vergrößernverkleinern
Starke Leistung und Gelb-Rot: Schalkes Bernard Tekpetey (l.), hier gegen Dante, erlebt ein Wechselbad der Gefühle © Imago

Gelsenkirchen - Schalke marschiert durch die UEFA Europa League und ist seit elf Spielen ungeschlagen. Einige Talente nutzen dabei ihr Chance - trotz eines Platzverweises.

Christian Heidel war in Geberlaune. Da strich er auch mal kurzerhand einen Platzverweis.

"Das war heute ein Spiel, das hat er gut gemacht – die Gelb-Rote vergessen wir jetzt mal – und es gibt Anlass zur Hoffnung, dass dem weitere folgen werden", lobte der Manager von Schalke 04 bei SPORT1 nach dem 2:0-Sieg in der UEFA Europa League gegen OGC Nizza Youngster Bernard Tekpetey.

"Die Frische und Dynamik, die er an den Tag legt und ab der ersten Sekunde gezeigt hat und das unberechenbare Engagement zum Tor machen sein Spiel aus", sagte auch Torhüter Ralf Fährmann bei SPORT1.

Video

Vier eigene Talente gegen Nizza

Der 19-jährige Tekpetey war eines von vier Schalker Talenten, die von Trainer Markus Weinzierl gegen den französischen Tabellenführer eine Chance bekamen. Und sie durchaus nutzten.

Und damit auch ein wenig die Hoffnung schürten, dass aus dem Fundus der Knappenschmiede, der Schalker Nachwuchsabteilung, neue, ernsthafte Alternativen für die Profis entwachsen können. Ganz nach Schalker Tradition und als Nachfolger der Weltmeister Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Mesut Özil und Julian Draxler oder aber Ralf Fährmann und Max Meyer – um nur ein paar zu nennen.

Wie sehr und wie schnell das Schalker Publikum diese jungen Wilden in ihr Herz schließt, bewies die Nachspielzeit, als Tekpetey nach seinem Platzverweis vom Platz schlich. Von Standing Ovations des ganzen Stadions begleitet.

Video

Die Schalker Anhänger lechzen traditionell schon immer nach einem der ihren, einem, der sich aus der Jugend zu den Profis malocht. Das sind nun mal die schönsten Geschichten. Mindestens aber die mit der größtmöglichen Portion Identifikation.

"So viel erlebt, wie andere in einer Saison"

"Er hat in einem Spiel so viel erlebt, wie andere in einer kompletten Saison", sagte Heidel SPORT1 zu Tekpeteys Premiere bei den Profis. Der Ghanaer hatte neben seinem Platzverweis auch Gelb für eine Schwalbe gesehen und den Elfmeter zum entscheidenden 2:0 herausgeholt. "Er war sehr engagiert", lobte auch Weinzierl bei SPORT1 seinen Angreifer, der vom neuen U23-Manager Gerald Asamoah entdeckt worden war.

Den besten Eindruck hat wohl Thilo Kehrer hinterlassen, der nach ein paar Kurzeinsätzen erstmals in der Startelf stand und in der Abwehr eine souveräne Leistung zeigte. Von Nervosität keine Spur, auch anschließend in der Mixed Zone nicht, als die Schalker Talente im Mittelpunkt des Interesses standen. "Ich versuche, eine gewisse Ruhe auf der Position auszustrahlen. Natürlich haben meine Mitspieler mir auch geholfen", sagte der 20-Jährige.

Video

Avdijaj mit Profidebüt

Neben Tekpetey und Kehrer stach auch Fabian Reese (18) heraus, der in seinem 45-minütigen Einsatz fast ein Tor erzielt hätte. "Er hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Er hat den Gegner gefordert", sagte Weinzierl. Und Donis Avdijaj (20), der vor allem außerhalb des Platzes mit Autounfällen und schrägen Interviews für Schlagzeilen sorgte, feierte in den letzten Minuten dann auch noch seine Premiere als Schalke-Profi.

Doch Heidel mahnte vor einem vorschnellen Hype, und das völlig zu Recht. "Die Jungs müssen weiter Gas geben und richtig an sich arbeiten. Sie werden immer wieder ihre Chance bekommen. Und wenn der Trainer die Qual der Wahl hat – das ist das Beste, was uns passieren kann", sagte Heidel.

Denn dann sitzt nicht nur der zweite Anzug, sondern im Idealfall auch der erste.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel