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Markus Gisdol und der HSV in der Krise
Zwei Punkte nach zehn Spieltagen: Markus Gisdol (l.) steckt mit dem HSV tief in der Krise © Imago

München - Das Team patzt, die Führung macht Fehler - und die Fans wenden sich ab: Der HSV gibt derzeit ein beängstigendes Bild ab. Eine Trendwende muss dringend her. Aber wie?

Wer derzeit die herbstlichen Tage in Hamburg erlebt, kann sich gleichzeitig ein Bild vom Zustand des HSV machen.

Die zunehmende Dunkelheit durch die kürzer werdenden Tage gleicht der Stimmung im Team, der kühle Wind bläst der Vereinsführung ins Gesicht und die Blätter schwinden so schnell von den Bäumen wie die Hoffnung bei den Fans.

Im Herbst 2016 gleicht der HSV einem Trümmerhaufen - und es gibt auf den ersten Blick kaum Hoffnung auf Besserung.

Vergiftetes Geschenk für "Uns Uwe"

Ausgerechnet an Uwe Seelers 80. Geburtstag erlebte der HSV den vorläufigen Tiefpunkt einer Entwicklung, die vor allem die älteren Anhänger nur noch mit den Köpfen schütteln lässt. Mit einer 2:5-Packung gegen den BVB ging das Team von Trainer Markus Gisdol vom Platz und musste sich Hohn und Spott allerorten gefallen lassen.

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Vor allem eine erschreckende Statistik spricht Bände: Mit zwei Punkten nach zehn Spieltagen hat es noch kein Bundesliga-Team geschafft, den Abstieg zu vermeiden. Woher sollen also diejenigen Mut schöpfen, die es trotz dieser Horrorbilanz noch mit dem Hamburger SV halten?

Wie immer die Antwort lautet - es muss schnell gehen! In den sechs verbleibenden Spietagen bis zur Winterpause muss die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol die Trendwende zumindest eingeleitet haben, sonst dürfte der Zug abgefahren sein.

Punkte müssen her - dringend!

In Zahlen ausgedrückt: Nach den drei Heimspielen (Bremen, Augsburg, Schalke) und den drei Auswärtspartien (Hoffenheim, Darmstadt, Mainz) sollten die Hanseaten eine zweistellige Punktezahl auf dem Konto haben, um sich eine Resthoffnung zu erhalten.

Klar dürfte jetzt schon sein, dass in der Winterpause - mal wieder - nachgerüstet wird. Vor allem in der Abwehr herrscht akuter Handlungsbedarf, selbst bei leerem Lazarett ist der HSV in diesem Mannschaftsteil nicht bundesligatauglich. Johan Djourou und Emir Spahic haben ihre besten Fußballertage hinter sich, Cleber ist viel zu unkonstant.

Aber nicht nur personell muss sich einiges ändern, auch die inneren Strukturen bedürfen eines dringenden und radikalen Umbaus. Da dies nicht im Handumdrehen gelingen kann, muss vorerst notdürftig an einigen Stellschrauben gedreht werden.

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Wichtigster Punkt ist dabei die Neubesetzung der Stelle des Sportdirektors, die nach der Entlassung von Peter Knäbel im Mai unbesetzt blieb. Der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer, der die Stelle seitdem in Personalunion übernahm und sich damit offensichtlich überforderte, ist seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem passenden Kandidaten.

Hoogma und Heldt fallen weg

Nachdem weder bei Nico-Jan Hoogma noch bei Horst Heldt Vollzug gemeldet werden konnte, ist nun offenbar Christian Hochstätter, aktuell Sportdirektor beim VfL Bochum, neuer Favorit. "Aktuell befinden wir uns weiter in Gesprächen und sobald hier eine Entscheidung getroffen ist, werden wir es bekanntgeben", sagt Beiersdorfer.  

Auch hier ist Eile geboten, gilt es doch für den neuen Mann, die Weichen für die erhoffte Aufholjagd in der Rückrunde zu stellen. In der Länderspielpause sollte diese Personalie vom Tisch sein.

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Entscheidend dafür, dass der HSV nicht weiter in seine Einzelteile zerfällt, dürfte allerdings ein anderes Thema sein: Der Zusammenhalt zwischen Trainer, Mannschaft und Fans muss wieder gestärkt werden. "Wir können nur als Team, als Einheit mit den Spielern, unseren Mitarbeitern und den Fans diese schwere Situation meistern", weiß Beiersdorfer.

Vor allem der Schulterschluss mit den eigenen Fans dürfte jedoch eine Sisyphusarbeit werden: Schon vor dem Anstoß gegen Dortmund rollten die Anhänger ein Banner aus, das ihren Missmut verdeutlichte: "Erste Liga, keiner weiß warum", stand darauf geschrieben. "Außer Uwe könnt ihr alle gehen", sang die Kurve vor der Pause, das 0:4 kurz nach dem Seitenwechsel feierte sie höhnisch mit La Ola.

Gisdol verschafft sich Luft

Die zwei Wochen bis zum nächsten Spieltag sollten von Vereinsseite dazu genutzt werden, die Fans zurück ins Boot zu holen - ähnlich wie in Bremen in der Vorsaison. Nur so kann die Rettung noch gelingen.

Bei all den Unzulänglichkeiten darf die Rolle des neuen Trainers nicht verschwiegen werden.

Markus Gisdol, auch nach fünf Spielen als HSV-Coach noch sieglos, hatte in den wenigen Wochen seines Wirkens jedoch schlicht zu wenig Zeit, seine Ideen umzusetzen. Statt eine neue Baustelle aufzumachen, muss die HSV-Führung geschlossen hinter dem Coach stehen - selbst wenn Gisdol nach dem Debakel gegen den BVB seine Chefs attackierte.

Alle müssten sich "bewusst werden, dass wir es nur schaffen, wenn wir die Situation zu 100 Prozent annehmen. Das geht nur, wenn wir es gemeinsam anpacken und der Situation so in die Augen schauen, wie sie tatsächlich ist", sagte Gisdol.

"Wir haben viele Maßnahmen eingeleitet und sind näher zusammengerückt", ergänzte Beiersdorfer. Für die Existenz des letzten Bundesliga-Dinos ist es ganz entscheidend, dass diese Maßnahmen nun greifen.

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