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Nach dem wenig überzeugenden 2:1-Sieg des FC Bayern gegen Leverkusen erkennt SPORT1-Experte Thomas Strunz in seiner Doppelpass-Kolumne zwei zentrale Probleme des Rekordmeisters.

Hallo Fußball-Freunde,

dem FC Bayern haben am Samstagabend beim etwas glücklichen 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen zwei wesentliche Dinge gefehlt.

Zum einen ist das die Verfassung der Spieler: Ich habe momentan nicht den Eindruck, dass die Bayern-Spieler über die absolute Fitness verfügen. Kein Spieler wirkt noch so frisch oder explosiv im Zweikampfverhalten, wie das unter Pep Guardiola der Fall war.

Das zieht sich bis ins Mittelfeld mit Xabi Alonso, Thiago und Philipp Lahm. Natürlich sind diese Spieler immer in der Lage, von ihrer Position aus Torchancen zu kreieren. Aber mir fehlt da oft die Spritzigkeit nach vorne.

Gerade für Lahm ist die Rolle im Mittelfeld auch nicht mehr ideal. Er ist nicht mehr in der Lage, einen "Box-to-Box"-Spieler zu geben, der diese Wege von Sechzehner zu Sechzehner geht.

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Natürlich hat man mit Carlo Ancelotti jetzt einen anderen Trainer und eine andere Mannschaftsführung, wo nicht mehr alles vorgegeben ist und jeder dahin laufen muss, wo der Trainer es sagt.

Die Spieler haben mehr Freiheiten, sie müssen eigenverantwortlich handeln. Wir hatten damals mit Ottmar Hitzfeld auch einen Trainer, der uns mehr Freiheiten gegeben hat.

Gerade dann ist es aber wichtig, eine klare Hierarchie auf dem Platz zu haben.

Was mich zu meinem zweiten Punkt führt: Ich stelle mir die Frage, wer in der Innenverteidigung der Chef ist - der Weltmeister Boateng oder doch der Weltmeister Hummels? Wer gibt da den Ton an und geht voran?

Dazu kommt die neue Rolle von Thomas Müller, der im Moment nur nachdenkt, warum er das Tor nicht mehr trifft. Auch Robert Lewandowski hängt vorne häufig in der Luft.

Das sind einerseits Trainingsprobleme, aber es sind auch Anpassungsschwierigkeiten der gesamten Mannschaft an die neue Führung. Ancelotti ist mit seiner ganzen Ausstrahlung ein völlig anderer Typ als Guardiola.

An diesem Anpassungsprozess hat die Mannschaft im Moment zu arbeiten. Sie haben die letzten drei Jahre alles gewonnen und fragen sich jetzt, wie sie da eigenverantwortlich wieder rauskommen.

Der Sieg über Leverkusen war ein enorm wichtiges Zeichen, aber es gibt aus meiner Sicht noch immer viele Fragezeichen, die hinter dieser Mannschaft stehen.

Bis demnächst
Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz ist als Experte im Volkswagen Doppelpass tätig und wechselt sich in dieser Saison bei der sonntäglichen Doppelpass-Kolumne mit Marcel Reif und Armin Veh ab.

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