein FC Bayern, ein BVB, bald wahrscheinlich auch der am Sonntag überlegene RB Leipzig zu bieten haben.

Allofs war 2012 angetreten, diese Perspektive zu schaffen, Hecking der Trainer seiner Wahl. Der frühere Bremer Meister-Manager überzeugte die traditionell in klangvollere Namen verliebten VW-Mächtigen davon, dass der bodenständige Coach der richtige für sein Projekt wäre.

Die Entwicklung bis zum verhängnisvollen Transfersommer gab Allofs in dieser Einschätzung auch durchaus Recht, angesichts der immer größer werdenden Krise hat der Manager seinen Coach nun aber auch recht schnell fallen lassen.

Allofs verantwortet Transfer-Flops

Kritische Fragen seiner Geldgeber muss sich dabei auch Allofs selbst gefallen lassen: Tabellenplatz 14 passt nicht zu den Ansprüchen eines Sportchefs, der in den vergangenen Jahren dreistellige Millionenbeträge hin- und herbewegen durfte.

Hinzu kommt, dass sich mittlerweile eine ganze Reihe von Allofs-Transfers (Schürrle, Hunt, Bendtner, Kruse, Dante) als Missverständnisse erwiesen haben.

Wolfsburgs Krise ist auch Allofs' Krise, wie er ihr nun begegnet und Heckings Nachfolge regelt, wird interessant zu beobachten sein.

Ismael bekommt seine Chance

Valerien Ismael, der Interims-Coach, bekommt die Chance, sich als Dauerlösung zu empfehlen: "Er ist absolut in der Lage, mit dieser Mannschaft erfolgreich zu arbeiten", sagt Allofs über den U23-Trainer.

Tut Ismael ihm nicht den Gefallen, das auch zu beweisen, steht Wolfsburgs starker Mann vor einer spannenden Richtungsentscheidung.

Holt er einen klangvollen Namen wie Andre Villas-Boas, wäre das ein auffälliger Kontrast zu seiner letzten Trainerwahl - der die Frage aufwerfen würde, ob Allofs noch uneingeschränkter Herr im eigenen Hause ist.

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