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Uli Hoeneß ist wieder Präsident des FC Bayern München
Uli Hoeneß ist wieder dick im Geschäft: Die Bayern-Mitglieder haben ihn erneut zum Präsidenten gewählt © Getty Images

München - Uli Hoeneß macht direkt nach seiner Rückkehr deutlich, dass beim FC Bayern ohne ihn nichts mehr geht. Seine Attacke auf RB Leipzig sorgt für Begeisterung.

Als Uli Hoeneß am Freitagabend um kurz nach 23 Uhr und 987 Tagen Abwesenheit auf dem Präsidentenstuhl des FC Bayern Platz genommen hatte, atmete er tief durch und sagte nur ein Wort ins Mikrofon: "So".

Es war ein Stoßseufzer, den jeder im voll besetzten Audi Dome verstand: Jetzt bin ich endlich wieder da, wo ich hingehöre.

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Zweieinhalb Jahre sind seit seiner letzten Mitgliederversammlung am 2. Mai 2014 vergangen, als er das Comeback nach seiner Haftstrafe mit dem schon legendären und am Freitag oft zitierten Satz "Das war's noch nicht" ankündigte.

"Diese Rückkehr war immer die Vision, die an dem Tag des Rücktritts begonnen hat. Den Entschluss dazu habe ich nach der großen Unterstützung bei der Hauptversammlung 2014 gefasst", berichtete Hoeneß weit nach Mitternacht auf seiner ersten Pressekonferenz als neuer alter FCB-Boss vor zahlreichen Journalisten aus dem In- und Ausland.

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In seiner knapp neunminütigen, emotionalen Bewerbungsrede für die Wahl zum Präsidenten war der 64-Jährige detaillierter darauf eingegangen. "Ich war damals überwältigt von der Zuneigung, Liebe und Freundschaft. Das hat mich in der ganzen Zeit immer wieder angetrieben, zu diesen Leuten zurückzukommen", berichtete er.

"Geweint wie ein Schlosshund"

Während der Haft wegen Steuerhinterziehung hätten ihm dann vor allem die rund 5500 Briefe von Bayern-Anhängern geholfen: "Die habe ich in der Zelle auf meinem Bett gelesen und manchmal geweint wie ein Schlosshund."

Am Freitag blieben die Augen bei Hoeneß trocken. Zu vorhersehbar war der Ausgang seiner mit "Du bist der beste Mann"-Gesängen gefeierten Inthronisierung. Am Ende bekam er 97,7 Prozent Ja-Stimmen der 7152 anwesenden Mitglieder bei 108 Gegenstimmen und 58 Enthaltungen.

"Ich respektiere hier jeden, der mir seine Stimme wegen dieses Fehlers nicht gibt. Ich bin Demokrat", sagte Hoeneß in Richtung der Kritiker.

"Bitte um eine zweite Chance"

"Aber ich habe alles getan, um diesen riesigen Fehler wieder gut zu machen. Ich habe meine Steuern bis auf den letzten Cent bezahlt. Ich habe mich im Gefängnis wie ein Häftling verhalten, der es nicht besser machen kann. Ich bitte Sie um eine zweite Chance und verspreche, dass ich alles tun werde, um Sie zufrieden zu stellen. "

Das war's dann aber auch mit der öffentlichen Selbstgeißelung. Nach seiner Wahl jedenfalls vermittelte Hoeneß als Versammlungsleiter mehr und mehr den Eindruck, als habe er die lästige Vergangenheit nun endgültig wie einen alten Anzug entsorgt.

"Es ist alles ausgeräumt. Ich habe den Rücken frei - sonst hätte ich mich nicht zur Wahl gestellt", stellte er auf der nächtlichen Pressekonferenz klar: "Ich werde nicht mehr zurück, sondern nur nach vorne schauen."

Umjubelte Attacke auf Leipzig

Und dieser Blick ging in einer seiner ersten Aussagen als frisch gewählter Präsident in Richtung Osten. "Leipzig hat 4:1 in Freiburg gewonnen. Wir haben jetzt neben Dortmund endlich wieder einen Feind, den wir attackieren können", erklärte er unter Gejohle im Saal:

"Denn wenn wir ehrlich sind: In den letzten Jahren mussten wir unsere Motivation allein aus uns selbst ziehen. Uns hat keiner gereizt, keiner geärgert. Es ist höchste Zeit, dass wieder ein paar kommen, die wir bekämpfen." 

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Später relativierte Hoeneß die Aussagen, nannte den Überraschungs- Tabellenführer "einen Rivalen" und lobte die "junge, hungrige Mannschaft". Auch seien "nicht alle meine Aussagen gleich wieder Abteilung Attacke".

Doch die Lust, sich bald wieder in den Kampf zu werfen, war ihm deutlich anzusehen:  "Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Spaß kommt auf.  Es ist ganz wichtig, dass wir wieder richtige Gegner haben."

Wieder ganz wie früher

Klar wurde dabei auch: Der Bayern-Patron will wieder da anknüpfen, wo er 2014 gezwungenermaßen aufhören musste. Einen altersweisen, zurückhaltenden Hoeneß wird es vorerst nicht geben.

"Ich habe mich sehr geärgert über die Schlagzeilen von einem Teilzeit-Hoeneß", sagte er. "Wer mich kennt, weiß, dass ich das nie machen werde. Wenn es wichtig ist, bin ich da."

Darauf kann sich auch die sportliche Führung einstellen, zumal Hoeneß in Kürze fast sicher wieder auch an die Spitze des Aufsichtsrats der FC Bayern AG zurückkehren wird.

Für die vorschnelle Ausrufung von Philipp Lahm zum künftigen Sportdirektor durch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge auf der Versammlung zeigte Hoeneß beispielsweise nur mäßige Begeisterung: " Das ist kein Thema, dass wir vor Weihnachten unbedingt lösen müssen."

Auch hier wurde Hoeneß' Botschaft zwischen den Zeilen deutlich: Ich bin zurück, ohne mich läuft ab sofort nichts mehr an der Säbener Straße. Was sich für die Konkurrenz und vielleicht auch für Rummenigge und Co. wie eine Drohung anhört, ist für die Bayern-Fans eine Verheißung.

Entsprechend glücklich verließen die meisten auch dank des ausgeschenkten Freibiers die Versammlung, der große Ärger über das anfängliche Chaos beim Einlass war da schon längst verflogen.

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