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Vor seiner Wahl bittet Uli Hoeneß die Bayern-Mitglieder in einer emotionalen Rede um ihr Vertrauen, zeigt Reue und macht eine kleine Kampfansage. Die Rede im Wortlaut.

"Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Mitglieder. Vor gut zweieinhalb Jahren war ich auch hier gestanden und da habe ich nicht gewusst, was aus mir wird. Dass ich heute hier stehen kann, habe ich verschiedenen Faktoren zu verdanken: meinen Freunden und meinen zwei Familien. Die eine Familie ist meine private Familie. Meine Frau, die gekämpft hat wie eine Löwin.

(Applaus)

Meine Kinder, mein Schwiegersohn, meine Schwiegertochter und die vier Enkel. Wir haben vier, nicht drei, wie ich immer überall lesen muss. Alles Buben.

(Applaus)

Und dann die Familie des FC Bayern. Als ich damals zu der Versammlung kam, in der Karl Hopfner zum Präsidenten gewählt wurde, habe ich mich lange gefragt, ob ich eigentlich da hingehen soll, was ich da noch soll. Ich war ja zurückgetreten wegen meiner Steuersache und dann habe ich mich doch entschlossen, kurzfristig hier rein zu kommen.

Als ich dann hier rein kam und diese Ovationen, diese Unterstützung gespürt habe, da habe ich genau diesen Satz gesagt: 'Das war's noch nicht.' Weil ich so überwältigt war von der Zuneigung von der Liebe, von der Freundschaft, die ich hier erleben durfte. Das hat mich in der ganzen Zeit, in der ich in der Haft war, immer wieder angetrieben. Zu diesen Leuten zurückzukommen.

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Ich habe in der Zeit 5500 Briefe bekommen, auch viele aus dem Bereich der Mitglieder, der Fans des FC Bayern. Und immer dann, wenn ich gar nicht mehr weiter wusste, meistens an Sonntagen, weil am Wochenende ist man bis zu 40 Stunden eingeschlossen, dann habe ich diese Briefe gelesen.

Ich habe manchmal in meinem Bett gelegen oder gesessen und geweint wie ein Schlosshund, weil ich nicht verstehen konnte, dass Menschen, die mich zum großen Teil nicht gekannt haben, mir seitenlange, handgeschriebene Briefe schreiben, um mich aufzumuntern, um mir die Kraft zu geben, es wieder zu packen. Und ich glaube, das hat in erster Linie dazu beigetragen, dass ich diese schwierige Zeit so gut überstanden habe.

Ich habe eine großen Fehler gemacht, gar keine Frage. Ich respektiere jeden hier im Saal, der mir heute seine Stimme wegen dieses Fehlverhaltens nicht gibt. Ich bin Demokrat, aber ich habe alles getan, um diesen Riesenfehler wiedergutzumachen.

(Applaus)

Ich habe meine Steuerschulden inklusive Zins und Zinseszinsen und der Kirchensteuer bis auf den letzten Cent bezahlt.

(Zwischenrufe)

Ich habe mich im Gefängnis verhalten wie ein Häftling es nicht besser machen kann. Und die Beurteilung durch die Chefin der Anstalt in Landsberg, die hat mit dazu beigetragen, dass ich eine Halbstrafe bekommen habe, was in Bayern nicht selbstverständlich ist. Die Maßstäbe an die Halbstrafe sind extrem hoch und man muss alles, alles hundertprozentig erfüllen, um eine Chance zu haben, diese Halbstrafe zu erlangen. Und ich habe es geschafft.

Jetzt bin ich hier.

(Applaus)

Ich bin glücklich, dass der Verwaltungsrat einstimmig darüber abgestimmt hat, mich als Präsident für diesen großartigen Verein zu nominieren. Ich bitte Sie um eine zweite Chance, und ich verspreche Ihnen, dass ich alles tun werde, um Ihre Erwartungen zu erfüllen.

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Ich bin nicht einer, der auf die Uhr schaut, wenn er zum Arbeiten geht. Ich habe immer in meinem Leben die Arbeit, die angefallen ist, bis zum Ende durchgezogen. Und wenn es manchmal sieben Tage sein werden, dann werde ich eben sieben Tage arbeiten. Dafür wird und muss meine Frau Verständnis haben.

(Applaus)

Ich möchte ein Bindeglied sein zwischen Mitgliedern, Ihnen, denen der Verein in erster Linie gehört, 75 Prozent gehören Ihnen. Ich möchte ein Bindeglied zwischen Ihnen und dem Verein sein. Ich möchte ein Bindeglied zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstand sein. Ich möchte ein Bindeglied zwischen dem Verwaltungsbeirat und dem Präsidium sein.

Und ich möchte ein Kümmerer, ein Ratgeber für alle Mitarbeiter in diesem Klub, für die Spieler von Basketball und Fußball sein, wenn Sie mich brauchen. Auch die Trainer können zu mir kommen, wenn sie Rat suchen.

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Ich denke, dass man am Ende dieser Zeit oft nachdenklich wird. Diese Kraft, die hat mir dieser Verein zurückgegeben. Ich bedanke mich auch bei Karl-Heinz Rummenigge, dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, in meiner Freigängerzeit beim FC Bayern zu arbeiten in der Jugendabteilung.

Das hat mir den Blick geöffnet auf viele Dinge, die ich gegebenenfalls in der Zukunft gut gebrauchen kann. Aber ich glaube, ich werde mich auch darum kümmern, dass der FC Bayern seiner ungeheuren sozialen Verantwortung - wie bisher - gerecht wird. Das ist mir ein wichtiges Anliegen. Denn Fußball ist das eine, Gesellschaft ist das andere. Und der FC Bayern München ist ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft und hat da wichtige Aufgaben.

(Applaus)

Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache und Aussprache Probleme auszusprechen, ist nicht verloren gegangen. Sie schläft nicht, sie ruht - und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen.

(Applaus)

Ich möchte Sie nun bitten, mir Ihr Vertrauen zu geben und mir bei der Wahl zum Präsidenten dieses großartigen Klubs, Ihre Stimme zu geben. Vielen Dank."

(Standing Ovations)

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