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Wolfgang Kleff feiert am Mittwoch seinen 70. Geburtstag
Wolfgang Kleff feiert am Mittwoch seinen 70. Geburtstag © Getty Images

Am Niederrhein ist Wolfgang Kleff eine Legende, in Deutschland stand er im Schatten von Sepp Maier. Erfolge feierte Kleff, der am Mittwoch 70 wird, daher mit Gladbach.

Der Witz ist so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wird der legendäre Bayern-Torhüter Sepp Maier, Vorgänger von Toni Schumacher,  Oliver Kahn und Manuel Neuer im Kasten der deutschen Nationalmannschaft, gefragt, weshalb er seinen Hund abgeschafft habe. Antwortet Maier: "Weil der immer 'Kläff, kläff' gemacht hat."

Legende der Borussia

Den Witz erzählt Wolfgang Kleff, der am Mittwoch seinen 70. Geburtstag feiert, auch heute noch gerne. Am Niederrhein, wo er für Borussia Mönchengladbach 321 Bundesliga-Spiele bestritt, war er immer die Nummer eins. Sein Foto als Borussen-Legende hängt als Teil der "Jahrhundert-Elf" in den Fluren des Stadions.

International, und das ist seine Tragik, kam er aber an Maier nicht vorbei. Kleff ist zwar Europameister 1972 und Weltmeister 1974, aber eben nie als Nummer eins. Er kam auf nur sechs Länderspiele.

"Sepp hatte enorm lange Arme, wie ein Orang-Utan", sagt Kleff, der trotz eines Schlaganfalls im Jahr 2010 seinen Humor nicht verloren hat. Im Interview mit der Westdeutschen Zeitung verriet er: "Ich kann froh sein, dass ich noch unter uns weile. In meiner Brust steckt ja seit einigen Jahren ein Mini-Defibrillator." Sein Puls darf 110 Schläge nicht überschreiten, eine große Party steigt daher nicht.

Viele Titel eingefahren

Erlebt hat Kleff ohnehin genug für mehrere Fußballer-Leben. Fünf deutsche Meisterschaften, den Pfostenbruch gegen Werder Bremen. 56 Europapokalspiele, darunter die UEFA-Cup-Siege 1975 und 1979, den Büchsenwurf beim 7:1 gegen Inter Mailand.

Aber Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Nach seinem dritten Europapokalspiel zürnte Trainer Hennes Weisweiler: "Er hätte sich nicht um Papierrollen kümmern sollen." Kleff hatte seinen Strafraum aufgeräumt, in den Everton-Fans Klopapier geworfen hatten und sich dabei von einem Schuss aus 30 Metern überraschen lassen.

Unvergesslich auch die Szene, als Günter Netzer am 23. Juni 1973 mit einem verunglückten Schuss in seinem letzten Spiel für die Borussia den 2:1-Pokalsieg über den 1. FC Köln sicherstellte. Kleff hatte Weltklasse gehalten, aber die Schlagzeilen gehörten natürlich dem King.

Kleff: "Ich war dazu da, die Fehler der anderen auszubügeln. Als Torwart hat man die größte Verantwortung, denn deine Fehler sieht selbst der Dümmste auf der Tribüne." Dank Netzer konnte er am Tag danach in den bereits gebuchten Urlaub fliegen. Sonst hätte es - so waren damals die Regeln - ein Wiederholungsspiel gegeben.

Kein Neid auf heutige Generation

Neid auf die weitaus höheren Gehälter der heutigen Spielergeneration kennt der einstige Keeper nicht - er sieht sogar Vorteile in seinem Profidasein von damals.

"Man konnte sich freier bewegen, die Welt war noch nicht so geil auf Sensationen", sagte der einstige Keeper von Borussia Mönchengladbach im Express-Interview: "Wir sind früher nach dem Spiel einfach rausgegangen und es hat keine Sau interessiert."

Kleff, der noch mit 61 im Tor des Landesligisten FC Rheinbach stand, bestritt sein letztes Match für Mönchengladbach am 29. Mai 1982 beim 6:1 gegen Darmstadt. Dann musste er gehen (zur Düsseldorfer Fortuna, nachdem er zwischenzeitlich auch schon ein Jahr bei Hertha BSC gespielt hatte).

Manager Helmut Grashoff musste 750.000 Mark an Spielergehältern einsparen, allein Kleff verdiente 250.000.

Seine optimistische Grundeinstellung zum Leben hat Kleff auch nach seinem Schlaganfall nie verloren. Ex-Teamkollege Jupp Heynckes sagte einst über ihn: "Er ist leichtlebig, kann sich aber auf den Punkt konzentrieren."

Leichtlebig? Na ja. Jedenfalls haben weder Wolfgang Kleff noch Sepp Maier das Torwart-Spiel so verbissen gesehen wie später Toni Schumacher oder Oliver Kahn. Kleff war und ist für jeden Spaß zu haben. Der Beweis: Er trat sogar in Filmen des Blödel-Meisters Otto Waalkes auf, weil die beiden sich physisch so ähnelten.

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