Video

München - David Alaba ist in der österreichischen Heimat plötzlich Reizfigur. Das droht auch einen Karriere-Schritt zu torpedieren, den er beim FC Bayern noch vorhat.

Gute Briefe sind wie gute Freunde, sagte Oscar Wilde. Ob David Alaba mit diesem Brief Freundschaft schließt, ist jedoch zu bezweifeln.

Der Linksverteidiger des FC Bayern München bekam in dieser Woche "Post von Jeannee", die österreichische Variante der "Post von Wagner". Und wie bei seinem deutschen Pendant ist der Briefverkehr von Boulevard-Urgestein Michael Jeannee oft kein freundlicher, trotz immer höflicher Grußformeln ("Lieber genialer Linksverteidiger…").

Die Post an Alaba wurde dann auch zur Ohrfeige in Briefform, eine böse Abrechnung mit seinen zuletzt schwachen Leistungen im Nationalteam. Und: Der Krone-Autor verbreitete nach der 2:3-Pleite gegen Serbien in der WM-Qualifikation auch noch das Gerücht, dass Alaba seinen Nationaltrainer Marcel Koller quasi erpresse, auf seiner Wunschposition im Mittelfeld eingesetzt zu werden.

Video

In Österreich herrscht auf einmal Alaba-Frust

Die Länderspiel-Termine mit der Heimat, sie sind gerade keine angenehmen für den Mann, der seit fünf Jahren abonnementmäßig Österreichs Fußballer des Jahres ist: Bereits im Sommer war er das Gesicht der völlig missratenen EM des vermeintlichen Geheimfavoriten.

Die kritische Debatte hört seitdem nicht auf - und Alaba befeuerte sie nach der Serbien-Pleite zusätzlich: Wie österreichische und serbische Medien berichten, wurde Alaba hinterher in einem Belgrader Nachtclub gesichtet. Nicht gerade niedergeschlagen, angeblich.

Alaba nimmt die Kritik in Österreich hin, die Enttäuschung darüber ist aber herauszuhören: "Das ist nichts Neues bei mir in der Heimat. Es werden Schuldige gesucht und da stehe ich, glaube ich, irgendwo ganz oben", sagte er nach seiner Rückkehr nach München.

Ungewohnte Rolle als Reizfigur

Reizfigur zu sein, Gegenstand aufgeregter Debatten: Das ist eine neue Situation für den 24-Jährigen, der im Nationalteam wie im Klub lange nur der unumstrittene Überflieger war. Wie er das übersteht, könnte entscheidend sein für eine weitere Entwicklung - auch bei den Bayern.

Video

Zumal er auch dort ja eigentlich noch einen weiteren Karriere-Schritt eingeplant hat: Wie im Nationalteam will er bei Bayern die Linksverteidiger-Rolle eigentlich irgendwann hinter sich lassen. "Ich sehe mich in Zukunft im Mittelfeld, das ist kein Geheimnis", hielt er kurz vor seiner Vertragsverlängerung bis 2021 im März zum wiederholten Mal fest.

Ein realistischer Plan? Im Mittelfeld herrscht bei Bayern ein Überangebot, woran sich mittelfristig nichts ändern dürfte, ein guter Außenverteidiger ist weniger entbehrlich.

Und seine Auftritte im österreichischen Zentrum sind nicht die beste Werbung für Alabas Idee. Ihm fehle die Routine auf der Position, sagen Wohlmeinende. Weniger Wohlmeinende finden, dass Alaba ein paar grundsätzliche Voraussetzungen dafür fehlen - ein passabler rechter Fuß zum Beispiel.

Positionsroulette hier und dort

Das Positionsroulette, das Alaba zuletzt spielen musste - unter Pep Guardiola musste er oft als Innenverteidiger aushelfen, bei der EM sogar im offensiven Mittelfeld - scheint ihm generell nicht gut getan zu haben.

Alaba leistete sich in diesem Jahr ein paar Dellen in seiner eigentlich hyperbeständigen Leistungskurve. Beim Beinahe-Aus im Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus Turin etwa erwischte er einen schwarzen Tag, bei der EM schließlich wirkte er schlicht heillos überspielt.

Unter Ancelotti lief es als Linksverteidiger bislang wieder wie gewohnt: Er lieferte keinen Grund zur Klage - aber auch keinen Anlass für eine Debatte, ob Alaba auf seiner Position verschwendet ist.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel