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Die Südtribüne in Dortmund bleibt gegen Wolfsburg leer
Die Südtribüne in Dortmund bleibt gegen Wolfsburg leer © Imago

Borussia Dortmund muss in einem Spiel ohne die Unterstützung der Südtribüne auskommen. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Strafe für den BVB.

Borussia Dortmund wird für die Vorfälle am Rande des Spiels gegen RB Leipzig hart bestraft. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was war passiert?

Im Heimspiel von Dortmund gegen RB Leipzig am 4. Februar wurden auf der Südtribüne im Signal Iduna Park zahlreiche Banner und Spruchbänder mit verunglimpfenden und diffamierenden Inhalten hochgehalten. Zudem warfen Fans gefüllte Bierbecher Richtung Innenraum. Leipziger Spieler wurden mit einem Laserpointer irritiert.

Wie fällt die Strafe aus?

Gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Samstag wird die komplette Südtribüne gesperrt. Zudem muss der BVB eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro zahlen.

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Der Verein akzeptierte den entsprechenden Strafantrag des DFB-Kontrollausschusses. Deshalb kam es zu keiner Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht, das sofort ein Urteil ergehen lassen konnte. Bestraft wurde der BVB nicht nur für die Vorfälle zuhause gegen RB, sondern auch für Vorkommnisse bei zwei anderen Partien. 

Während des Spiels bei 1899 Hoffenheim (2:2) seien mehrmals Schmählieder gesungen worden, beim Hinspiel in Leipzig (0:1) monierte der Kontrollausschuss "ein beleidigendes Banner im Dortmunder Block".

Was ist mit den Vorfällen vor dem Stadion?

Die Sperre hat ausdrücklich keine Auswirkungen auf die juristische Verfolgung der Randalierer, die vor dem Spiel gegen RB am 4. Februar Steine und Flaschen auf Gästefans geworfen hatten. Zehn Personen wurden dabei vor dem Stadion verletzt.

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Die Sportgerichtsbarkeit des DFB hat keinen Zugriff auf die Vorfälle, die sich außerhalb des Stadions zutrugen. Hier liegt die alleinige Zuständigkeit bei den staatlichen Stellen wie Polizei, Staatsanwaltschaft und den ordentlichen Gerichten.

Wie begründet der BVB seine Entscheidung?

Die Dortmunder hätten in einer Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht für eine mildere Strafe kämpfen können. Der Verein akzeptierte aber den Strafantrag des Kontrollausschusses.

In einer Pressemitteilung erklärte der Klub, seine Entscheidung basiere "auch auf unserer Überzeugung, dass es in der emotional noch immer aufgeladenen Atmosphäre derzeit weder möglich noch sinnvoll erscheint, eine inhaltliche Debatte über ein im juristischen Sinne 'angemessenes', 'erforderliches', 'verhältnismäßiges' oder 'weitsichtiges' Strafmaß zu führen."

Und weiter: "Wir sehen außerdem die Gefahr, dass die Ablehnung des Strafantrages oder von Teilen seiner Inhalte durch den BVB als mangelnde Einsicht des Klubs in das krasse Fehlverhalten von Teilen der Fans fehlinterpretiert werden könnte. Dieser Eindruck wäre fatal!"

Trotzdem stellte der BVB auch klar, dass man die "Kollektivstrafe" für 25.000 Zuschauer für unverhältnismäßig halte.

Trainer Thomas Tuchel sagte auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel in Lissabon: "Ich finde, es ist ein drastisches Urteil. Es ist ein großer moralischer Zeigefinger. Ich bin kein Freund der großen Moralisierung. Die Gelbe Wand ist ein Monument des Weltfußballs. Da ist eine Kollektivstrafe ausgesprochen worden, die gegen viele gerichtet ist, die sich auch gegen Gewalt distanzieren würden." (PK-Ticker zum Nachlesen)

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Was passiert mit den Karten?

Die Borussia erstattet allen Fans, "die nicht erwiesenermaßen zu den Tätern der Vorkommnisse rund um das Leipzig-Spiel gehören", den Preis ihrer Eintrittskarten.

Dauerkarteninhabern wird der anteilige Betrag zurückgezahlt. Tageskartenkäufer erhalten zum Ausgleich für das Wolfsburg-Spiel die gleiche Karte für das letzte Bundesliga-Heimspiel im Mai gegen Werder Bremen.

Gab es schon vergleichbare Strafen?

Es gab durchaus bereits Zuschauerausschlüsse in vergleichbarer Dimension.

Im Jahr 2011 musste beispielsweise der FC St. Pauli nach dem Becherwurf eines Fans auf den Schiedsrichter-Assistenten gegen Schalke das darauffolgende Spiel gegen Bremen unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen.

Eintracht Frankfurt durfte sein Pokalspiel gegen Ingolstadt im vergangenen Oktober vor nur 6127 Zuschauern bestreiten, weil Anhänger der Hessen eine Runde zuvor in Magdeburg randaliert hatten.

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Was bedeutet die Strafe für den Fall St. Pauli?

Auch beim Kiezklub gab es am Wochenende Ärger um Banner in der Fankurve. Darauf wurden die Bombenopfer von Dresden im Zweiten Weltkrieg verhöhnt.

Banner von Fans des FC St. Pauli
Mit diesem Banner sorgten die Fans des FC St. Pauli für negative Schlagzeilen © Imago

Doch St. Pauli muss wohl nicht mit einer ähnlich harten Strafe wie die für den BVB rechnen. Denn: Dortmund spielte wegen diverser Vorfälle in vergangenen Spielen bereits auf Bewährung. Dies ist auch ein Grund für die harte Strafe gegen die Schwarz-Gelben.

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