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Bayern Muenchen Doha Training Camp - Day 3
Die Bayern im Trainingslager in Katar © Getty Images

Doha - Dreiermittelfeld? Zwei Sechser? Mit Thomas Müller oder ohne ihn? Im Trainingslager des FC Bayern wird viel über Taktik diskutiert - auch Thiagos Ausfall spielt eine Rolle.

"Wechsel, wechsel! Cambiar, cambiar", schallt es über den Trainingsplatz auf der Aspire Academy in Doha.

Es ist einer der wenigen Momente, in denen Carlo Ancelotti aktiv in eine Übung des FC Bayern im Trainingslager in Katar eingreift. Der Italiener steht am Rand und malt mit den Händen imaginäre Flankenwechsel in die Luft.

Reporter Christoph Küppers ist für SPORT1 in Doha vor Ort
Reporter Christoph Küppers ist für SPORT1 in Doha vor Ort © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/SPORT1/Getty Images

Seit knapp 20 Minuten sollen seine Spieler auf einem etwa 40 Meter langen Feld auf sechs kleine Tore vor allem Spielverlagerungen üben. Besonders interessant: Eines der beiden Teams spielt im 4-3-3, das andere im 4-2-3-1.

Formationen entfachen Grundsatzdiskussion

Es sind zwei Formationen, die momentan exemplarisch für eine Grundsatzdiskussion rund um den FC Bayern stehen.

Über dem achttägigen Trainingslager schwebt die Frage: Wie spielt der Rekordmeister in der Rückrunde?

Fakt ist: Ancelotti hat sich noch nicht auf ein System festgelegt. Zu Beginn seiner Amtszeit im vergangenen Sommer versuchte der Italiener krampfhaft das von ihm favorisierte 4-3-3 durchzusetzen. Damit gewann er mit Real Madrid die Champions League, mit Paris Saint-Germain die Meisterschaft, mit dem FC Chelsea Meisterschaft und FA Cup.

Bayern fremdeln mit Ancelottis System

Auch den Bayern wollte Ancelotti sein Erfolgsrezept einimpfen. Allerdings hatte die Mannschaft Schwierigkeiten mit den Ideen des Trainers. Sie spielte aus dem - mit drei zentralen Spielern recht dichten - Mittelfeld zu langsam nach vorne, wirkte verkrampft und kam etwa gegen Köln oder Frankfurt nicht über ein Unentschieden hinaus.

Philipp Lahm erklärt die Probleme in Katar auf SPORT1-Nachfrage so: "Ohne einen Zehner fehlte uns so ein bisschen die Zwischenstation zwischen Angriff und Mittelfeld."

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Zum Ende der Hinrunde stellte Ancelotti dann auf ein 4-2-3-1 um. Prompt dominierte der FC Bayern seine Gegner wieder, wie gegen Mainz (3:1), Wolfsburg (5:0) und Leipzig (3:0).

"Wir haben schon oft mit einem Zehner gespielt", sagt etwa Arjen Robben und ergänzt: "Das hat immer sehr gut geklappt. Ich glaube auch nicht, dass wenn man mit einer Zehn spielt, es unbedingt offensiver sein muss. Man kann dann auch defensiv gut organisiert sein." Ein Plädoyer fürs 4-2-3-1.

Thiagos Aus als Chance für Müller

Auch andere Spieler fühlen sich in diesem System wohler. Thiago zum Beispiel. Auf der "Zehn" reifte der Spanier wieder zur Weltklasse-Form.

Dass er sich nun im Trainingslager verletzte, ist ein herber Rückschlag für die Mannschaft. "Das ist bitter und schade. Er war in sehr guter Verfassung", sagt Lahm.

Thiagos Ausfall dürfte die Chance für Thomas Müller sein. Nach Ancelottis Systemwechsel kam auch der nach einer verkorksten EM kriselnde Nationalspieler im Hinrunden-Endspurt wieder langsam in Fahrt und erzielte seinen ersten Liga-Treffer. Müller in Katar: "Diese Umstellung kam auch mir entgegen. Hinter den Spitzen habe ich mich wieder am rechten Fleck gefühlt."

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Luxus-Problem auf der Zehn

Findet Müller wieder zur alten Form und kommt Thiago noch vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Arsenal Mitte Februar zurück, stünde Carlo Ancelotti auf der Zehn vor einem wahren Luxus-Problem.

Wie übrigens auch im defensiven Mittelfeld, wo der Italiener ebenfalls die Qual der Wahl hätte: Xabi Alonso, Joshua Kimmich, Arturo Vidal und Renato Sanches würden im neuen System nur noch um zwei anstatt drei Plätze kämpfen. Der verdichtete Konkurrenzkampf könnte den Kader zu neuen Höchstleistungen treiben - wenn denn alle Spieler gesund bleiben.

Eigentlich scheint in Bayerns Taktik-Debatte alles für das 4-2-3-1 zu sprechen. Die Mannschaft, die Besetzung, die Ergebnisse. Nur der "Mister" scheint noch skeptisch.

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